Anglesit ist Bleisulfat, PbSO4, und mit einer Dichte von 6,3 bis 6,4 eines der schwersten durchsichtigen Mineralien überhaupt. Sein Diamantglanz und die Dispersion von 0,044 stehen im Widerspruch zu einer Mohshärte von nur 2,5 bis 3 — deshalb ist er reine Sammlerware und kein Schmuckstein.
Anglesit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Sulfate, wasserfreie Sulfate ohne Fremdanionen; Baryt-Gruppe (mit Baryt und Coelestin) |
| Chemische Formel | PbSO4 (rund 66 Prozent Blei) |
| Kristallsystem | orthorhombisch, dipyramidal (2/m 2/m 2/m), Raumgruppe Pnma |
| Mohs-Härte | 2,5 bis 3 |
| Dichte | 6,3 bis 6,4 g/cm³ (Einzelangaben 6,29 bis 6,40) |
| Brechungsindex | 1,877 bis 1,894 (nα 1,878, nβ 1,883, nγ 1,895); zweiachsig positiv, 2V rund 75 Grad; Dispersion 0,044 |
| Doppelbrechung | 0,017 |
| Glanz | Diamantglanz, an angewitterten oder derben Partien harzig bis matt |
| Spaltbarkeit | gut nach (001), deutlich nach (210); spröde |
| Bruch | muschelig |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig |
| Farben | farblos, weiß, grau, strohgelb bis goldgelb, bräunlich orange, grünlich, bläulich, sehr selten violett; Strich weiß |
| Wichtigste Fundorte | Touissit und Mibladen (Marokko), Tsumeb (Namibia), Broken Hill in New South Wales (Australien), Monteponi und Montevecchio auf Sardinien (Italien), Leadhills (Schottland), Coeur d'Alene und Bunker Hill in Idaho (USA), Parys Mountain auf Anglesey (Wales, Typlokalität) |
| Behandlungen | im Regelfall unbehandelt; dokumentiert ist ein Bleichen marokkanischer Ware aus den frühen 1980er-Jahren, das eine bernsteinrote Oberflächenfarbe erzeugte |
| Erstbeschreibung | 1783 von William Withering an der Parys Mine auf Anglesey als eigenständiges Mineral erkannt; 1832 von François Sulpice Beudant nach der Insel Anglesey benannt |
Sechseinhalbmal schwerer als Wasser
Wenn Sie einen geschliffenen Anglesit zum ersten Mal in die Hand nehmen, fällt Ihnen nicht die Farbe auf, sondern das Gewicht. Mit einer Dichte von 6,3 bis 6,4 Gramm je Kubikzentimeter gehört Anglesit zu den schwersten durchsichtigen Mineralien, die überhaupt geschliffen werden. Zum Vergleich: Quarz liegt bei rund 2,65, Diamant bei 3,52, Zirkon bei etwa 4,7. Ein Anglesit von zehn Millimeter Durchmesser wiegt damit gut doppelt so viel wie ein gleich großer Saphir. Ursache ist das Blei: Die Formel PbSO4 enthält rund 66 Prozent Blei, und dieses schwere Element bestimmt sowohl die Dichte als auch die optischen Eigenschaften. Für die Bestimmung ist das ein Geschenk. Kaum ein anderes Merkmal trennt Anglesit so zuverlässig von den farblosen Steinen, mit denen er verwechselt werden könnte. Wer im Labor eine hydrostatische Wägung durchführt, hat den Stein nach wenigen Minuten sicher angesprochen, noch bevor das Refraktometer zum Einsatz kommt.
Diamantglanz auf einem Stein, den der Fingernagel ritzt
Der Brechungsindex von Anglesit liegt zwischen 1,877 und 1,894, die Dispersion bei 0,044. Damit erreicht er rechnerisch dasselbe Farbenspiel wie Diamant, und der Oberflächenglanz wird in der Fachliteratur durchweg als Diamantglanz beschrieben. Ein sauber facettierter Anglesit wirkt deshalb auf den ersten Blick ungewöhnlich lebendig. Dem steht eine Mohshärte von 2,5 bis 3 gegenüber. Das bedeutet: Ein Kupferpfennig ritzt den Stein, ein Fingernagel kommt an der Grenze. Hinzu kommt eine gute Spaltbarkeit nach der Basisfläche und eine zweite, deutliche Spaltrichtung. Diese Kombination aus hervorragender Optik und mechanischer Schwäche ist das eigentliche Kennzeichen des Minerals. Sie erklärt, warum Anglesit in keiner Schmuckkollektion auftaucht und trotzdem in jeder ernsthaften Mineraliensammlung steht. Der Stein ist optisch ein Spitzenmaterial und mechanisch ein Sorgenkind — beides zugleich, und das lässt sich nicht trennen.
Ein Kind der Oxidationszone
Anglesit entsteht nicht primär aus einer Schmelze oder Lösung, sondern als Umwandlungsprodukt. Ausgangsmaterial ist Bleiglanz, mineralogisch Galenit, PbS. Wo eine Bleilagerstätte bis in den Bereich des zirkulierenden, sauerstoffhaltigen Grundwassers reicht, wird das Sulfid oxidiert; der Schwefel geht vom Sulfid- in den Sulfatzustand über, und es bildet sich Bleisulfat. Deshalb finden Sie Anglesit fast ausschließlich im oberen, verwitterten Teil von Blei-Zink-Lagerstätten, in der sogenannten Oxidationszone. Häufig sitzen die Kristalle unmittelbar auf angefressenem Bleiglanz, und viele Stufen zeigen noch einen unveränderten Galenitkern. Anglesit bildet außerdem Pseudomorphosen nach Galenit und nach Cerussit, übernimmt also deren äußere Kristallform bei eigener Substanz. Typische Begleiter sind Cerussit, Baryt, Limonit, Gips, Wulfenit, Pyromorphit und in kupferreichen Lagerstätten Linarit, Caledonit oder Brochantit. Wer die Paragenese kennt, kann eine Stufe auch ohne Etikett grob einordnen.
Ein Markt für Stufen, kaum einer für geschliffene Steine
Anglesit ist als Mineral weit verbreitet, gute Kristallstufen sind es nicht. Der Markt teilt sich deshalb in zwei kaum verbundene Hälften. Im Stufenhandel sind marokkanische und namibische Stücke gesucht: Bei einer internationalen Mineralauktion erzielte ein 2,9 Zentimeter großes Touissit-Stück mit drei strohgelben Kristallen 575 US-Dollar, umgerechnet rund 530 Euro. Fachhändler rufen für kleine Touissit-Miniaturen um 800 US-Dollar auf, für gemmige Stücke aus dem Fund der 1980er-Jahre rund 1.400 US-Dollar und für erstklassige Tsumeb-Kristalle 2.250 US-Dollar und mehr. Geschliffene Anglesite sind dagegen ausgesprochen selten angeboten. Ein britischer Spezialhändler verkaufte einen farblosen Stein von 1,13 Karat für 126 Pfund und einen gelben Schildschliff von 3,07 Karat für 155 Pfund, umgerechnet rund 145 beziehungsweise 180 Euro. Pro Karat entspricht das etwa 55 bis 130 Euro. Wer kauft, kauft die Seltenheit der Arbeit, nicht den Materialwert.
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Kurz gefasst
Anglesit ist ein Stein für die Vitrine, nicht für die Hand. Kaufen Sie ihn, wenn Sie eine systematische Mineraliensammlung aufbauen oder die Verbindung aus extremer Dichte und Diamantglanz sammeln wollen — dann greifen Sie zu einer gut kristallisierten Stufe aus Touissit oder Tsumeb, im Bereich von etwa 500 bis 1.500 Euro liegt bereits ansehnliche Ware. Einen geschliffenen Anglesit erwerben Sie als Kuriosum und als Beleg lapidarer Könnerschaft, nicht als Wertanlage. Als Schmuckstein sollten Sie ihn nicht kaufen; jeder Ring damit wäre in wenigen Wochen ruiniert.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Anglesit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
