Apophyllit ist der Sammlername für eine kleine Mineralgruppe, deren wichtigstes Glied heute offiziell Fluorapophyllit-(K) heißt. Wasserklare bis apfelgrüne, quadratische Prismen mit steiler Endpyramide aus den Basalten des indischen Dekkan-Trapps haben ihn zu einem der begehrtesten Stufenminerale der Welt gemacht — bei einer Härte von 4,5 bis 5 und vollkommener Spaltbarkeit allerdings ausdrücklich als Sammlerstück und nicht als Ringstein.
Apophyllit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate und Germanate; Schichtsilikate (Phyllosilikate). Strunz (9. Aufl.) 9.EA.15, Dana 72.03.01 |
| Chemische Formel | Fluorapophyllit-(K): KCa₄[(F,OH)|(Si₄O₁₀)₂]·8H₂O, auch geschrieben KCa₄Si₈O₂₀(F,OH)·8H₂O |
| Kristallsystem | Tetragonal, Raumgruppe P4/mnc (Nr. 128), ditetragonal-dipyramidal; das Natrium-Glied Fluorapophyllit-(Na) ist orthorhombisch (Pnnm) |
| Mohs-Härte | 4,5 bis 5 (deutsche Quellen zur Gruppe nennen 4 bis 5) |
| Dichte | 2,33 bis 2,37 g/cm³ gemessen (Handelsangaben bis 2,3–2,5) |
| Brechungsindex | nω 1,530–1,536; nε 1,532–1,538; Material aus Poona: ω 1,530 / ε 1,533 |
| Doppelbrechung | 0,002 bis 0,003, einachsig positiv; auffallend gering, häufig optisch anomal und zweiachsig, im Dünnschliff anomale Interferenzfarben |
| Glanz | Glasglanz auf den Prismenflächen {110}, Perlmuttglanz auf der Basis {001} und auf Spaltflächen |
| Spaltbarkeit | Sehr vollkommen nach {001}, unvollkommen nach {110} |
| Bruch | Uneben, spröde |
| Transparenz | Wasserklar durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | Farblos, weiß, grau, gelblich, rosa bis fleischrot, grün bis blaugrün; Strich weiß bis hellgrau |
| Wichtigste Fundorte | Jalgaon, Pune (Poona), Nashik, Ahmednagar und Lonavala in Maharashtra, Indien; St. Andreasberg im Harz; Kongsberg, Norwegen; Mont Saint-Hilaire, Kanada; Paterson und Millington, New Jersey sowie Fairfax Quarry, Virginia, USA; Guanajuato, Chihuahua und San Martín/Zacatecas, Mexiko; Island, Färöer, Brasilien, Japan, Südafrika |
| Behandlungen | Bestrahlung (erzeugt Grün), Erhitzen (kehrt die Bestrahlung zurück), Oberflächenbeschichtungen aus diamantähnlichem Kohlenstoff oder synthetischem Diamantfilm zur Härtung facettierter Steine; synthetischer Apophyllit ist nicht bekannt |
| Erstbeschreibung | 1784 von Carl Rinman als „Zeolith von Hellesta“ erwähnt, als eigene Art von José Bonifácio de Andrada e Silva unter dem Namen „Ichthyophthalm“ beschrieben; den Namen Apophyllit vergab René-Just Haüy 1805 nach dem Verhalten vor dem Lötrohr. Erstfundort: Sörgrube bei Hällestad, Östergötland, Schweden |
Fluorapophyllit-(K): warum der Name dreimal gewechselt hat
Wenn Sie heute eine Stufe als „Apophyllit“ angeboten bekommen, kaufen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Fluorapophyllit-(K). Der Weg zu diesem Namen war verschlungen. Bis 1978 galt Apophyllit als eine einzige Mineralart. Die IMA definierte die Gruppe damals neu und trennte sie nach dem dominierenden Anion und Kation in Endglieder auf, unter anderem in Fluorapophyllit und Hydroxyapophyllit. 2008 strich die Kommission die Vorsilben und stellte auf reine Suffixe um, das Mineral hieß nun Apophyllit-(KF). 2013 kehrte man zu einer Mischform zurück, die Vorsilbe und Levinson-Suffix kombiniert: Fluorapophyllit-(K). Das Kürzel in der Klammer nennt das dominierende Kation, die Vorsilbe das dominierende Anion. Seither sind zwei weitere Glieder hinzugekommen, Fluorapophyllit-(Cs) 2018 und Fluorapophyllit-(NH₄) 2019. Im Handel und in älteren Sammlungsetiketten halten sich alle drei Schreibweisen nebeneinander. Für Sie als Käufer heißt das: Apophyllit, Apophyllit-(KF) und Fluorapophyllit-(K) bezeichnen in aller Regel dasselbe Material, nicht drei verschiedene Qualitäten.
Quadratische Prismen mit steiler Pyramide
Apophyllit kristallisiert tetragonal in der ditetragonal-dipyramidalen Klasse. Der typische Habitus ist ein gedrungenes quadratisches Prisma, das oben von einer steilen Pyramide abgeschlossen wird. Weil Prisma und Pyramide oft ähnlich groß ausgebildet sind, wirken die Kristalle auf den ersten Blick würfelig — mineralogische Übersichten sprechen von pseudokubischen Kristallen mit charakteristisch abgeschrägten, dreieckigen Ecken. Daneben treten tafelige und rein pyramidale Formen auf, außerdem strahlige Büschel und kugelige Aggregate. Für die Bestimmung entscheidend ist der Glanzwechsel: Auf den Prismenflächen glänzt der Kristall glasartig, auf der Basisfläche {001} dagegen deutlich perlmuttartig, weil dort die sehr vollkommene Spaltbarkeit ansetzt. Dieses Perlmuttschimmern auf einer flachen quadratischen Endfläche ist das verlässlichste Feldkennzeichen. Die Doppelbrechung ist mit 0,002 bis 0,003 außergewöhnlich niedrig; im Polarisationsmikroskop kann das Mineral fast isotrop wirken und zeigt häufig anomale Interferenzfarben sowie optisch zweiachsiges Verhalten.
Warum Apophyllit trotz Zeolith-Gesellschaft kein Zeolith ist
Apophyllit taucht in fast jeder Zeolithsammlung auf, gehört aber strukturell nicht dazu. Zeolithe sind Gerüstsilikate, deren SiO₄-Tetraeder ein dreidimensionales Netzwerk mit durchgehenden Kanälen bilden. Bei Apophyllit sind die Tetraeder dagegen zu Schichten verknüpft — er ist ein Phyllosilikat, ein Schichtsilikat, und steht damit mineralogisch näher an den Glimmern als an Stilbit oder Heulandit. Die Verwandtschaft ist eine des Fundorts, nicht der Struktur: Beide entstehen als Spätbildungen in denselben Blasenhohlräumen basaltischer Laven. Genau aus dieser Schichtstruktur folgt die sehr vollkommene Spaltbarkeit nach {001}, und daraus wiederum der Name. Vor dem Lötrohr blättert das Mineral auf und schmilzt zu einem weißen, blasigen Email; griechisch „apophyllizo“ heißt entblättern. Auch Säuren und schon kräftiges Reiben mit bloßen Fingern können die Oberfläche zum Abblättern bringen. Das Kristallwasser entweicht zwischen etwa 330 und 440 Grad Celsius in zwei Schritten.
Ein Sammlerstein, ausdrücklich kein Ringstein
Die Kombination aus Mohs-Härte 4,5 bis 5, sprödem Verhalten und einer perfekten, leicht auslösbaren Spaltbarkeit macht Apophyllit für den täglichen Schmuckgebrauch ungeeignet. Die International Gem Society formuliert das ohne Umschweife: Für Schmuck ist das Mineral nicht geeignet, geschliffene Steine bräuchten geschützte Fassungen und blieben Stücke für gelegentliches Tragen. Auch die Hitze eines Goldschmiedebrenners kann den Stein zum Abblättern bringen, was das Fassen zusätzlich erschwert. Facettiertes Material ist entsprechend selten: Rohstücke über zehn Karat gelten als sehr rar, die meisten geschliffenen Steine wiegen unter fünf Karat. Der eigentliche Markt liegt deshalb bei der Stufe. Gehandelt wird nach Größe, Kristallqualität, Farbe und Erhaltung der Kombination mit Stilbit oder Heulandit — nicht nach Karat. Gute indische Handelsstufen liegen im deutschsprachigen Fachhandel zwischen etwa 33 und 200 Euro, Museumsqualität erreicht nach Händlerangaben vierstellige Beträge. Wer Apophyllit kauft, kauft ein Schaustück für die Vitrine.
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Kurz gefasst
Kaufen Sie Apophyllit als Stufe, nicht als Schmuckstein. Für 33 bis 200 Euro bekommen Sie im Fachhandel indische Stücke aus Jalgaon oder Pune mit glasklaren bis apfelgrünen Prismen auf pfirsichfarbenem Stilbit — optisch mit das Beste, was dieses Geld im Mineralienbereich kaufen kann. Achten Sie auf unbeschädigte Kristallspitzen, ungetrübte Basisflächen und eine stabile Matrix. Von facettierten Steinen und erst recht von Ringen raten wir ab: Härte 4,5 bis 5, sprödes Verhalten und vollkommene Spaltbarkeit nach {001} machen den Alltagsgebrauch zum Risiko. Als Anhänger in geschlossener Zarge und für gelegentliches Tragen ist ein geschliffener Stein vertretbar, mehr nicht.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Apophyllit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
