Calcit ist das häufigste Karbonatmineral der Erde und zugleich der Stein, an dem die Wissenschaft 1669 die Doppelbrechung entdeckt hat. Für den Schmuckhandel ist er mit Härte 3 und vollkommener Spaltbarkeit nach drei Richtungen ein Grenzfall: gesucht als Stufe, als Trommelstein und als Sammlerfacette, aber untauglich für den Ring am Finger.
Calcit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Karbonate ohne zusätzliche Anionen, Calcitgruppe (Strunz 5.AB.05) |
| Chemische Formel | CaCO3; Calcium teilweise ersetzbar durch Mangan, Eisen, Magnesium, Zink, Kobalt und Blei |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3c (Nr. 167); a = 4,99 Å, c = 17,06 Å, Z = 6; über 800 gesicherte Kristallformen, vor allem Skalenoeder und Rhomboeder |
| Mohs-Härte | 3 (Definitionsmineral der Mohsschen Härteskala) |
| Dichte | 2,71 g/cm³ (gemessen 2,7102; berechnet 2,711); Handelsware mit Beimengungen 2,6 bis 2,8 g/cm³ |
| Brechungsindex | nε 1,486, nω 1,658 (Natriumlicht); kobalthaltige Varietäten bis 1,885 |
| Doppelbrechung | 0,172, optisch einachsig negativ; die höchste Doppelbrechung unter den gängigen Mineralen, Kobaltocalcit erreicht 0,285 |
| Glanz | Glasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig; Strich weiß |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhomboeder {10-11} in drei Richtungen, Spaltwinkel 74 Grad 55 Minuten und 105 Grad 5 Minuten |
| Bruch | muschelig, wegen der Spaltbarkeit selten sichtbar; spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig |
| Farben | farblos, weiß, grau, gelb, orange, honigbraun, rosa, purpurrosa, rot, grün, blau, durch Bitumen fast schwarz |
| Wichtigste Fundorte | Helgustaðir am Reyðarfjörður, Ostisland (Typlokalität des Islandspats); Elmwood Mine bei Carthage, Tennessee (USA); Naica in Chihuahua und Charcas in San Luis Potosí sowie Tecali in Puebla (Mexiko); Dal'negorsk, Primorje (Russland); Bou Azzer (Marokko) und Mashamba West bei Kolwezi (DR Kongo) für Kobaltocalcit; Madagaskar und China für Doppelspat |
| Behandlungen | Färbung poröser Ware in Blau, Grün, Violett und Pink weit verbreitet; Wachs- und Kunstharztränkung von Onyxmarmor und Sinterplatten; Bestrahlung und Brennen unüblich |
| Erstbeschreibung | Name 1845 durch Wilhelm von Haidinger als Sammelbegriff geprägt, von lateinisch calx für gebrannten Kalk; die deutschen Namen Kalkspat und Doppelspat sind älter. Die Doppelbrechung beschrieb Erasmus Bartholin 1669 an isländischem Material |
Der Stein, an dem die Optik entdeckt wurde
Im Jahr 1669 beschrieb der dänische Arzt und Mathematiker Erasmus Bartholin ein Phänomen, das er an durchsichtigen Kalkspatkristallen aus Ostisland beobachtet hatte: Jede Linie, die er durch den Kristall betrachtete, erschien doppelt. Bartholin hatte damit die Doppelbrechung entdeckt. Christiaan Huygens nutzte dieselben Kristalle, um seine Wellentheorie des Lichts zu stützen, Augustin Fresnel lieferte in den 1820er Jahren die vollständige Erklärung über die Polarisation, und William Nicol baute 1828 aus einem gespaltenen Kalkspat das nach ihm benannte Prisma. Ohne dieses Bauteil hätte es kein Polarisationsmikroskop gegeben und ohne Polarisationsmikroskop keine moderne Mineralogie. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war optisch reiner Calcit ein strategischer Rohstoff für Zielgeräte und Bombenvisiere. Für Sie als Käufer ist eines wichtig: Der Stein, der im Handel als Doppelspat oder Islandspat angeboten wird, ist genau dieses Material. Er ist kein Schmuckstein im engeren Sinne, sondern ein optisches Lehrstück, das man auf eine bedruckte Seite legt und durch das man die Schrift zweimal sieht.
Härte 3 und drei Spaltrichtungen
Calcit definiert die Stufe 3 der Mohsschen Härteskala. Das ist keine abstrakte Zahl, sondern eine sehr konkrete Grenze: Eine Kupfermünze ritzt ihn, ein Fingernagel mit Härte 2,5 noch nicht, und gewöhnlicher Hausstaub, der überwiegend aus Quarzteilchen mit Härte 7 besteht, mattiert eine polierte Calcitfläche binnen weniger Wochen. Dazu kommt die vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhomboeder {10-11}. Sie wirkt in drei Richtungen gleichzeitig, die sich unter Winkeln von 74 Grad 55 Minuten und 105 Grad 5 Minuten schneiden. Schlagen Sie ein beliebiges Calcitstück an, zerfällt es in kleinere Rhomboeder derselben Geometrie. Genau das macht den Stein für Schmuck, der wirklich getragen wird, ungeeignet. Ein Ringstein aus Calcit übersteht den ersten kräftigen Anstoß an einer Türklinke nicht. Anhänger, Ohrschmuck und Broschen sind die einzigen Schmuckformen, in denen Calcit über Jahre ansehnlich bleibt. Für alles Übrige gilt: Sammlerstück, Stufe oder Objekt, nicht Alltagsschmuck.
Was der Handel unter Calcit führt
Unter dem Namen Calcit laufen sehr verschiedene Waren. Am häufigsten begegnet Ihnen Orangencalcit, ein gelboranges bis kräftig oranges, durchscheinendes Material aus Mexiko und China, das zu Trommelsteinen, Handschmeichlern und Kugeln verarbeitet wird. Honigcalcit meint denselben Stein in bernsteinfarbenen bis goldbraunen Tönen; die schönsten Kristalle dieser Farbe kamen aus der Elmwood Mine in Tennessee. Doppelspat oder Islandspat bezeichnet die wasserklaren, spaltbaren Rhomboeder, heute überwiegend aus Madagaskar, Mexiko und China. Manganocalcit ist rosa, Kobaltocalcit purpurrosa und deutlich teurer. Blauer und grüner Calcit stammt teils aus mexikanischen Vorkommen, wird aber auch gefärbt angeboten. Als Onyxmarmor, mexikanischer Onyx oder Tecali-Onyx handelt der Markt gebänderte Sinterbildungen aus Puebla, Pakistan und Iran, die zu Schalen, Lampen und Fliesen verarbeitet werden. Diese Ware hat mit echtem Onyx, einem Chalcedon der Härte 6,5 bis 7, nichts zu tun. Fragen Sie beim Kauf deshalb immer nach der mineralogischen Bezeichnung, nicht nur nach dem Handelsnamen.
Ein Tropfen Salzsäure genügt
Der einfachste Echtheitstest der gesamten Edelsteinkunde gilt dem Calcit: Ein Tropfen verdünnte Salzsäure, etwa fünf- bis zehnprozentig, lässt ihn bereits in der Kälte heftig aufbrausen, weil Kohlendioxid frei wird. Dolomit reagiert unter denselben Bedingungen nur träge und braucht Pulverform oder Wärme, Quarz und die meisten Kunststoffimitate reagieren gar nicht. Setzen Sie den Tropfen an einer unauffälligen Stelle an, denn er hinterlässt einen matten Ätzfleck. Schwieriger ist die Abgrenzung zu Aragonit. Beide Minerale haben dieselbe Formel CaCO3 und brausen gleichermaßen auf, kristallisieren aber verschieden: Calcit trigonal, Aragonit orthorhombisch. Praktisch hilft die Dichte, 2,71 gegen 2,94 Gramm je Kubikzentimeter, außerdem die Spaltbarkeit. Nur Calcit zerfällt in Rhomboeder, Aragonit spaltet lediglich nach einer Fläche deutlich. Im Labor färbt die Feiglsche Lösung Aragonit binnen Minuten schwarz und lässt Calcit unverändert. Für den Alltag reicht meist schon die Kristallform: nadelig und pseudohexagonal verzwillingt spricht für Aragonit, rhomboedrisch und skalenoedrisch für Calcit.
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Kurz gefasst
Calcit ist ein Stein zum Anschauen, nicht zum Tragen. Kaufen Sie ihn als Doppelspat-Rhomboeder, wenn Sie die Doppelbrechung selbst sehen möchten: Dafür genügen 10 bis 30 Euro, und das Stück muss nur klar und rissfrei sein. Orangen- und Honigcalcit als Trommelstein kosten 5 bis 10 Euro und sind dekorativ. Für Schmuck wählen Sie ausschließlich Anhänger oder Ohrschmuck in geschlossener Zargenfassung. Facettierte Calcite und Kobaltocalcit sind Sammlerware. Verzichten Sie auf Ringe, Armbänder, Säure und Ultraschall, dann bleibt der Stein jahrzehntelang schön.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Calcit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
