Charoit ist der einzige Edelstein der Welt, der bis heute nur an einer einzigen Lagerstätte gewonnen wird: im Murun-Massiv am Tschara-Fluss in der Republik Sacha (Jakutien). Sein violettes, seidig gewirbeltes Fasergefüge lässt sich mit keinem anderen Schmuckstein verwechseln.
Charoit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate), Strunz 9.DG.09 |
| Chemische Formel | vereinfacht K(Ca,Na)2Si4O10(OH,F)·H2O; ausführlich K5Ca8(Si6O15)2(Si2O7)Si4O9(OH)·3H2O |
| Kristallsystem | monoklin, Kristallklasse 2/m, Raumgruppe P2(1)/m; im Handel stets derb-faserig, freie Kristalle sind nicht bekannt |
| Mohs-Härte | 5 bis 6 |
| Dichte | 2,54 bis 2,58 g/cm³ (an Handelsmaterial mit Begleitmineralen bis 2,78 g/cm³ gemessen) |
| Brechungsindex | 1,550 bis 1,559 (na 1,550, nb 1,553, ng 1,559) |
| Doppelbrechung | 0,009; optisch zweiachsig positiv, 2V 28 bis 30 Grad |
| Glanz | Glasglanz bis Perlmuttglanz, auf polierten Faserlagen seidig |
| Spaltbarkeit | gut nach drei Richtungen |
| Bruch | splittrig bis uneben |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Farben | Violett, Flieder, Lila, Purpur bis Braunviolett, meist mit weißen, grauen, schwarzen und orangen Einschlüssen |
| Wichtigste Fundorte | Murun-Massiv (Lagerstätte Sirenewy Kamen) am Tschara-Fluss, Aldan-Schild, Republik Sacha (Jakutien), Russland; weltweit keine zweite Lagerstätte |
| Behandlungen | üblicherweise keine; gelegentlich Harzstabilisierung rissiger Platten; im Umlauf kunststoffhaltige Imitate und gefärbte Gesteine |
| Erstbeschreibung | 1978 durch W. P. Rogowa und Mitarbeiter, benannt nach dem Fluss Tschara; erster Fund 1948 durch W. G. Ditmar, Wiederentdeckung 1973 durch Juri Rogow |
Ein Edelstein mit nur einer Adresse
Charoit stammt ausschließlich aus dem Murun-Massiv im Grenzgebiet zwischen der Region Irkutsk und der Republik Sacha (Jakutien). Die Lagerstätte trägt den russischen Namen Sirenewy Kamen, zu Deutsch Fliederstein. Sie besteht aus mehr als zwanzig einzelnen Linsen, die über ein Gebiet von rund zehn Kilometern verstreut liegen. Damit gehört Charoit zu einer sehr kleinen Gruppe von Single-Source-Edelsteinen. Andere Vorkommen sind bis heute nicht bekannt, obwohl das geologische Milieu, das ihn erzeugt hat, weltweit vorkommt: Ein alkalireicher Syenit ist in Kalkstein eingedrungen und hat ihn bei etwa 200 bis 250 Grad Celsius metasomatisch umgewandelt. Für Sie als Käufer bedeutet die Einquellenlage zweierlei. Erstens ist die Herkunftsfrage beim Charoit trivial, denn es gibt nur eine Antwort. Zweitens hängt das Angebot allein an der Förderlage in einer sehr abgelegenen Taigaregion. Fällt der Abbau eine Saison aus, wird der Markt spürbar dünner, und die Preise für gute Ware ziehen an.
Das Fasergefüge als Echtheitsmerkmal
Charoit besteht aus dicht verfilzten, sehr feinen Fasern. Sie liegen nicht regellos, sondern bilden Wirbel, Garben und Strudel, die beim Drehen unter der Lampe wandern. Genau das unterscheidet ihn von jedem Imitat. Liegen die Fasern über eine größere Fläche parallel, entsteht ein seidiger Lichtstreifen, im Handel Chatoyanz oder Katzenaugeneffekt genannt. Solche Partien sind selten und bestimmen den Preis stärker als die Farbe allein. Dazu kommen Begleitminerale, die als Signatur der Lagerstätte gelten: schwarzer Ägirin in Nadeln und Flecken, graugrüner Mikroklin in Feldern, orangegelber Tinaksit in feinen Stäbchen und weißer Canasit. Ein gleichmäßig durchgefärbter violetter Stein ohne Faserstruktur und ohne Begleitminerale ist kein Charoit. Das Gemological Institute of America hat zwei kunststoffhaltige Imitate dokumentiert, von denen eines als Royal Russianite angeboten wurde. Auch gefärbte Gesteine und gefärbter derber Beryll mit Quarz tauchen unter falschem Namen auf.
Preise: bezahlbar, aber mit klarer Spitze
Charoit ist trotz seiner Einquellenlage kein teurer Stein. Einfache Cabochons mit graustichigem Violett kosten im Handel etwa 0,50 bis 1 Euro je Karat, ein Stein von 20 Karat also rund 10 bis 20 Euro. Gute Handelsware mit klarem Violett und deutlichem Faserwirbel liegt bei etwa 1 bis 3 Euro je Karat. Erst ausgeprägt chatoyante, leicht durchscheinende Ware erreicht rund 3 bis 4 Euro je Karat; hier werden für ausgesuchte Einzelstücke im internationalen Handel auch 80 bis 200 Euro aufgerufen. Handpolierte Sammlerplatten und Freiformen von acht bis sechzehn Zentimetern kosten je nach Zeichnung etwa 100 bis 400 Euro pro Stück. Preistreiber sind in dieser Reihenfolge: Ausrichtung und Seidigkeit der Faserbündel, Reinheit und Helligkeit des Violetts, ein rissfreier, spiegelnder Polierglanz und erst danach die Größe. Einschlüsse mindern den Wert hier ausdrücklich nicht, sie machen den Stein aus.
Härte 5 bis 6: was das im Alltag heißt
Mit einer Mohs-Härte von 5 bis 6 liegt Charoit unter Quarz. Das bedeutet, dass gewöhnlicher Hausstaub, der überwiegend Quarzkörnchen enthält, die Politur mit der Zeit mattiert. Hinzu kommt eine gute Spaltbarkeit nach drei Richtungen und ein splittriger Bruch. Charoit ist deshalb ein Stein für Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Colliers, weniger für Ringe, die täglich getragen werden. Wenn Sie Charoit im Ring fassen möchten, wählen Sie eine Zargenfassung mit hochgezogenem Rand und einen flach gewölbten Cabochon, der nicht über die Fassung hinausragt. Beim Fassen arbeiten Sie mit wenig Druck: Der Stein bricht eher, als dass er nachgibt. Für die Reinigung genügen lauwarmes Wasser, milde Seife und eine weiche Bürste. Ultraschall und Dampfstrahler sind wegen Spaltbarkeit und Hitzeempfindlichkeit tabu. Bei Lötarbeiten nehmen Sie den Stein grundsätzlich aus der Fassung.
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Kurz gefasst
Charoit ist ein außergewöhnlicher Stein zu einem sehr moderaten Preis: Er kommt nachweislich von nur einer Lagerstätte der Welt, und trotzdem bekommen Sie eine ansehnliche Handelsware schon für wenige Euro je Karat. Kaufen Sie nach dem Fasergefüge, nicht nach der Farbtiefe. Ein Stein, dessen Faserbündel parallel liegen und beim Kippen einen seidigen Lichtstreifen zeigen, ist die wenigen Euro Aufpreis wert. Meiden Sie gleichmäßig durchgefärbte Stücke ohne Wirbelstruktur. Fassen Sie Charoit in Zargen und lassen Sie ihn aus dem Alltagsring heraus.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Charoit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
