Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Charoit Lexikon · Übersicht

Charoit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Charoit

Charoit ist der einzige Edelstein der Welt, der bis heute nur an einer einzigen Lagerstätte gewonnen wird: im Murun-Massiv am Tschara-Fluss in der Republik Sacha (Jakutien). Sein violettes, seidig gewirbeltes Fasergefüge lässt sich mit keinem anderen Schmuckstein verwechseln.

Charoit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate), Strunz 9.DG.09
Chemische Formelvereinfacht K(Ca,Na)2Si4O10(OH,F)·H2O; ausführlich K5Ca8(Si6O15)2(Si2O7)Si4O9(OH)·3H2O
Kristallsystemmonoklin, Kristallklasse 2/m, Raumgruppe P2(1)/m; im Handel stets derb-faserig, freie Kristalle sind nicht bekannt
Mohs-Härte5 bis 6
Dichte2,54 bis 2,58 g/cm³ (an Handelsmaterial mit Begleitmineralen bis 2,78 g/cm³ gemessen)
Brechungsindex1,550 bis 1,559 (na 1,550, nb 1,553, ng 1,559)
Doppelbrechung0,009; optisch zweiachsig positiv, 2V 28 bis 30 Grad
GlanzGlasglanz bis Perlmuttglanz, auf polierten Faserlagen seidig
Spaltbarkeitgut nach drei Richtungen
Bruchsplittrig bis uneben
Transparenzdurchscheinend bis undurchsichtig
FarbenViolett, Flieder, Lila, Purpur bis Braunviolett, meist mit weißen, grauen, schwarzen und orangen Einschlüssen
Wichtigste FundorteMurun-Massiv (Lagerstätte Sirenewy Kamen) am Tschara-Fluss, Aldan-Schild, Republik Sacha (Jakutien), Russland; weltweit keine zweite Lagerstätte
Behandlungenüblicherweise keine; gelegentlich Harzstabilisierung rissiger Platten; im Umlauf kunststoffhaltige Imitate und gefärbte Gesteine
Erstbeschreibung1978 durch W. P. Rogowa und Mitarbeiter, benannt nach dem Fluss Tschara; erster Fund 1948 durch W. G. Ditmar, Wiederentdeckung 1973 durch Juri Rogow

Ein Edelstein mit nur einer Adresse

Charoit stammt ausschließlich aus dem Murun-Massiv im Grenzgebiet zwischen der Region Irkutsk und der Republik Sacha (Jakutien). Die Lagerstätte trägt den russischen Namen Sirenewy Kamen, zu Deutsch Fliederstein. Sie besteht aus mehr als zwanzig einzelnen Linsen, die über ein Gebiet von rund zehn Kilometern verstreut liegen. Damit gehört Charoit zu einer sehr kleinen Gruppe von Single-Source-Edelsteinen. Andere Vorkommen sind bis heute nicht bekannt, obwohl das geologische Milieu, das ihn erzeugt hat, weltweit vorkommt: Ein alkalireicher Syenit ist in Kalkstein eingedrungen und hat ihn bei etwa 200 bis 250 Grad Celsius metasomatisch umgewandelt. Für Sie als Käufer bedeutet die Einquellenlage zweierlei. Erstens ist die Herkunftsfrage beim Charoit trivial, denn es gibt nur eine Antwort. Zweitens hängt das Angebot allein an der Förderlage in einer sehr abgelegenen Taigaregion. Fällt der Abbau eine Saison aus, wird der Markt spürbar dünner, und die Preise für gute Ware ziehen an.

Das Fasergefüge als Echtheitsmerkmal

Charoit besteht aus dicht verfilzten, sehr feinen Fasern. Sie liegen nicht regellos, sondern bilden Wirbel, Garben und Strudel, die beim Drehen unter der Lampe wandern. Genau das unterscheidet ihn von jedem Imitat. Liegen die Fasern über eine größere Fläche parallel, entsteht ein seidiger Lichtstreifen, im Handel Chatoyanz oder Katzenaugeneffekt genannt. Solche Partien sind selten und bestimmen den Preis stärker als die Farbe allein. Dazu kommen Begleitminerale, die als Signatur der Lagerstätte gelten: schwarzer Ägirin in Nadeln und Flecken, graugrüner Mikroklin in Feldern, orangegelber Tinaksit in feinen Stäbchen und weißer Canasit. Ein gleichmäßig durchgefärbter violetter Stein ohne Faserstruktur und ohne Begleitminerale ist kein Charoit. Das Gemological Institute of America hat zwei kunststoffhaltige Imitate dokumentiert, von denen eines als Royal Russianite angeboten wurde. Auch gefärbte Gesteine und gefärbter derber Beryll mit Quarz tauchen unter falschem Namen auf.

Preise: bezahlbar, aber mit klarer Spitze

Charoit ist trotz seiner Einquellenlage kein teurer Stein. Einfache Cabochons mit graustichigem Violett kosten im Handel etwa 0,50 bis 1 Euro je Karat, ein Stein von 20 Karat also rund 10 bis 20 Euro. Gute Handelsware mit klarem Violett und deutlichem Faserwirbel liegt bei etwa 1 bis 3 Euro je Karat. Erst ausgeprägt chatoyante, leicht durchscheinende Ware erreicht rund 3 bis 4 Euro je Karat; hier werden für ausgesuchte Einzelstücke im internationalen Handel auch 80 bis 200 Euro aufgerufen. Handpolierte Sammlerplatten und Freiformen von acht bis sechzehn Zentimetern kosten je nach Zeichnung etwa 100 bis 400 Euro pro Stück. Preistreiber sind in dieser Reihenfolge: Ausrichtung und Seidigkeit der Faserbündel, Reinheit und Helligkeit des Violetts, ein rissfreier, spiegelnder Polierglanz und erst danach die Größe. Einschlüsse mindern den Wert hier ausdrücklich nicht, sie machen den Stein aus.

Härte 5 bis 6: was das im Alltag heißt

Mit einer Mohs-Härte von 5 bis 6 liegt Charoit unter Quarz. Das bedeutet, dass gewöhnlicher Hausstaub, der überwiegend Quarzkörnchen enthält, die Politur mit der Zeit mattiert. Hinzu kommt eine gute Spaltbarkeit nach drei Richtungen und ein splittriger Bruch. Charoit ist deshalb ein Stein für Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Colliers, weniger für Ringe, die täglich getragen werden. Wenn Sie Charoit im Ring fassen möchten, wählen Sie eine Zargenfassung mit hochgezogenem Rand und einen flach gewölbten Cabochon, der nicht über die Fassung hinausragt. Beim Fassen arbeiten Sie mit wenig Druck: Der Stein bricht eher, als dass er nachgibt. Für die Reinigung genügen lauwarmes Wasser, milde Seife und eine weiche Bürste. Ultraschall und Dampfstrahler sind wegen Spaltbarkeit und Hitzeempfindlichkeit tabu. Bei Lötarbeiten nehmen Sie den Stein grundsätzlich aus der Fassung.

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Kurz gefasst

Charoit ist ein außergewöhnlicher Stein zu einem sehr moderaten Preis: Er kommt nachweislich von nur einer Lagerstätte der Welt, und trotzdem bekommen Sie eine ansehnliche Handelsware schon für wenige Euro je Karat. Kaufen Sie nach dem Fasergefüge, nicht nach der Farbtiefe. Ein Stein, dessen Faserbündel parallel liegen und beim Kippen einen seidigen Lichtstreifen zeigen, ist die wenigen Euro Aufpreis wert. Meiden Sie gleichmäßig durchgefärbte Stücke ohne Wirbelstruktur. Fassen Sie Charoit in Zargen und lassen Sie ihn aus dem Alltagsring heraus.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Charoit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Gibt es Charoit wirklich nur in Russland?
Ja. Alle bekannten wirtschaftlich nutzbaren Vorkommen liegen im Murun-Massiv am Tschara-Fluss im Aldan-Schild, verwaltungsmäßig im Grenzbereich von Irkutsk und der Republik Sacha (Jakutien). Die Lagerstätte heißt Sirenewy Kamen und besteht aus über zwanzig Einzellinsen auf etwa zehn Kilometern. Trotz weltweiter Suche wurde bis heute kein zweiter Fundort bestätigt, obwohl das erzeugende Milieu, umgewandelter Kalkstein am Rand einer Syenit-Intrusion, geologisch nicht ungewöhnlich ist. Material, das Ihnen als Charoit aus Indien, Afrika oder Südamerika angeboten wird, ist entweder russische Ware über einen anderen Handelsweg oder ein Imitat.
Wird Charoit gefärbt oder behandelt?
Eine Farbbehandlung ist beim Charoit nicht üblich und auch nicht nötig, weil die Farbe von Natur aus kräftig ist. Gelegentlich werden rissige Platten mit Kunstharz stabilisiert, das sollte deklariert werden. Das eigentliche Risiko sind Imitate. Das GIA hat zwei kunststoffhaltige Nachahmungen dokumentiert, die Brechungsindex und Dichte des Naturmaterials nachahmen; eine davon lief unter dem Handelsnamen Royal Russianite. Außerdem kursieren gefärbte Gesteine und gefärbter derber Beryll mit Quarzverwachsung. Erkennungsmerkmal bleibt das unregelmäßige, gewirbelte Fasergefüge mit natürlichen Begleitmineralen.
Was macht einen Charoit teuer?
An erster Stelle steht die Ausrichtung der Faserbündel. Liegen die Fasern über eine größere Fläche parallel und wird der Cabochon quer zu dieser Richtung gewölbt, entsteht ein seidiger Lichtstreifen. Solche chatoyanten Stücke erzielen ein Vielfaches gewöhnlicher Ware. Danach zählen ein klares, nicht graustichiges Violett, eine lebendige Zeichnung aus Wirbeln und Garben, ein rissfreier Politurglanz und leichte Durchscheinbarkeit. Große Flächen ohne Sprünge sind ebenfalls preistreibend, weil das spröde Material beim Sägen häufig aufreißt. Schwarzer Ägirin und orangefarbener Tinaksit sind erwünschte Akzente, solange sie die violette Grundfläche nicht dominieren.
Eignet sich Charoit für einen Ring?
Nur mit Einschränkungen. Die Mohs-Härte von 5 bis 6 liegt unter der von Quarz, und Quarzstaub ist im Alltag allgegenwärtig. Ein Charoit-Ring, den Sie täglich tragen, verliert über Monate seinen Spiegelglanz und bekommt feine Kratzer. Dazu kommt die gute Spaltbarkeit nach drei Richtungen, die einen Stoß an der Tischkante schlecht verträgt. Für gelegentlich getragene Ringe ist Charoit gut geeignet, wenn er in einer Zarge sitzt und flach gewölbt ist. Für den dauerhaften Alltagsring empfehlen wir Ihnen stattdessen Anhänger, Brosche oder Ohrschmuck, wo der Stein geschützter liegt.