Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Datolith Lexikon · Übersicht

Datolith – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Datolith

Datolith ist ein Calcium-Bor-Silikat der Härte 5 bis 5,5, das im Handel in zwei völlig verschiedenen Gestalten auftritt: als durchsichtiger, verwirrend vielflächiger Kristall aus Dalnegorsk oder Charcas und als porzellanartige, oft kupferdurchsetzte Knolle von der Keweenaw-Halbinsel in Michigan. Beide Formen haben ihre eigene Preisbildung.

Datolith – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Inselsilikat (Nesosilikat) mit zusätzlichen Anionen; Strunz 9.AJ.20; gem5.com ordnet Datolith der Gadolinit-Gruppe zu
Chemische FormelCaBSiO4(OH) nach Wikipedia und steine-und-minerale.de; das A. E. Seaman Mineral Museum schreibt dieselbe Zusammensetzung verdoppelt als Ca2B2Si2O8(OH)2
Kristallsystemmonoklin, Kristallklasse prismatisch 2/m, Raumgruppe P21/c; a = 9,62 b = 7,6 c = 4,84 Ångström, beta = 90,15 Grad, Z = 4
Mohs-Härte5 bis 5,5
Dichte2,96 bis 3,00 g/cm³ (Wikipedia, steine-und-minerale.de); galleries.com und IGS geben weiter gefasst 2,8 bis 3,0 an
Brechungsindex1,622 bis 1,670; Einzelwerte nalpha = 1,626, nbeta = 1,653 bis 1,654, ngamma = 1,670; zweiachsig negativ, 2V = 74 Grad, Dispersion 0,016
Doppelbrechung0,044 — so hoch, dass sich in facettierten Steinen die hinteren Facettenkanten doppelt zeigen
GlanzGlasglanz, auf Bruchflächen harzig bis fettig; Strichfarbe stets weiß
Spaltbarkeitkeine
Bruchmuschelig bis uneben, spröde
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend, selten undurchsichtig; die Michigan-Knollen sind meist undurchsichtig bis schwach durchscheinend
Farbenfarblos oder weiß, auch grau, gelb, grün, blassgrün, rot, rosa; Keweenaw-Knollen zusätzlich mauve, braun, orange, fleischfarben, schwarz
Wichtigste FundorteArendal in Aust-Agder (Norwegen), Diabase des Connecticut-Tals (USA), Keweenaw-Halbinsel mit Houghton und Ontonagon County (Michigan, USA), Bor-Grube Dalnegorsk (Primorje, Russland), Charcas in San Luis Potosí (Mexiko), Lane's Quarry bei Westfield und Hampden County (Massachusetts), Paterson sowie Passaic und Bergen County (New Jersey), Habachtal (Österreich), Südtirol (Italien), Faraday Mine in Ontario (Kanada)
BehandlungenFür Kristalle nennen die ausgewerteten Quellen keine Behandlung. Poröse Knollenplatten werden im Handel geschliffen und stabilisiert angeboten („Sanded & Stabilized“); eine Synthese wird in keiner der ausgewerteten Quellen beschrieben
ErstbeschreibungBenannt 1806 durch Jens Esmark nach griechisch dateisthai (teilen) und lithos (Stein), nach der körnigen Absonderung; steine-und-minerale.de datiert die Beschreibung auf 1805 und nennt als Ort Nödebroe in Norwegen

Ein Bor-Silikat, das im Handel zwei Leben führt

Datolith ist ein Calcium-Bor-Silikat mit der Formel CaBSiO4(OH). Im Handel begegnen Ihnen zwei Erscheinungsformen, die kaum etwas gemeinsam haben außer der Analyse. Die erste sind durchsichtige Kristalle: kurzsäulig bis dicktafelig, oft keilförmig und mit derart vielflächigen Endungen, dass galleries.com sie als „richly faceted terminations“ beschreibt. Solche Stufen kommen aus der Bor-Grube von Dalnegorsk in Russland, aus Charcas in Mexiko und aus historischen Steinbrüchen in Massachusetts und New Jersey. Aus ihnen entstehen die wenigen facettierten Datolithe, die es überhaupt gibt. Die zweite Form sind die Knollen der Keweenaw-Halbinsel in Michigan: porzellanartig dichte, undurchsichtige Massen, die in den Kupferlagerstätten des Oberen Sees wachsen und stellenweise von gediegen Kupfer durchsetzt sind. Sie werden gesägt, poliert und als Cabochon oder Sammlerstück verkauft. Wer Datolith kauft, sollte deshalb zuerst klären, von welcher der beiden Warengruppen die Rede ist — die Preise folgen völlig verschiedenen Logiken.

Härte 5 bis 5,5, keine Spaltbarkeit, hohe Doppelbrechung

Die Mohs-Härte liegt bei 5 bis 5,5, die Dichte bei 2,96 bis 3,00 g/cm³; galleries.com und die International Gem Society fassen die Dichte mit 2,8 bis 3,0 etwas weiter. Datolith besitzt keine Spaltbarkeit, der Bruch ist muschelig bis uneben, das Material spröde. Optisch ist er zweiachsig negativ mit Brechungsindizes von 1,622 bis 1,670 und einer Doppelbrechung von 0,044. Dieser Wert ist der gemmologisch auffälligste: Er ist hoch genug, dass Sie in einem facettierten Stein die hinteren Facettenkanten doppelt sehen. Die Dispersion gibt die IGS mit 0,016 an, Feuer spielt also kaum eine Rolle. Unter kurzwelligem UV fluoresziert Datolith blau; die IGS führt das auf Europium zurück. Beim Pleochroismus widersprechen sich die Quellen: Die IGS gibt ausdrücklich „keiner“ an, gemfame.com spricht von möglichem Pleochroismus. Bei so blassen Farben ist er ohnehin kein brauchbares Merkmal.

Kupfer im Porzellan: die Knollen der Keweenaw-Halbinsel

Das A. E. Seaman Mineral Museum der Michigan Technological University beschreibt Datolith in Michigan als ausschließlich an die Lagerstätten des gediegenen Kupfers gebunden, vor allem an brekziierte Mandelsteinlagen, dazu an Konglomeratlagen und Spaltengänge. Die Knollen haben traubig-nierige Oberflächen und messen von wenigen Millimetern bis 30 Zentimeter; aus der Centennial Mine ist ein Stück von zwölf Zoll und 22 Pfund dokumentiert. Die Farbpalette reicht von Weiß über Rosa, Mauve, Rot, Braun, Gelb, Orange und Fleischfarben bis Grün, Grau und Schwarz. Verantwortlich sind nicht Spurenelemente im Gitter, sondern eingeschlossene Fremdphasen: feine Kupferflitter, häufig nahe der Oberfläche, erzeugen die rosa und rötlichen Töne, dazu kommen Einschlüsse von gediegen Silber und Cuprit. Manche Knollen zeigen fleckige, zonare oder dendritische Muster. Genau diese Zeichnung macht den Marktwert aus — nicht Transparenz, nicht Reinheit.

Was Datolith im Handel kostet

Die Preise sind überschaubar, solange es um Normalware geht. Michigan-Cabochons mit Kupferzeichnung bot The Gem Trader im September 2026 mit 23,75 ct für 85 US-Dollar, mit 30,41 ct für 125 US-Dollar und mit 51,94 ct für 145 US-Dollar an — also rund 2,80 bis 4,10 US-Dollar je Karat oder grob 2,40 bis 3,60 Euro. Rohe bis angeschliffene Knollen wechseln auf eBay ab etwa 19 US-Dollar für 134 Gramm den Besitzer, eine polierte Slab aus der Quincy Mine kostet bei Etsy 116 US-Dollar Listenpreis. Nach oben ist die Spanne offen: Für polierte rote Knollenpaare aus der Caledonia Mine werden 100 bis 475 US-Dollar verlangt, für eine stabilisierte Platte mit Kupfer, Datolith und Silber 1.750 US-Dollar. Dalnegorsk-Kristalle beginnen bei rund 20 US-Dollar und erreichen bei Museumsqualität eine ganz andere Größenordnung. Zum Umrechnen: eBay selbst setzte 44 US-Dollar im September 2026 mit 38,31 Euro an.

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Kurz gefasst

Datolith ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede, die wissen, was sie tun. Kaufen Sie Michigan-Knollen nach Zeichnung und Grubenangabe, nicht nach Karat — ein gut gesägtes Stück aus einer benannten Grube ist für 40 bis 130 Euro zu haben und bleibt handelbar. Facettierte Datolithe lohnen nur, wenn Sie das Ungewöhnliche suchen: sauber geschliffen, über zwei Karat, mit Fundortangabe. Für Ringe raten wir ab, für Anhänger und Broschen mit Zargenfassung nicht. Achten Sie bei polierten Platten auf den Hinweis „stabilisiert“ — er ist üblich, gehört aber offengelegt.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Datolith stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Datolith überhaupt ein Schmuckstein?
Bedingt. Mit Mohs 5 bis 5,5 liegt er unter dem Quarzstaub der Luft und ist damit für Ringe im Alltag zu weich. Als Anhänger, Brosche oder Ohrschmuck ist er tragbar. Die fehlende Spaltbarkeit hilft beim Fassen, die Sprödigkeit fordert trotzdem Vorsicht. Der größere Teil der Ware wandert ohnehin in Sammlungen, nicht in Schmuck.
Wie unterscheide ich Datolith von Danburit?
Über die Dichte nicht: Danburit liegt bei 2,93 bis 3,02, Datolith bei 2,96 bis 3,00. Entscheidend sind Härte und Doppelbrechung. Danburit hat Mohs 7 bis 7,5 und eine Doppelbrechung von nur 0,006, Datolith Mohs 5 bis 5,5 und 0,044. Danburit ist zudem orthorhombisch, Datolith monoklin. In Charcas sitzen beide Minerale sogar gemeinsam auf einer Stufe.
Warum sieht man so selten facettierten Datolith?
Weil durchsichtiges Material in schneidbarer Größe selten ist. Die IGS nennt als übliche Obergrenze etwa fünf Karat aus Massachusetts und New Jersey; die Smithsonian Institution hält Steine von 5,4 und 5,0 ct, Harvard einen fehlerfreien Dreieckschliff von 13,21 ct. Dazu kommen Härte 5 und starke Doppelbrechung, die den Stein für den Massenmarkt unattraktiv machen.
Was kostet eine Michigan-Knolle mit Kupfer?
Rohe und angeschliffene Stücke liegen bei etwa 17 bis 45 Euro, gesägte und polierte Hälften bei rund 40 bis 110 Euro, Cabochons zwischen 20 und 50 Karat bei etwa 75 bis 125 Euro. Für farbstarke Paare aus klassischen Gruben wie Caledonia werden 90 bis 415 Euro aufgerufen, für große stabilisierte Platten über 1.500 Euro.