Edelkoralle ist das einzige Schmuckmaterial im Sortiment, das aus einem Tier stammt: Das rote Achsenskelett der Oktokoralle Corallium rubrum besteht aus Calcit mit eingelagerter organischer Matrix. Mit Härte 3 bis 4, Säureempfindlichkeit und einer Rechtslage, die Mittelmeer und Pazifik streng auseinanderhält, ist sie ein Material, bei dem Herkunftsnachweis und Pflege ebenso zählen wie die Farbe.
Edelkoralle – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Kein Mineral im strengen Sinn, sondern organisch gebildetes Edelsteinmaterial; das Achsenskelett besteht aus biogenem Calcit (Karbonate) mit organischer Matrix. Bildner sind Oktokorallen der Familie Coralliidae mit den Gattungen Corallium, Pleurocorallium und Hemicorallium |
| Chemische Formel | CaCO3 als Magnesium-Calcit, nach Angaben der CIBJO rund 82 bis 87 Prozent Calciumcarbonat mit erhöhtem Magnesiumgehalt; dazu eine organische Matrix aus Proteinen und Polysacchariden sowie polyenische Farbpigmente und Spurenelemente |
| Kristallsystem | trigonal (Calcit), jedoch niemals als Einkristall: Das Skelett ist aus mikroskopischen Skleriten aufgebaut, die zu einem dichten, faserig-welligen Gefüge verschmelzen. Daraus entsteht die charakteristische Längsriefung parallel zur Wachstumsachse |
| Mohs-Härte | 3 bis 4, im Handel meist mit 3,5 angegeben |
| Dichte | 2,60 bis 2,70 g/cm³ für Corallium-Arten; die CIBJO nennt für Schmuckkorallen allgemein rund 2,8. Gefärbte Bambuskoralle liegt mit 2,0 bis 2,5 darunter, das Gilson-Imitat bei 2,44 |
| Brechungsindex | 1,486 und 1,658 entsprechend dem Calcit; am polierten Stück nur als diffuse Spotmessung zwischen etwa 1,49 und 1,69 ablesbar |
| Doppelbrechung | 0,160 bis 0,172, wegen des polykristallinen Gefüges nur als unruhige Spotablesung erfassbar; conchiolinhaltige schwarze und goldene Korallen zeigen dagegen rund 1,56 ohne Doppelbrechung |
| Glanz | poliert wachsartig bis glasartig, unbearbeitet matt und kreidig; Strich weiß |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch | splittrig bis uneben, spröde |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Farben | weiß, zartrosa, lachs, orange, korallenrot, tiefrot bis schwarzrot; Sciacca-Ware orange bis bräunlichorange mit dunklen Flecken |
| Wichtigste Fundorte | Mittelmeer: Sardinien mit Alghero, Bonifacio-Straße und Korsika, die Sciacca-Bänke vor Agrigent, La Galite und Tabarka vor Tunesien, Algerien, katalanische Küste (dort Fangverbot). Pazifik: Tosa-Bucht vor Kochi in Japan, Penghu und Su-ao in Taiwan, Midway und die Emperor-Seamounts, Südchinesisches Meer |
| Behandlungen | Ölen und Wachsen zur Glanzsteigerung, Harz- und Kunststofftränkung poröser Ware, Bleichen, Färben, Oberflächenbeschichtung; alle Behandlungen sind nach den CIBJO-Regeln offenzulegen |
| Erstbeschreibung | Dass Korallen Tiere und keine Pflanzen sind, wies der Marseiller Arzt Jean-André Peyssonnel ab 1725 nach. Carl von Linné beschrieb die Art 1758 in der Systema Naturae, gültiger Name heute Corallium rubrum (Linnaeus, 1758); die Gattung Corallium stellte Georges Cuvier 1798 auf |
Ein Tier, kein Mineral
Edelkoralle gehört zu den wenigen organischen Schmuckmaterialien. Der Bildner ist eine Oktokoralle der Familie Coralliidae, ein festsitzendes Nesseltier, dessen Polypen jeweils acht gefiederte Tentakel tragen. Was der Handel als Koralle verarbeitet, ist nicht das Tier, sondern dessen Achsenskelett: ein massiver, rot bis weiß gefärbter Stamm aus Calcit, den die Kolonie im Inneren aufbaut und der nach dem Absterben des Gewebes übrig bleibt. Dass Korallen keine Pflanzen sind, erkannte der Marseiller Arzt Jean-André Peyssonnel ab 1725, nachdem man die verzweigten Stöcke jahrhundertelang für versteinerte Meeresgewächse gehalten hatte. Carl von Linné beschrieb die Mittelmeerart 1758, Georges Cuvier stellte 1798 die Gattung Corallium auf. Für Sie als Käufer hat die tierische Herkunft zwei praktische Folgen: Das Material reagiert empfindlich auf Säuren und Hitze, und sein Handel wird nicht über das Bergrecht, sondern über Fischerei- und Artenschutzrecht geregelt.
Härte 3 bis 4 und ein Calcitskelett
Gemmologisch ist Edelkoralle ein Karbonatmaterial. Das Skelett besteht nach Angaben der CIBJO zu rund 82 bis 87 Prozent aus Calciumcarbonat, das als Magnesium-Calcit kristallisiert, dazu kommen eine organische Matrix aus Proteinen und Polysacchariden sowie die farbgebenden Pigmente. Die Mohshärte liegt bei 3 bis 4, die Dichte bei 2,60 bis 2,70 g/cm³. Der Brechungsindex entspricht mit 1,486 und 1,658 dem Calcit, lässt sich am polierten Cabochon aber nur als unruhige Spotablesung gewinnen, weil das Material polykristallin ist. Spaltbarkeit fehlt, der Bruch ist splittrig, das Material spröde. Entscheidend für die Praxis ist die Säureempfindlichkeit: Schon verdünnte Fruchtsäure, Essig oder ein Entkalker greifen die Politur an und hinterlassen matte Ätzflecken. Ein Ultraschallbad ist bei diesem Material grundsätzlich ausgeschlossen.
Mittelmeer und Pazifik werden rechtlich getrennt behandelt
Die Rechtslage ist der Punkt, an dem im Handel die meisten Fehler passieren. Corallium rubrum, die rote Mittelmeerkoralle, steht in keinem Anhang des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und in keinem Anhang der EG-Verordnung 338/97. Bewirtschaftet wird sie über die Allgemeine Kommission für die Fischerei im Mittelmeer, deren Beschlüsse die EU mit der Verordnung (EU) Nr. 1343/2011 in geltendes Recht übernommen hat: Mindesttiefe, Mindestdurchmesser, Handernte durch lizenzierte Taucher, jährliche Höchsterntemengen. Die vier pazifischen Schmuckkorallen dagegen wurden 2008 auf Antrag Chinas in den CITES-Anhang III aufgenommen und mit der Verordnung (EG) Nr. 407/2009 vom 14. Mai 2009 in den Anhang C der Verordnung 338/97 überführt. Wer solche Ware aus einem Drittland einführt, braucht eine Einfuhrmeldung beim Zoll und je nach Herkunftsland eine CITES-Ausfuhrgenehmigung oder ein Ursprungszeugnis. Innerhalb der EU ist der Verkauf fertiger Ware dagegen frei.
Torre del Greco und die Farbnamen des Handels
Der Schliff von Edelkoralle ist bis heute in einer einzigen Stadt konzentriert. In Torre del Greco am Golf von Neapel erhielt Paolo Bartolomeo Martin am 27. März 1805 die königliche Erlaubnis, eine Korallenmanufaktur zu betreiben; 1878 kam eine eigene Gravurschule hinzu, aus der das heutige Institut Francesco Degni mit angeschlossenem Korallen- und Kameenmuseum hervorging. Der Handel schätzt, dass dort noch immer weit über die Hälfte der weltweit geernteten Schmuckkoralle verarbeitet wird. Von dort stammen auch die Farbnamen, die Sie in Angeboten finden: Pelle d’Angelo für zartrosa Ware, Rosa vivo und Momo für lachsfarbene, Rosso oder Sardegna für gleichmäßig rote Mittelmeerkoralle, Moro und Aka für dunkelrote bis schwarzrote Pazifikkoralle, Sciacca für das orangefarbene, fleckige Material der sizilianischen Bänke. Diese Namen bezeichnen Farbe und Herkunft, nicht eine geprüfte Qualitätsstufe.
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Kurz gefasst
Kaufen Sie Edelkoralle nach dem, was Sie unter der Lupe sehen, nicht nach dem Handelsnamen. Für den Alltag empfehlen wir ungefärbte Mittelmeerkoralle als Kette mit Einzelknoten oder als Cabochon in geschlossener Zargenfassung; geprüfte Ware liegt bei etwa 18 bis 47 Euro je Karat, eine ordentliche Kette aus Naturkoralle beginnt bei rund 60 Euro. Dunkelrote Moro- und Aka-Qualitäten sowie Pelle d’Angelo sind Sammlerware mit deutlich höheren Preisen. Verlangen Sie bei Pazifikware den Einfuhrnachweis. Halten Sie Säuren, Parfum und Ultraschall fern, dann bleibt die Politur über Jahrzehnte erhalten.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Edelkoralle stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
