Ekanit ist ein Kalzium-Thorium-Silikat aus den Edelsteinseifen Sri Lankas, das sein eigenes Kristallgitter durch radioaktiven Zerfall zerstört hat. Der Stein ist dadurch schwach radioaktiv, optisch glasartig und einer der wenigen Edelsteine, deren trübe Erscheinung sich physikalisch exakt erklären lässt.
Ekanit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikat, Schichtsilikat; Mitglied der Steacyit-Gruppe |
| Chemische Formel | idealisiert Ca2ThSi8O20; analysiert an Material aus Ampegama Ca2Th0,9U0,1Si8O20; in der älteren Literatur auch (Ca,Fe,Pb)2(Th,U)Si8O20 |
| Kristallsystem | tetragonal, Raumgruppe I422, Klasse 422 (trapezoedrisch); in aller Regel metamikt und damit röntgenamorph |
| Mohs-Härte | 6 bis 6,5 (gemmologische Quellen); für verändertes Material werden auch niedrigere Werte um 4,5 genannt |
| Dichte | 3,27 plus/minus 0,01 g/cm³ (GIA); Handbuchwerte 3,08 bis 3,36 |
| Brechungsindex | 1,59 plus/minus 0,01 (GIA); Literaturspanne 1,560 bis 1,596, am häufigsten 1,596 |
| Doppelbrechung | praktisch keine; metamikter Ekanit misst isotrop. Für kaum verändertes Material werden 0,001 bis 0,008 angegeben, für kristallinen Ekanit 0,012 (uniaxial negativ) |
| Glanz | Glasglanz an frischen Flächen |
| Spaltbarkeit | keine; nur für kristallinen, nicht metamikten Ekanit wird eine deutliche Spaltbarkeit nach {101} beschrieben |
| Bruch | muschelig bis uneben, spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend, häufig trüb |
| Farben | lebhaft oliv- bis gelblichgrün, grün, hell- bis dunkelbraun, strohgelb, dunkelrot, schwärzlich; Kabochons mit vierstrahligem Stern |
| Wichtigste Fundorte | Sri Lanka: Eheliyagoda (Ratnapura-Distrikt, Typlokalität), Ampegama bei Galle, Ellawala, Okkampitiya; ferner Mogok (Myanmar), Mont Saint-Hilaire und Tombstone Mountains (Kanada), Albaner Berge (Italien) |
| Behandlungen | keine wirksamen bekannt; Erhitzungsversuche zur Farbverbesserung scheitern und zerstören das Material |
| Erstbeschreibung | 1961 durch B. W. Anderson, G. F. Claringbull, R. J. Davis und D. K. Hill in Nature; das Material hatte F. L. D. Ekanayake 1953 auf dem Edelsteinmarkt in Colombo erkannt, nach ihm ist das Mineral benannt |
Ein Silikat, das sich selbst zerlegt
Ekanit ist ein Kalzium-Thorium-Silikat mit der idealisierten Formel Ca2ThSi8O20. Analysen des GIA an Material aus Ampegama auf Sri Lanka ergaben rund 24 Gewichtsprozent Thorium und 2,30 Gewichtsprozent Uran. Beide Elemente zerfallen unter Aussendung von Alphateilchen, und diese Teilchen durchschlagen genau das Gitter, in dem die Mutteratome sitzen. Über geologische Zeiträume summiert sich das: Für Ekanit aus Ampegama nennt das GIA eine zeitintegrierte Selbstbestrahlungsdosis von 14,0 mal 10 hoch 19 Alphaereignissen je Gramm. Was als geordnetes tetragonales Silikat entstand, ist heute ein durchmischtes, röntgenamorphes Glas, das seine chemische Zusammensetzung behalten, seine Fernordnung aber vollständig verloren hat. Die Mineralogie nennt diesen Zustand metamikt, ein Begriff, den Waldemar Brøgger 1893 geprägt hat. Für Sie als Käufer heißt das: Fast alles, was an diesem Stein messbar ist, stammt nicht aus dem ursprünglichen Kristall, sondern aus seinem Zerfallsprodukt. Ekanit ist deshalb kein exotischer Sonderfall, sondern das Lehrbuchbeispiel für Metamiktisierung an einem schleifbaren Material.
Warum der Stein schleierig wirkt und nicht doppelbrechend misst
Ein Kristall bricht Licht richtungsabhängig, weil seine Bausteine geordnet sind. Genau diese Ordnung fehlt dem Ekanit. Das GIA misst an sri-lankischem Material einen Brechungsindex von 1,59 plus/minus 0,01 und stellt fest, dass der Stein trotz tetragonaler Idealstruktur optisch isotrop reagiert. Ältere gemmologische Tabellen geben Doppelbrechungswerte von 0,001 bis 0,008 an, also Beträge an der Nachweisgrenze eines Refraktometers, und nur für seltenen, nicht metamikten Ekanit werden 0,012 genannt. Wer am Polariskop eine verlässliche Anisotropie sucht, findet sie nicht. Dazu kommt die Trübung. Das GIA beschreibt zahlreiche nadelige Flüssigkeits- und Zweiphaseneinschlüsse, die kristallographisch ausgerichtet sind, sowie Festeinschlüsse von Thorit, Quarz, Kieselglas, Kalifeldspat, Apatit, Wollastonit und Calcit. Diese Nadeln erzeugen bei entsprechender Orientierung den vierstrahligen Stern, den man an Kabochons beobachtet. Die meisten Stücke sind einschlussreich und wirken schleierig. Die glasige Grundsubstanz und die Einschlussschleier zusammen ergeben das typische, etwas stumpfe Erscheinungsbild.
Radioaktivität sachlich eingeordnet
Ekanit ist schwach radioaktiv, und das ist keine Randnotiz, sondern die zentrale Eigenschaft dieses Steins. Das Museum of Radiation and Radioactivity der ORAU hat einen geschliffenen Ekanit von 0,6 Karat beziehungsweise 0,12 Gramm vermessen: Er enthält rund 100 Becquerel Thorium-232 mit der gesamten Zerfallsreihe im säkularen Gleichgewicht und erzeugt an einem Pancake-Geiger-Müller-Zählrohr etwa 1.200 Impulse pro Minute über dem Untergrund. Das GIA formuliert es vergleichend: Ekanit ist um ein Vielfaches aktiver als sogenannter Low-Type-Zirkon gleichen Gewichts, und die Autoren halten den Stein für täglich getragenen Schmuck für ungeeignet. Die International Gem Society rechnet vor, dass ein Fünfkaräter bei engem Körperkontakt etwa 83 Tage braucht, um der natürlichen Jahresdosis zu entsprechen. Das ist weit entfernt von einer akuten Gefahr, aber auch weit entfernt von belanglos. Der sachgerechte Umgang lautet deshalb: Sammlerstück in der Vitrine, nicht Ring am Finger.
Marktlage: wenige Steine, wenige Preise
Ekanit wird auf dem sri-lankischen Edelsteinmarkt laut GIA trotz seiner Radioaktivität durchaus gehandelt, kommt aber selten vor. Die International Gem Society spricht von nur einer Handvoll bekannter geschliffener Steine in Sammlungen und nennt als Ausnahmegrößen ein 498-karätiges Stück aus Welimada, einen 161-karätigen Sternkabochon und einen 43,8-karätigen Stein aus einem Londoner Labor. Im Handel finden Sie üblicherweise Einkaräter. Belegte Einzelpreise: Ein britischer Händler verkaufte einen klaren Oval von 0,97 Karat aus dem Ratnapura-Distrikt für 75 Pfund. Ein amerikanischer Spezialist bot einen ungewöhnlich großen Stein von 9,74 Karat zu 80 US-Dollar je Karat an, also 779 US-Dollar. Ein japanischer Händler verlangt für 1,430 Karat 29.800 Yen. Bei Bonhams erzielte ein Kissenschliff von 5,87 Karat aus Mogok 178,50 US-Dollar einschließlich Aufgeld. Eine belastbare Marktstatistik existiert nicht; diese Zahlen sind Einzelbelege, keine Preisspanne im üblichen Sinn.
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Kurz gefasst
Ekanit ist ein Stein für Sammler und für Gemmologen, nicht für den Alltagsschmuck. Wer das Phänomen der Metamiktisierung an einem schleifbaren Material begreifen will, findet hier das klarste Beispiel: ein Silikat, das seine eigene Ordnung zerstört hat und deshalb wie Glas misst. Kaufen Sie bewusst kleine, klare, lebhaft grüne Steine bis etwa zwei Karat, lassen Sie sich die Herkunft aus Sri Lanka bestätigen, und planen Sie die Aufbewahrung in einer verschlossenen, gut belüfteten Vitrine ein. Für Ringe, Armbänder oder Kinderschmuck ist Ekanit nach Einschätzung des GIA nicht geeignet.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Ekanit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
