Howlith ist ein weißes Calciumborosilikat aus eingedampften Salzseen und zugleich das meistverwendete Türkis-Imitat der Welt: Blau gefärbt läuft er als „Türkenit“, „Weißtürkis“ oder schlicht als Türkis durch den Handel. Wer weiß, wie man die Färbung nachweist, kauft ihn als das, was er ist – einen preiswerten, gut zu bearbeitenden Schmuckstein.
Howlith – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Borate; wegen des Siliciumanteils auch als Borosilikat geführt |
| Chemische Formel | Ca2B5SiO9(OH)5, oft geschrieben als Ca2SiB5O9(OH)5 |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe P21/c, Z = 4 (a = 12,82 Å, b = 9,351 Å, c = 8,608 Å, beta = 104,84 Grad) |
| Mohs-Härte | 3,5 (einzelne Quellen nennen bis 4 für dichte Knollen) |
| Dichte | 2,53 bis 2,59 g/cm³ gemessen, 2,61 g/cm³ berechnet |
| Brechungsindex | alpha 1,583 bis 1,586, beta 1,596 bis 1,598, gamma 1,605; an derbem Material Spotlesung um 1,59 |
| Doppelbrechung | rund 0,019 bis 0,022, zweiachsig negativ, 2V gemessen 73 Grad; an derber Ware nicht messbar |
| Glanz | matt bis kreidig an Knollen, subvitreoser, glimmender Glanz an Kristallflächen |
| Spaltbarkeit | keine brauchbare Spaltbarkeit; derbe Ware bricht richtungslos |
| Bruch | muschelig bis nahezu eben, bei porzellanartigem Material glatt, spröde |
| Transparenz | undurchsichtig, in dünnen Splittern durchscheinend; nur die Kristalle von Iona sind durchscheinend bis fast farblos |
| Farben | kreideweiß, grauweiß, cremefarben bis hell bräunlich, meist mit grauen bis schwarzen netzartigen Adern; gefärbte Ware in Blau, Grün, Rot, Violett und Gelb |
| Wichtigste Fundorte | Windsor und Brookville (Hants County, Nova Scotia, Typlokalität), Iona am Bras-d’Or-See (Cape Breton, einzige Kristallfundstelle), Tick Canyon bei Lang und Kramer-Lagerstätte bei Boron (Kalifornien), Death Valley (Inyo County), Muddy Mountains (Nevada), Sonora (Mexiko), Bigadiç (Türkei), Jarandol-Becken (Serbien) |
| Behandlungen | sehr häufig Färben, vor allem Blau als Türkis-Imitat; zusätzlich Versiegelung mit Wachs oder Kunstharz; naturweiße Ware meist nur poliert |
| Erstbeschreibung | 1868 durch Henry How (1828 bis 1879) bei Windsor, Nova Scotia; How nannte das Mineral zunächst Silicoborocalcit, James Dwight Dana benannte es ihm zu Ehren Howlith |
Ein Calciumborosilikat aus der Salzwüste
Howlith ist ein wasserhaltiges Calciumborosilikat mit der Formel Ca2B5SiO9(OH)5. Er gehört zu den Boraten, trägt aber zusätzlich Silicium im Gitter und wird deshalb häufig als Borosilikat geführt. Das Mineral kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c, erscheint im Handel jedoch praktisch nie als Kristall, sondern als knollige, oft blumenkohlartige Masse. Diese Knollen sind kreideweiß, fein porös und von grauen bis schwarzen Adern durchzogen, die ein unregelmäßiges Netz bilden. Mit einer Mohs-Härte von nur 3,5 zählt Howlith zu den weichsten Materialien, die überhaupt noch als Schmuckstein verarbeitet werden. Die Dichte liegt zwischen 2,53 und 2,59 g/cm³, der Brechungsindex bei etwa 1,59. Für Sie bedeutet das: ein Stein, der sich leicht schneiden, bohren und schnitzen lässt, der aber ebenso leicht zerkratzt und Flüssigkeiten aufsaugt. Genau diese Porosität ist der Grund für seine zweite, weit größere Karriere.
Warum Howlith fast immer blau verkauft wird
Weißer Howlith findet kaum Käufer. Blau gefärbter Howlith dagegen ist das meistverwendete Türkis-Imitat der Welt. Weil das Material porös ist und die Adern den Farbstoff besonders gierig aufnehmen, entsteht binnen Stunden ein Bild, das dem Netz einer Türkismatrix täuschend nahekommt. Im Handel läuft solche Ware als „Türkenit“, als „Turquenite“, gelegentlich als „Weißtürkis“ und viel zu oft schlicht als Türkis. Hinzu kommen grün, rot, violett und gelb gefärbte Stränge, die als Chrysokoll-, Korallen- oder Lapisersatz verkauft werden. Rechtlich zulässig ist das nur mit klarer Angabe „gefärbter Howlith“. Sie erkennen die Behandlung zuverlässig: Ein Wattestäbchen mit Aceton oder Nagellackentferner nimmt an einer verdeckten Stelle Farbe an, das Bohrloch einer Perle ist innen weiß, und die Farbe sitzt konzentriert in den Adern statt gleichmäßig im Stein. Echter Türkis verhält sich umgekehrt: Dort ist die Matrix dunkles Wirtsgestein, und der blaue Bereich trägt die Farbe selbst.
Howlith, Magnesit und die Verwechslung im Regal
Ein Großteil der Ware, die als Howlith angeboten wird, ist in Wahrheit Magnesit. Beide sind weiß, weich, porös und geadert, chemisch aber grundverschieden: Magnesit ist ein Magnesiumcarbonat (MgCO3), Howlith ein Borosilikat. Praktisch unterscheiden Sie beide an drei Punkten. Erstens die Adern: Bei Howlith sind sie grau bis schwarz und fein verästelt, bei Magnesit meist braun bis rostfarben und breiter. Zweitens die Dichte: Magnesit liegt bei rund 3,0 g/cm³ und fühlt sich in der Hand spürbar schwerer an als Howlith mit 2,53 bis 2,59 g/cm³. Drittens der Säuretest: Ein Tropfen verdünnter, warmer Salzsäure lässt Magnesit als Carbonat aufbrausen, Howlith reagiert nicht mit Gasblasen. Haushaltsessig reicht dafür nicht aus. Für den Endkunden ist der Unterschied im Preis unerheblich, für die korrekte Deklaration nicht – und wer eine bestimmte Adernzeichnung sucht, sollte wissen, welches der beiden Minerale er vor sich hat.
Preise, Verfügbarkeit und was Sie erwarten dürfen
Howlith ist reichlich vorhanden und entsprechend günstig. Naturweiße Cabochons handelsüblicher Qualität liegen bei etwa 0,30 bis 0,90 Euro je Karat, was für einen 30-Karat-Cabochon rund 10 bis 25 Euro bedeutet. Trommelsteine von 20 bis 30 Millimetern kosten im deutschen Einzelhandel um 4 Euro pro Stück, im Mengenbezug sinkt der Preis auf etwa 1,20 Euro. Perlenstränge aus gefärbtem Material sind schon für wenige Euro zu haben. Preistreiber sind nicht Farbe oder Reinheit, sondern Größe und Fehlerfreiheit der Knolle, eine klare Adernzeichnung und eine Politur, die trotz der Porosität glänzt. Teuer wird Howlith nur als Sammlerobjekt: Die scharf ausgebildeten, durchscheinenden Kristalle von Iona auf Cape Breton sind weltweit die einzigen ihrer Art und erreichen als Stufe dreistellige Eurobeträge. Schmuckware aus diesem Material gibt es praktisch nicht.
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Kurz gefasst
Kaufen Sie Howlith bewusst als Howlith, nicht als Türkisersatz. Naturweiße Cabochons mit klarem, ruhigem Adernnetz und sauberer Politur sind für wenige Euro zu haben und wirken in Silber ausgesprochen gut. Verlangen Sie bei blauer Ware die schriftliche Angabe „gefärbter Howlith“ und machen Sie im Zweifel den Acetontest. Verarbeiten Sie den Stein als Anhänger, Kette oder Brosche, nicht als Alltagsring. Wer Sammlerqualität sucht, greift zu den Kristallstufen von Iona – sie sind das einzige wirklich seltene Material dieser Art.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Howlith stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
