Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Maw-sit-sit Lexikon · Übersicht

Maw-sit-sit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Maw-sit-sit

Maw-sit-sit ist kein Mineral, sondern ein Gestein: ein chromreiches Gemenge aus Kosmochlor, chromhaltigem Jadeit beziehungsweise Chrom-Omphacit, Albit, Amphibolen und Chromit. Eduard Gübelin beschrieb es 1963 nach dem Dorf Maw-sit-sit im Jadegebiet des nordmyanmarischen Kachin-Staates, und bis heute ist weltweit keine zweite Lagerstätte bekannt.

Maw-sit-sit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
Mineralklassekein Mineral, sondern ein metamorphes Gestein aus der Verwandtschaft der Jadeitite; Gemengteile sind Kosmochlor, chromhaltiger Jadeit beziehungsweise Chrom-Omphacit, Albit, Chrom-Eckermannit und Chrom-Richterit, dazu Chromit, Natrolith sowie Minerale der Chlorit- und Serpentin-Gruppe
Chemische Formelkeine einheitliche Formel; Kosmochlor NaCr(Si2O6), Chromjadeit NaAl(Si2O6) mit Cr³⁺ auf der Aluminiumposition, Chrom-Omphacit (Ca,Na)(Mg,Fe,Al,Cr)(Si2O6), Albit NaAlSi3O8, Chromit FeCr2O4, Eckermannit als Natrium-Amphibol
Kristallsystemals Gestein kein eigenes Kristallsystem; Kosmochlor und Jadeit monoklin (Raumgruppe P21/c, Kosmochlor a = 9,550 Å, b = 8,712 Å, c = 5,273 Å, beta = 107,44 Grad), Albit triklin, Chromit kubisch
Mohs-Härte6 bis 7; die meisten Handelsangaben nennen 6 bis 6,5, pyroxenreiche Partien erreichen den oberen Wert, albit- und chloritreiche Zonen liegen darunter
Dichte2,45 bis 3,15 g/cm³, im Handel typisch etwa 2,77 g/cm³; hochwertiges albitreiches Material wurde mit 2,69 bis 2,73 g/cm³ gemessen, reiner Kosmochlor liegt bei 3,51 bis 3,60 g/cm³, Jadeitit bei 3,25 bis 3,40 g/cm³
Brechungsindexnur als Spotwert messbar, insgesamt 1,52 bis 1,74; am häufigsten fallen Werte um 1,52 bis 1,56 an, albitreiches Material 1,55 bis 1,56, jadeitreiche Partien 1,65 bis 1,67, Kosmochlor nalpha 1,740 bis 1,766 und ngamma 1,745 bis 1,781
Doppelbrechungam Aggregat nicht messbar; an den Einzelmineralen beträgt sie bei Kosmochlor 0,005 bis 0,015 und bei Jadeit 0,013 bis 0,020
GlanzGlasglanz bis Fett- und Wachsglanz auf polierten Flächen; kosmochlorreiche schwarze Zonen glänzen deutlich stärker als das umgebende Grün
Spaltbarkeitam dichten Aggregat keine; die enthaltenen Pyroxene besitzen für sich eine gute prismatische Spaltbarkeit nach {110}, die sich beim Schleifen als Ausbrüche bemerkbar machen kann
Bruchuneben bis splittrig und körnig, an feinkörnigen dichten Partien muschelig; die Zähigkeit ist ausgesprochen hoch
Transparenzundurchsichtig; nur dünne Splitter und ausgeschliffene Ränder sind schwach durchscheinend
Farbenleuchtendes Chrom- bis Smaragdgrün, Apfelgrün und Gelbgrün, dazu dunkelgrüne bis schwarze Flecken, Adern, Bänder und Schlieren, örtlich weiße bis hellgraue albitreiche Zonen; Strich weiß bis hellgrün
Wichtigste FundorteDorf Maw-sit-sit nahe Tawmaw im Hpakant-Tawmaw Jade Tract, Hpakant Township, Mohnyin-Distrikt (ältere Literatur: Distrikt Myitkyina-Mogaung), Kachin-Staat, Nordmyanmar; im Handel werden zusätzlich die benachbarten Stellen Kansi und Namshawa genannt. Ein zweites Vorkommen ist weltweit nicht bekannt
Behandlungenkeine etablierte Behandlung; gelegentlich Wachs auf der Politur. Problematisch sind nicht Behandlungen des Materials selbst, sondern gefärbter Serpentin, gefärbter Quarzit und gefärbter oder harzgetränkter Jadeit, die unter dem Namen verkauft werden
Erstbeschreibung1963 durch den Schweizer Gemmologen Eduard J. Gübelin nach dem Dorf Maw-sit-sit im nordmyanmarischen Jadegebiet; einzelne Quellen datieren die Erstbeobachtung auf 1964 oder allgemein auf die frühen 1960er-Jahre. Der Hauptgemengteil Kosmochlor wurde bereits 1897 aus dem Toluca-Eisenmeteoriten beschrieben und 1965 unter dem später verworfenen Namen Ureyit erneut publiziert

Ein Gestein aus fünf Mineralen, das nur so aussieht wie Jade

Maw-sit-sit ist kein Mineral. Was Sie in der Hand halten, ist ein metamorphes Gestein, ein Gemenge aus mehreren chromhaltigen Mineralen, deren Anteile von Stück zu Stück schwanken. Die klassische, auf Gübelin zurückgehende Analyse nennt rund 60 Prozent Kosmochlor, etwa 15 Prozent chromhaltigen Jadeit, ungefähr 4 Prozent Chrom-Eckermannit und etwa 1 Prozent chromhaltigen Albit, dazu Chromit, Natrolith sowie Chlorit- und Serpentinminerale. Eine mineralogische Untersuchung hochwertigen Materials aus dem Jahr 2025 kam bei ihren Proben zu einem ganz anderen Bild: rund 55 bis 65 Prozent Albit, 30 bis 40 Prozent Chrom-Omphacit und etwa 5 Prozent Amphibol, ohne Jadeit und ohne Chromitrelikte. Beide Befunde sind richtig, denn Maw-sit-sit ist ein Sammelbegriff für ein Gestein mit stark wechselnder Zusammensetzung. Genau daraus folgt die breite Streuung aller Messwerte, die Sie in der Kennzahlentabelle finden.

Chrom in jedem Gemengteil: woher das leuchtende Grün kommt

Die Farbe von Maw-sit-sit ist reine Chromchemie. Dreiwertiges Chrom sitzt in den Pyroxenen, im Amphibol und selbst im Feldspat auf Gitterplätzen, die sonst Aluminium oder Magnesium einnehmen würde, und erzeugt dort dieselbe Absorption, die auch Smaragd und Rubin ihre Farbe gibt. Im Kosmochlor ist Chrom sogar Bestandteil der Formel: NaCr(Si2O6). Die 2025 veröffentlichte Untersuchung hochwertigen Materials wies im Chrom-Omphacit 11,01 bis 13,21 Gewichtsprozent Cr2O3 nach, ein Gehalt, wie ihn kaum ein anderes Schmuckgestein erreicht. Das Schwarz der Zeichnung geht auf Chromit zurück, ein opakes Erzmineral der Spinellgruppe, und auf besonders kosmochlorreiche Zonen, die sich bis ins Schwarzgrüne verdunkeln. Weiße und hellgraue Bereiche sind schlicht chromarmer Albit. Weil alle Farbträger mineralisch gebunden sind, ist Maw-sit-sit vollständig lichtecht; die Farbe verändert sich auch nach Jahren am Fenster nicht.

Ein einziges Tal in Kachin und was das für die Beschaffung bedeutet

Maw-sit-sit kommt aus einem Gebiet von wenigen Quadratkilometern. Die Fundstelle liegt beim gleichnamigen Dorf nahe Tawmaw im Hpakant-Tawmaw Jade Tract im Kachin-Staat Nordmyanmars, im Vorland des Himalaya. Trotz gezielter Suche in anderen Jadeitgebieten der Welt ist bis heute keine zweite Lagerstätte bekannt geworden. Das macht die Versorgung anfällig. Nach dem Militärputsch vom Februar 2021 haben die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und das Vereinigte Königreich die staatliche Myanma Gems Enterprise gelistet, die Schürflizenzen vergibt und die offiziellen Verkaufsmessen ausrichtet. Ein pauschales Einfuhrverbot für Schmucksteine aus Myanmar besteht in der EU nicht, die Maßnahmen richten sich gegen benannte Unternehmen und Personen. Seit 2021 hat sich zudem der bewaffnete Konflikt im Kachin-Staat verschärft; das Abbaugebiet Hpakant wechselte ab Herbst 2024 weitgehend in die Kontrolle der Kachin Independence Army. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor jedem Import.

Was Maw-sit-sit kostet und wie Sie ihn von Jade trennen

Maw-sit-sit ist im Fachhandel bezahlbar, aber schwer zu finden. Für geschliffene Cabochons zwischen 4 und gut 10 Karat lagen die Angebote spezialisierter Händler zuletzt bei 60 bis 203 US-Dollar je Stein, umgerechnet rund 55 bis 190 Euro, also etwa 14 bis 19 Euro je Karat. Geology.com nennt für schöne Cabochons üblicherweise Beträge unter 100 US-Dollar. Der Preis steigt mit der Farbintensität des Grüns, mit einer klar abgesetzten schwarzen Zeichnung und mit rissfreier Fläche. Die Abgrenzung gegen Jadeit gelingt in der Regel schon mit einfachen Mitteln: Die Dichte streut zwischen 2,45 und 3,15 und liegt damit meist deutlich unter den 3,25 bis 3,40 von Jadeitit, und der Spotwert des Brechungsindex fällt mit 1,52 bis 1,56 häufig weit unter die 1,65 bis 1,67 von Jade. Dazu kommt die charakteristische schwarze Chromitzeichnung.

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Kurz gefasst

Maw-sit-sit ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede, die etwas Eigenes suchen: ein Grün, das kaum ein anderes Material erreicht, dazu eine schwarze Zeichnung, die jedes Stück unverwechselbar macht. Wir empfehlen ihn für Anhänger, Broschen, Manschettenknöpfe und Herrenringe in Zargenfassung. Kaufen Sie nach Farbintensität und Zeichnung, nicht nach Gewicht, und lassen Sie sich Dichte und Spotwert nennen. Wo die Herkunftsangabe Kachin oder Tawmaw fehlt und der Preis auffällig niedrig ist, handelt es sich meist um gefärbten Serpentin.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Maw-sit-sit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Maw-sit-sit eine Jade?
Nein. Jade ist entweder Jadeitit oder Nephrit. Maw-sit-sit ist ein eigenständiges Gestein, in dem Jadeit allenfalls einen Nebenbestandteil bildet. Die Handelsnamen Chromjadeit und Jade-Albit sind deshalb irreführend und sagen nichts über die tatsächliche Zusammensetzung aus.
Warum schwanken Dichte und Brechungsindex so stark?
Weil Maw-sit-sit ein Gemenge ist. Kosmochlor hat eine Dichte um 3,55, Albit nur etwa 2,62. Je nach Anteil verschiebt sich der Messwert des ganzen Steins. Dasselbe gilt für den Brechungsindex zwischen 1,52 und 1,74.
Ist Maw-sit-sit derzeit überhaupt erhältlich?
Ja, aber unregelmäßig. Der Handel lebt weitgehend von älteren Beständen und von Material, das über Drittländer läuft. Sanktionen gegen staatliche Unternehmen Myanmars und der Konflikt im Kachin-Staat erschweren die Beschaffung und machen Lieferketten schwer nachvollziehbar.
Wird Maw-sit-sit behandelt?
Das Gestein selbst gilt als unbehandelt; bekannt ist nur gelegentliches Wachsen der Politur. Das eigentliche Risiko sind Imitationen: gefärbter Serpentin, gefärbter Quarzit und gefärbter oder harzgetränkter Jadeit, die unter dem Namen angeboten werden.