Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Nuummit Lexikon · Übersicht

Nuummit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Nuummit

Nuummit ist kein Mineral, sondern ein archaisches Gestein aus dicht verwachsenen Nadeln der beiden Orthoamphibole Anthophyllit und Gedrit. Sein kupfergoldener bis blaugrüner Schiller entsteht durch Interferenz an mikroskopisch dünnen Entmischungslamellen, nicht durch Labradorisierung im Feldspat. Das Material vom äußeren Godthåbsfjord bei Nuuk in Grönland zählt mit rund drei Milliarden Jahren zu den ältesten Gesteinen, die je zu Schmuck verarbeitet wurden.

Nuummit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseKein Mineral, sondern ein metamorphes Gestein. Die gesteinsbildenden Bestandteile sind Kettensilikate der Amphibolgruppe, genauer die Orthoamphibole Anthophyllit und Gedrit; der Name Nuummit ist mineralogisch nicht anerkannt.
Chemische FormelAnthophyllit Mg2Mg5Si8O22(OH)2 und Gedrit Mg2(Mg3Al2)(Si6Al2)O22(OH)2 in feiner Verwachsung. Mikrosondenanalysen an grönländischem Material ergaben Zusammensetzungen von Na0,17(Mg,Fe)6,3Al0,7(Al0,9Si7,1)O22(OH)2 bis Na0,38(Mg,Fe)6,0Al1,0(Al1,4Si6,6)O22(OH)2 bei einem Fe/Mg-Verhältnis von 0,58 bis 0,62.
Kristallsystemorthorhombisch für beide Amphibole; das Gestein selbst ist stängelig bis garbenförmig aufgebaut, die Nadeln liegen teils gerichtet, teils regellos verfilzt
Mohs-Härte5,5 bis 6; an dicht verwachsenen grönländischen Stücken wurde 6 gemessen, sulfidreiche und aufgelockerte Partien liegen darunter
Dichte2,85 bis 3,2 g/cm³ für gewöhnliches Handelsmaterial; an dichtem, amphibolreichem grönländischem Schleifmaterial wurden 3,18 bis 3,37 g/cm³ bestimmt, mauretanisches Material liegt bei 2,98 plus minus 0,05 g/cm³
Brechungsindex1,635 bis 1,663 (alpha etwa 1,64, gamma etwa 1,66); am undurchsichtigen Gestein nur als undeutliche Schattengrenze am Refraktometer ablesbar. Mauretanisches Material 1,649 bis 1,669
Doppelbrechung0,020 bis 0,022, optisch zweiachsig negativ; am polierten Cabochon praktisch nicht bestimmbar
Glanzauf frischem Bruch seidig bis matt, poliert glasig mit metallisch wirkendem, richtungsabhängigem Schiller
Spaltbarkeitvollkommen nach der prismatischen Amphibolspaltbarkeit in zwei Richtungen, die sich unter etwa 54,5 und 125,5 Grad schneiden; im verfilzten Gestein wirkt sie gemildert, an grobnadeligem Material führt sie zu Ausbrüchen
Bruchsplittrig bis uneben, entlang der Nadelbündel faserig absplitternd; an feinkörnigen Partien muschelig
Transparenzundurchsichtig
Farbendunkelgrau, bräunlichschwarz bis schwarz; der Schiller reicht von Kupferrot und Gold über Grüngelb und Grün bis Metallblau, selten Violett. Mauretanisches Material schillert überwiegend blau bis blaugrün
Wichtigste Fundorteäußerer Godthåbsfjord bei Nuuk, Sermersooq, Grönland (Typlokalität, acht Vorkommen im Umkreis von 50 km); Zentralmauretanien in der Sahara; Kainuanmäki bei Paltamo in Kainuu, Kangasjärvi bei Outokumpu und Perniö in Finnland; Südnorwegen; Wyoming, New Hampshire und Massachusetts in den USA; Kanada
BehandlungenPolitur ohne Zusatz ist der Regelfall bei sauberem Material. Bei klüftiger Ware ist im Handel eine Stabilisierung mit Kunstharz üblich, sie wird jedoch selten deklariert (Handelsangabe, laborseitig nicht flächendeckend belegt). Färbungen sind nicht üblich. Trommelsteine werden gelegentlich gewachst
ErstbeschreibungDer Däne Karl Ludwig Giesecke sammelte das Gestein 1810 bei Nuuk. Die wissenschaftliche Fassung des Begriffs geht auf Ove Balthasar Bøggild zurück, der das Material zwischen 1905 und 1924 beschrieb. Als Schmuckstein wurde es erst nach der Wiederentdeckung 1982 erschlossen; die erste gemmologische Untersuchung veröffentlichten Peter W. Uitterdijk Appel und Aage Jensen 1987 in Gems und Gemology.

Ein Gestein aus zwei Amphibolen

Nuummit ist streng genommen kein Edelstein im mineralogischen Sinn, sondern ein Gestein. Es besteht ganz überwiegend aus zwei nah verwandten Orthoamphibolen: Anthophyllit und Gedrit. Beide kristallisieren orthorhombisch, beide bilden lange, prismatische Nadeln, und beide unterscheiden sich chemisch vor allem im Aluminium- und Natriumgehalt. Im Gestein liegen diese Nadeln als dichtes Gefüge vor, teils parallel eingeregelt, teils garbenförmig oder regellos verfilzt. Dazwischen sitzen kleine Mengen Hornblende, Biotit, Quarz und vor allem Sulfide: Pyrit, Pyrrhotin und Kupferkies. Weil kein einheitliches Mineral vorliegt, gibt es auch keine einzelne gültige Formel und keine scharfen Kennwerte, sondern Spannen. Mineralogisch ist der Name Nuummit deshalb nicht anerkannt, im Handel ist er seit den achtziger Jahren fest etabliert. Für Sie als Käufer heißt das: Zwei Stücke desselben Fundorts können sich in Dichte, Härte und Politurverhalten spürbar unterscheiden.

Woher der Schiller wirklich kommt

Der Schiller des Nuummits wird im Handel gern mit dem Labradorspiel verglichen. Der Mechanismus ist verwandt, das Material aber ein völlig anderes. Beim Labradorit entsteht das Farbspiel an Entmischungslamellen im Feldspat, beim Nuummit an Entmischungslamellen innerhalb der Amphibolnadeln selbst. Beim Abkühlen entmischte sich der ursprünglich homogene Orthoamphibol in abwechselnde Lagen aus Gedrit und Anthophyllit. Messungen an grönländischem Material ergaben Gedritlamellen von etwa 0,8 Mikrometern und Anthophyllitlamellen von etwa 0,2 Mikrometern; in den kräftig schillernden Bereichen liegen die Lamellen unter 0,2 Mikrometern. Diese Schichtdicken liegen in der Größenordnung der Lichtwellenlänge, und genau dort entsteht Dünnschichtinterferenz. Deshalb ist der Schiller streng an einzelne Nadeln gebunden: Er wandert beim Kippen von Nadel zu Nadel, statt wie beim Labradorit als eine große Fläche aufzuleuchten. Ein Teil der goldgelben Reflexe stammt zusätzlich von eingelagerten Sulfiden.

Drei Quellen, ein Handelsname

Wer Nuummit kauft, kauft heute nicht zwangsläufig grönländisches Material. Die Typlokalität liegt im äußeren Godthåbsfjord bei Nuuk, dort sind acht Vorkommen im Umkreis von rund 50 Kilometern bekannt. Sie liegen auf lizenziertem Gelände, sind nur per Boot erreichbar, und die genauen Punkte wurden vom abbauenden Unternehmen von Anfang an vertraulich gehalten. Seit 2009 kommt aus Zentralmauretanien ein ähnliches Orthoamphibolgestein, das als Sahara-Nuummit oder Jenakit gehandelt wird; seine Nadeln schillern überwiegend blau bis blaugrün, verantwortlich ist ein Titangehalt im Anthophyllit. In Finnland wurde 1990 bei Kainuanmäki nahe Paltamo ein Vorkommen kartiert, das seit Oktober 2022 im Probeabbau steht. Alle drei Materialien laufen im Handel unter demselben Namen. Ein seriöser Anbieter nennt die Herkunft, weil sie Preis und Aussehen bestimmt. Verlangen Sie die Angabe schriftlich, denn zwischen den Herkünften liegen bei gleichem Preis spürbare Unterschiede in Schillerfarbe und Nadeldichte.

Was Nuummit kostet

Nuummit ist kein teurer Stein, aber auch keine Massenware. Einfache Trommelsteine unklarer Herkunft beginnen im deutschen Handel bei etwa 8 bis 15 Euro je Stück. Ein grönländischer Trommelstein von 5 bis 6 Gramm in ausgesuchter Qualität kostet rund 38 Euro. Cabochons mit 8 bis 15 Karat liegen bei etwa 30 bis 65 Euro je Stück, große Platten von 40 bis 80 Karat bei rund 140 bis 280 Euro. Umgerechnet ergibt das etwa 3 bis 8 Euro je Karat, bei kleinen Steinen mit dichtem Mehrfarbenschiller auch mehr. Preistreibend sind drei Dinge: die Dichte und Vielfarbigkeit des Schillers, die Größe der ungestörten Schillerfläche und die belegte grönländische Herkunft. Der logistische Aufwand am Fjord schlägt dabei deutlich stärker durch als der Materialwert selbst. Preisangaben beziehen sich auf den europäischen Online-Handel, Stand 2026.

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Kurz gefasst

Nuummit lohnt sich, wenn Sie den Schiller zum Kaufkriterium machen und nicht die Größe. Verlangen Sie eine Herkunftsangabe: Grönland, Mauretanien oder Finnland sind drei verschiedene Materialien unter einem Namen. Ein Cabochon von 18 mal 13 Millimetern mit dichten, über die ganze Fläche verteilten Nadeln und mehreren Schillerfarben ist für 40 bis 90 Euro gut gekauft. Fragen Sie ausdrücklich nach Kunstharzstabilisierung. Fassen Sie den Stein als Anhänger oder Brosche in Zarge, nicht als Alltagsring, und halten Sie ihn vom Ultraschallbad fern.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Nuummit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Nuummit ein Edelstein oder ein Gestein?
Ein Gestein. Nuummit besteht aus den beiden Amphibolen Anthophyllit und Gedrit und ist damit kein eigenständiges Mineral; der Name ist mineralogisch nicht anerkannt. Gemmologisch wird er trotzdem wie ein Schmuckstein behandelt, weil er schleifbar, polierfähig und optisch eigenständig ist. Kennwerte werden deshalb als Spannen angegeben, nicht als feste Zahlen.
Warum schillert Nuummit?
Durch Dünnschichtinterferenz an Entmischungslamellen innerhalb der Amphibolnadeln. Gedrit- und Anthophyllitlagen wechseln sich im Bereich von 0,2 bis 0,8 Mikrometern ab, also in der Größenordnung der Lichtwellenlänge. Das ist verwandt mit dem Labradorspiel, spielt sich aber im Amphibol ab, nicht im Feldspat. Deshalb wandert der Schiller nadelweise statt flächig.
Woran erkenne ich grönländisches Material?
An drei Merkmalen: deutlich gerichtete, langgestreckte Nadeln mit gold-, kupfer- bis blaugrünem Schiller, ein oft klar spürbarer Magnetismus durch den Pyrrhotingehalt, und keine rote Reaktion unter kurzwelligem UV. Die indischen und chinesischen Verwechsler aus Gabbro zeigen keine gerichtete Kornstruktur, sind kaum magnetisch und leuchten unter kurzwelligem UV tiefrot auf.
Darf Nuummit ins Ultraschallbad?
Nein. Das Gestein ist aus Nadeln mit vollkommener Amphibolspaltbarkeit aufgebaut, und viele Stücke enthalten feine Klüfte entlang der Nadelgrenzen. Ultraschall arbeitet genau dort und kann Nadelbündel lockern oder ganze Partien absprengen. Bei kunstharzstabilisierter Ware kommt hinzu, dass sich die Füllung lösen kann. Reinigen Sie von Hand mit lauwarmem Wasser.