Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Petalit Lexikon · Übersicht

Petalit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Petalit

Petalit ist das Mineral, an dem 1817 das Element Lithium entdeckt wurde, und zugleich einer der unscheinbarsten Edelsteine überhaupt: fast immer farblos, auffallend leicht, nur mäßig hart und so vollkommen spaltbar, dass facettierte Steine bis heute Sammlerware bleiben.

Petalit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate und Germanate; in der Strunz-Systematik unter den Schichtsilikaten geführt, 9. Auflage 9.EF.05, 8. Auflage VIII/F.01
Chemische FormelLiAlSi4O10
Kristallsystemmonoklin, Raumgruppe P2/a (Nr. 13); Gitterparameter a = 11,74 Å, b = 5,17 Å, c = 7,63 Å, β = 112,5 Grad
Mohs-Härte6 bis 6,5 (eine Quelle nennt pauschal 6, eine andere 6,5)
Dichtegemessen 2,412 bis 2,422 g/cm³, berechnet 2,40 g/cm³; die IGS gibt die Spanne weiter mit 2,3 bis 2,5 an, das GIA maß an einem geschliffenen Stein 2,40
Brechungsindexna 1,504, nb 1,510, ng 1,516; gemmologische Tabellen nennen die Spanne 1,503 bis 1,523, das GIA maß an einem facettierten Stein 1,505 bis 1,515; zweiachsig positiv, 2V 82 bis 84 Grad
Doppelbrechung0,012; gemmologische Tabellen nennen 0,012 bis 0,014
GlanzGlasglanz auf Kristallflächen, Perlmuttglanz auf den Spaltflächen
Spaltbarkeitvollkommen nach {001}, undeutlich nach {201}; die beiden Richtungen schließen 38,5 Grad ein
Bruchmuschelig bis unvollkommen muschelig, spröde; die Zähigkeit wird als gering eingestuft
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend
Farbenfarblos, weiß, grau, gelblichgrau, rosa; selten rötlich, grünlich oder bräunlich. Strichfarbe weiß, englischsprachige Quellen geben farblos an
Wichtigste FundorteUtö bei Haninge, Stockholms län (Schweden, Typlokalität), ferner Varuträsk, Ultevis, Järkvissle und Västanå in Schweden; Araçuaí in Minas Gerais und Bahia (Brasilien); Paprok in Nuristan und Laghman (Afghanistan); Karibib (Namibia); Bikita (Simbabwe); San Piero in Campo auf Elba (Italien); Londonderry und Kalgoorlie (Westaustralien); Mogok (Myanmar); Manitoba (Kanada); Kalifornien, Maine, Massachusetts und Wyoming (USA)
Behandlungenfür Schmuck-Petalit sind keine üblichen Behandlungen dokumentiert; ein gemmologischer Katalog erwähnt jedoch CVD-beschichtete Exemplare, die auf Ultraschall, Alkohol, scharfe Chemikalien und Umschleifen empfindlich reagieren
ErstbeschreibungJanuar 1800 durch José Bonifácio de Andrada e Silva an Material von der Insel Utö; der Name geht auf griechisch petalon für Blatt zurück und meint die blättrige Spaltbarkeit. Veralteter Handelsname: Kastorit beziehungsweise Kastor, 1847 von Johann Friedrich August Breithaupt vergeben

Der Stein, an dem das Lithium gefunden wurde

Petalit ist ein Lithium-Aluminium-Silikat der Formel LiAlSi4O10. Beschrieben wurde er im Januar 1800 von José Bonifácio de Andrada e Silva an Material von der schwedischen Schäreninsel Utö südlich von Stockholm. Siebzehn Jahre später analysierte Johan August Arfwedson im Privatlabor von Jöns Jakob Berzelius eben dieses Mineral und stieß dabei auf eine alkalische Komponente, die sich durch Fällungsreaktionen weder als Natrium noch als Kalium oder Magnesium ausweisen ließ. Berzelius, der die Entdeckung 1817 bekanntgab und seinen Mitarbeiter dabei als „einen jungen, sehr verdienstvollen Chemiker“ vorstellte, wählte den Namen Lithion nach griechisch lithos für Stein: Anders als die übrigen Alkalien war dieses Element zuerst in einem Mineral und nicht in organischer Materie aufgetaucht. Petalit ist damit das Typmaterial eines chemischen Elements, eine Rolle, die sonst kaum ein Schmuckstein für sich beanspruchen kann. Das Metall selbst konnte Arfwedson nicht darstellen, ihm fehlte die Batterieleistung. William Thomas Brande gelang die Isolierung 1821 durch Elektrolyse von Lithiumoxid.

Niedriger Brechungsindex, geringe Dichte, vollkommene Spaltbarkeit

Die Kennwerte machen Petalit im Labor rasch greifbar. Die Brechungsindizes liegen bei na 1,504, nb 1,510 und ng 1,516, die Doppelbrechung bei 0,012; der Stein ist zweiachsig positiv mit einem Achsenwinkel 2V von 82 bis 84 Grad. Gemmologische Tabellen weiten die Spanne auf 1,503 bis 1,523 und 0,012 bis 0,014, weil natürliche Mischkristalle streuen. Das GIA veröffentlichte 2009 die Messung an einem facettierten Stein aus der Provinz Laghman in Afghanistan: Brechungsindex 1,505 bis 1,515, Dichte 2,40. Diese geringe Dichte ist charakteristisch, gemessen werden 2,412 bis 2,422 g/cm³, berechnet 2,40. Die Härte beträgt 6 bis 6,5 und liegt damit knapp unter Quarz. Entscheidend für die Praxis ist jedoch die Spaltbarkeit: vollkommen nach {001}, undeutlich nach {201}, mit 38,5 Grad zwischen beiden Richtungen. Der Bruch ist muschelig, die Tenazität spröde, die Zähigkeit gering.

Farblos, weiß, blassrosa: ein Stein ohne eigene Farbe

Die ideale Formel von Petalit enthält mit Lithium, Aluminium, Silicium und Sauerstoff kein Element, das für kräftige Farbe sorgen könnte. Entsprechend beschreiben die mineralogischen Quellen das Farbspektrum als farblos, weiß, grau, gelblichgrau und rosa, seltener rötlich oder grünlich; gemmologische Kataloge ergänzen bräunliche, hellgrüne und blaue Stücke. Welcher Fremdstoff welche dieser Tönungen verursacht, benennt keine der für diesen Artikel ausgewerteten Quellen. Wir verzichten deshalb bewusst auf eine Zuordnung. Was belegt ist: Die IGS meldet aus Myanmar Material, das zwischen Tageslicht und Kunstlicht einen Farbwechsel zeigt, und weist darauf hin, dass eingeschlossenes Material in Cabochons einen schwachen Katzenaugeneffekt hervorrufen kann; Petalit-Katzenauge ist als Handelsware bekannt. Rosafarbenes Material aus Namibia wird gelegentlich zu Cabochons verarbeitet oder geschnitzt. Für den Schmuckmarkt zählt in der Praxis fast nur das farblose, augenreine Material.

Zwei Märkte, ein Mineral: Batterierohstoff gegen Sammlerstein

Petalit führt ein Doppelleben. Als Lithiumerz wird er in großem Maßstab gefördert, vor allem in Bikita in Simbabwe, das der chinesische Konzern Sinomine 2022 übernahm und im November 2023 auf Nennkapazität brachte. Die Anlage verfügt über eine Aufbereitungskapazität von 4,18 Millionen Tonnen Erz im Jahr und je 300.000 Tonnen Petalit- und Spodumenkonzentrat. Im Oktober 2024 stoppte Sinomine die Petalitförderung teilweise, weil die Petalitprodukte bei gefallenen Lithiumpreisen zu wenig einbrachten; batteriefähiges Lithiumcarbonat notierte am 10. Oktober 2024 bei 74.000 Yuan (10.464 US-Dollar) je Tonne, 52,3 Prozent unter dem Vorjahr. Der Grund ist der niedrigere Lithiumgehalt: Petalit enthält rund 2,09 Gewichtsprozent Lithium gegenüber 3,73 Prozent bei Spodumen. Vom Bergbauvolumen erreicht den Schmuckmarkt praktisch nichts: Dort handelt es sich um einzelne geschliffene Steine, meist aus Brasilien und Afghanistan.

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Kurz gefasst

Petalit ist ein Kennerstein, kein Alltagsstein. Kaufen Sie ihn als facettierten Solitär von fünf Karat aufwärts für Ohrschmuck oder Anhänger, dort spielt er seine Größe zum kleinen Preis aus: rund 14 bis 29 US-Dollar je Karat sind für augenreine weiße Ware dokumentiert. Für Ringe raten wir ab, sofern die Fassung den Stein nicht rundum schützt. Verlangen Sie eine Herkunftsangabe, Brasilien und Afghanistan liefern das beste Schleifmaterial, und lassen Sie Brechungsindex und Dichte messen: Beides zusammen schließt Verwechslungen zuverlässig aus.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Petalit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Wurde das Element Lithium wirklich an Petalit entdeckt?
Ja, und die Zuordnung ist gut dokumentiert. Johan August Arfwedson, geboren am 12. Januar 1792, gestorben am 28. Oktober 1841, analysierte 1817 im Labor von Jöns Jakob Berzelius Petalit aus der Eisenerzgrube auf Utö und wies darin ein bis dahin unbekanntes Alkali nach. Eine deutschsprachige Quelle nennt abweichend Varuträsk als Herkunft des Probenmaterials; die Biografie Arfwedsons, die wissenschaftshistorische Darstellung der Linda Hall Library und die Bergbaugeschichte von Utö nennen übereinstimmend Utö. Wir folgen der Mehrheitsangabe.
Wie hart ist Petalit, und was bedeutet das im Alltag?
Die Mohshärte beträgt 6 bis 6,5, also knapp unter Quarz. Für einen Schmuckstein ist das der Grenzbereich: Staub, der überwiegend aus Quarz besteht, kann die Politur mattieren. Wichtiger als die Härte ist bei Petalit aber die Zähigkeit, und die wird ausdrücklich als gering eingestuft. Die vollkommene Spaltbarkeit nach {001} bedeutet, dass ein Schlag in ungünstiger Richtung den Stein spalten kann, ohne ihn vorher zu zerkratzen. Die IGS empfiehlt deshalb Ohrschmuck und Anhänger statt Ringe.
Was kostet ein facettierter Petalit?
Deutlich weniger, als die Seltenheit vermuten lässt. Ein auf Petalit spezialisierter Onlinehändler führte weiße, teils als VVS bezeichnete Steine zwischen 5,24 und 11,97 Karat zu 98 bis 285 US-Dollar je Stein, umgerechnet auf das Karat also rund 14 bis 29 US-Dollar oder je nach Wechselkurs etwa 12 bis 27 Euro. Cabochons aus schwedischem Material kosteten bei einem anderen Anbieter 6 bis 38 US-Dollar je Stück. Für Steine unter fünf Karat und für Sammlerstücke über 20 Karat fanden wir keine belastbaren Listenpreise.
Wie weist man Petalit sicher nach?
Über die Kombination aus Brechungsindex und Dichte. Rund 1,504 bis 1,516 bei einer Dichte um 2,4 ist eine Wertepaarung, die unter den farblosen Steinen selten vorkommt: Quarz, Topas, Zirkon und Saphir liegen höher, Pollucit ist mit 1,508 bis 1,528 zwar ähnlich im Brechungsindex, mit 2,7 bis 3,0 aber deutlich schwerer und dazu kubisch, also isotrop. Petalit ist zweiachsig positiv mit 2V um 83 Grad. Als Vorprobe färbt Lithium die Flamme intensiv rot; Petalit ist außerdem thermolumineszent und leuchtet dabei bläulich.