Seraphinit ist ein Handelsname für eine radialstrahlig gewachsene Varietät des Minerals Klinochlor aus der Chlorit-Gruppe. Das dunkelgrüne Material mit den silbrigen Federmustern stammt aus einer einzigen sibirischen Eisenerzlagerstätte und wird wegen seiner geringen Härte ausschließlich als Cabochon verarbeitet.
Seraphinit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Schichtsilikate (Phyllosilikate), Chlorit-Gruppe; Strunz 9.EC.55 |
| Chemische Formel | Mg5Al(AlSi3O10)(OH)8, mit Fe²⁺ anstelle von Mg; Seraphinit ist eine Varietät des Klinochlors |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe C2/m; im Schmuckmaterial radialstrahlige bis federartige Aggregate |
| Mohs-Härte | 2 bis 2,5 (Handelsangaben bis 4 beziehen sich auf verwachsene härtere Begleitminerale) |
| Dichte | 2,60 bis 3,02 g/cm³, meist um 2,6 bis 2,8 |
| Brechungsindex | nα 1,571 bis 1,588, nβ 1,571 bis 1,589, nγ 1,576 bis 1,599; an Cabochons per Spotmethode etwa 1,57 bis 1,59 |
| Doppelbrechung | 0,005 bis 0,011; zweiachsig positiv |
| Glanz | Glas- bis Fettglanz, auf Spaltflächen Perlmuttglanz; poliertes Material wirkt wegen der geringen Härte oft matt bis seidig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, senkrecht zur c-Achse |
| Bruch | uneben bis splittrig, Blättchen biegsam, aber nicht elastisch |
| Transparenz | undurchsichtig; einzelne Blättchen durchscheinend |
| Farben | dunkelgrün, flaschengrün bis graugrün mit silbrigweißen Federn; Strich blassgrün bis weiß; Pleochroismus hellgelbgrün bis lichtblaugrün |
| Wichtigste Fundorte | Korshunovskoye-Eisenlagerstätte bei Zheleznogorsk-Ilimsky, Rajon Nischneilimsk, Oblast Irkutsk, Ostsibirien (einzige Quelle für Schmuckmaterial); Klinochlor allgemein weltweit über 2800 Fundstellen |
| Behandlungen | üblicherweise unbehandelt; gelegentlich mit Kunstharz stabilisiert oder auf einen Träger geklebt; Färbungen sind nicht gebräuchlich |
| Erstbeschreibung | Klinochlor 1851 durch William Phipps Blake, Typlokalität Brinton's Quarry, Chester County, Pennsylvania, USA; die Beschreibung des sibirischen Materials wird Nikolai Kokscharow (1818 bis 1892) zugeschrieben |
Ein Handelsname, kein eigenständiges Mineral
Seraphinit ist kein von der Internationalen Mineralogischen Vereinigung anerkanntes Mineral, sondern ein Handelsname. Dahinter steht Klinochlor, ein magnesiumreiches Schichtsilikat aus der Chlorit-Gruppe mit der Formel Mg5Al(AlSi3O10)(OH)8. Was den Seraphinit vom gewöhnlichen Klinochlor unterscheidet, ist ausschließlich die Textur: Die Chloritblättchen sind zu radialstrahligen, federförmigen Büscheln verwachsen, deren Spaltflächen das Licht silbrig zurückwerfen. Auf dem dunkelgrünen Grund entsteht so das Muster, das dem Stein seinen Namen gegeben hat, abgeleitet von den Seraphim, den geflügelten Wesen der biblischen Überlieferung. Mineralogisch ändert diese Textur nichts an Chemie, Kristallsystem oder Eigenschaften. Sie sollten Seraphinit deshalb bei jeder Bewertung als das lesen, was er ist: Klinochlor mit einer besonderen Wuchsform, einem Handelsnamen und allen Eigenschaften eines Chlorits, insbesondere der ausgesprochen geringen Härte von 2 bis 2,5.
Die silbrigen Federn und ihre optische Ursache
Das Federmuster entsteht nicht durch Einschlüsse fremder Minerale, sondern durch die Anordnung des Klinochlors selbst. Chlorit spaltet vollkommen nach der Basisfläche. Wachsen die Blättchen radial oder büschelig aus einem gemeinsamen Punkt, liegen unzählige dieser Spaltflächen nahezu parallel zueinander und reflektieren einfallendes Licht gleichzeitig. Das Ergebnis ist ein heller, seidiger Schiller, der beim Kippen des Steins über die Fläche wandert. Der Handel spricht hier von Chatoyance oder Katzenaugeneffekt. Streng gemmologisch ist das nicht ganz korrekt, denn ein echtes Katzenauge zeigt eine einzelne, scharfe Lichtlinie quer zur Faserrichtung; beim Seraphinit sehen Sie stattdessen mehrere getrennte Federn, die unabhängig voneinander aufleuchten. Der Effekt ist bei feuchter oder frisch polierter Oberfläche am deutlichsten und verliert an Brillanz, sobald die weiche Politur zerkratzt. Prüfen Sie einen Stein deshalb immer, indem Sie ihn im Licht kippen, und nicht nur an einem statischen Foto.
Eine einzige Lagerstätte in Ostsibirien
Klinochlor ist ein Allerweltsmineral mit weltweit über 2800 dokumentierten Fundstellen. Seraphinit in Schmuckqualität kommt dagegen aus einer einzigen Quelle: der Eisenerzlagerstätte Korshunovskoye bei Zheleznogorsk-Ilimsky im Rajon Nischneilimsk der Oblast Irkutsk. Es handelt sich um eine Skarnlagerstätte, in der Magnetit abgebaut wird; der Chlorit fällt als Begleitmineral an und wird nebenbei geborgen. Der Handel bewirbt das Material gern als „vom Baikalsee“, was geographisch ungenau ist: Zheleznogorsk-Ilimsky liegt mehrere hundert Kilometer nördlich des Sees im Einzugsgebiet des Ilim. Die bekannte Mineralienfundstelle Sljudjanka am Südufer des Baikal, berühmt für Phlogopit, Lasurit und ebenfalls für Chlorite, liefert kein Seraphinit-Schmuckmaterial. Weil die Gewinnung an den Eisenerzbergbau gekoppelt ist, schwankt das Angebot, auch wenn der Stein bislang durchgehend verfügbar geblieben ist. Preislich hat sich das bisher nicht ausgewirkt: Seraphinit bleibt eines der günstigsten Materialien mit einer einzigen Bezugsquelle.
Weich, spaltbar und deshalb nur als Cabochon
Mit einer Mohs-Härte von 2 bis 2,5 gehört Seraphinit zu den weichsten Materialien, die überhaupt zu Schmuck verarbeitet werden. Er lässt sich mit dem Fingernagel ritzen und liegt damit auf der Höhe von Gips. Dazu kommt die vollkommene Spaltbarkeit nach der Basisfläche, die bei jeder punktuellen Belastung zum Abblättern führen kann. Facettieren ist ausgeschlossen: Kanten und Facettenübergänge würden sich weder sauber schleifen noch im Tragen halten. Verarbeitet wird ausschließlich in gewölbten Formen, also als Cabochon, Freiform, Donut, Kugel, Trommelstein oder gebohrter Anhänger. Die Preise werden dementsprechend pro Stück gehandelt und nicht pro Karat. Für den Schmuck bedeutet das eine klare Einschränkung: Anhänger, Broschen und Ohrschmuck ja, Ringe und Armbänder nein. Wer diese Grenze akzeptiert, bekommt ein optisch außergewöhnliches Material zu sehr moderaten Preisen.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Seraphinit ist ein Materialstein, kein Edelstein im klassischen Sinn: weich, undurchsichtig, spaltbar und preiswert. Sein Wert liegt allein im Muster. Kaufen Sie ihn, wenn Sie einen ungewöhnlichen, kontrastreichen Cabochon für einen Anhänger oder eine Brosche suchen, und beurteilen Sie ihn nach Dichte und Schärfe der Federzeichnung sowie nach der Sauberkeit der Politur. Von Ringen und Armbändern raten wir ab. Achten Sie auf eine geschlossene Zargenfassung und behandeln Sie das Stück wie ein Stück Perlmutt, nicht wie einen Quarz.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Seraphinit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
