Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Serpentin Lexikon · Übersicht

Serpentin – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Serpentin

Serpentin ist keine einzelne Mineralart, sondern eine Gruppe von Schichtsilikaten mit gleicher Chemie und unterschiedlichem Bau: Antigorit, Lizardit und Chrysotil. Als Schmuckstein wird fast ausschließlich dichter Antigorit verarbeitet, der unter Handelsnamen wie Bowenit, Williamsit und „Neue Jade“ angeboten wird.

Serpentin – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Schichtsilikate (Phyllosilikate), Kaolinit-Serpentin-Gruppe; Serpentin-Untergruppe
Chemische FormelMg3Si2O5(OH)4, allgemein (Mg,Fe,Ni,Mn,Zn)3Si2O5(OH)4
KristallsystemAntigorit monoklin; Lizardit trigonal bis monoklin; Chrysotil monoklin und orthorhombisch (Klino-, Ortho- und Parachrysotil)
Mohs-Härte2,5 bis 6; Lizardit 2,5, Chrysotil 2,5 bis 3, Antigorit 3,5 bis 4, Williamsit etwa 4,5, Bowenit 5 bis 6
Dichte2,2 bis 2,9 g/cm³; Schmuckqualität meist 2,44 bis 2,77, Bowenit 2,58 bis 2,62
Brechungsindex1,532 bis 1,571; Antigorit 1,560 bis 1,561, Connemara-Marmor im Mittel 1,56
Doppelbrechung0,001 bis 0,014; an dichten Aggregaten nicht messbar
GlanzFett-, Wachs- oder Harzglanz, auf Spaltflächen Perlmuttglanz, bei fasrigen Varietäten Seidenglanz
Spaltbarkeitvollkommen nach {001}
Bruchmuschelig bis splittrig bei dichtem Material, fasrig bei Chrysotil
Transparenzdurchscheinend bis undurchsichtig; Williamsit und feiner Bowenit deutlich transluzent
Farbenalle Grüntöne von Apfelgrün über Olivgrün bis Schwarzgrün, daneben Gelb, Braun, Weiß und Grau; Strich weiß
Wichtigste FundorteValle Antigorio und Geisspfad (Italien/Schweiz), The Lizard in Cornwall (England), Xiuyan in Liaoning (China), Südinsel Neuseelands, Smithfield in Rhode Island und Lancaster County in Pennsylvania (USA), Connemara (Irland), Simbabwe, Afghanistan, Korea
Behandlungenhäufig gewachst oder mit Kunstharz imprägniert; Färbungen mit Anilinfarbstoffen zur Nachahmung von Jade sind verbreitet; Oberflächenbeschichtungen kommen vor
ErstbeschreibungAntigorit 1840 nach dem Valle Antigorio, Lizardit nach The Lizard in Cornwall; der Gruppenname stammt vom lateinischen serpentinus, schlangenartig; Bowenit 1850 von James Dwight Dana nach George T. Bowen benannt, der das Material 1822 analysiert hatte

Eine Gruppe, drei Minerale, sehr unterschiedliche Eigenschaften

Wenn im Handel von Serpentin die Rede ist, meint das nie ein einzelnes Mineral. Die Serpentin-Untergruppe umfasst vor allem Antigorit, Lizardit und Chrysotil. Alle drei haben praktisch dieselbe Zusammensetzung Mg3Si2O5(OH)4, unterscheiden sich aber im Aufbau der Silikatschichten und damit in Habitus und Eigenschaften. Lizardit ist das häufigste und mit einer Mohs-Härte von 2,5 das weichste Glied, Chrysotil bildet als einziges feine, biegsame Fasern und ist das Mineral, das als Weißasbest bekannt wurde. Antigorit ist mit 3,5 bis 4 das härteste und dichteste Glied, es entsteht bei höheren Drücken und bildet blättrige bis dichte Massen. Für den Schmuckstein zählt fast ausschließlich Antigorit, und zwar in seinen dichten, gleichmäßigen Ausbildungen. Das Gestein, das überwiegend aus diesen Mineralen besteht, heißt Serpentinit. Wenn Ihnen also nur „Serpentin“ angeboten wird, ist damit über die Härte noch nichts gesagt.

Bowenit und Williamsit: die beiden Schmuckvarietäten

Zwei Antigorit-Varietäten haben im Schmuck Bedeutung. Bowenit ist die härteste und zäheste Form mit einer Mohs-Härte von 5 bis 6 und einer Dichte von 2,58 bis 2,62 g/cm³. Er ist hell- bis dunkelgrün, häufig apfel- oder olivgrün, gut durchscheinend und wird seit Jahrhunderten geschnitzt. Benannt wurde er 1850 von James Dwight Dana nach George T. Bowen, der das Material aus Rhode Island 1822 analysiert hatte; heute ist Bowenit das Staatsmineral von Rhode Island. Williamsit ist die zweite Varietät: sehr durchscheinend, apfelgrün, mit eingeschlossenen schwarzen Chromit- und Magnetitkörnern, die seinen Sammlerwert sogar steigern. Er stammt aus den historischen Chromitgruben von Lancaster County in Pennsylvania und Cecil County in Maryland. Williamsit ist mit rund 4,5 weicher als Bowenit und wird gelegentlich sogar facettiert.

„Neue Jade“ und andere irreführende Handelsnamen

Serpentin ist der wichtigste Jade-Imitationsstein überhaupt, und das schlägt sich in den Handelsnamen nieder. „Neue Jade“ bezeichnet grünen Serpentin aus Xiuyan in der chinesischen Provinz Liaoning. Der Name beruht auf einem Übersetzungsfehler: Das chinesische Xiu-Yu, also Jade aus Xiuyan, wurde als Xin-Yu gelesen, was neue Jade bedeutet. Weitere Namen dieser Art sind China-Jade, Serpentin-Jade, Korea-Jade, Suzhou-Jade und Olivjade. Sie alle erwecken den Eindruck, es handele sich um Jadeit oder Nephrit, also um wesentlich härtere und teurere Materialien. Im Fachhandel gelten solche Zusammensetzungen aus einem Zusatz und dem Namen eines anderen Edelsteins als irreführend, und wir raten davon ab, sie zu verwenden. Deklarieren Sie stattdessen sauber als Serpentin oder Bowenit. Der Unterschied ist leicht nachweisbar: Jadeit hat eine Dichte von 3,2 bis 3,4, Nephrit 2,9 bis 3,1, Serpentin nur 2,4 bis 2,8.

Die Asbestfrage und was sie für Schmuck bedeutet

Chrysotil ist die einzige asbestiforme Serpentinart und machte über Jahrzehnte rund 95 Prozent des weltweit verwendeten Asbests aus. Antigorit und Lizardit sind nicht asbestiform, bilden also keine lungengängigen Fasern. Schmuck- und Schnitzserpentin ist praktisch immer dichter Antigorit oder Lizardit; Chrysotil kann als feine Ader darin vorkommen, ist aber im fertigen Stück fest eingebunden. Vom Tragen eines polierten Serpentins geht deshalb keine Gefahr aus; die gesundheitliche Gefährdung durch Asbest entsteht ausschließlich durch das Einatmen freigesetzter Fasern. Relevant ist das für die Werkstatt: Serpentin darf niemals trocken geschliffen, gesägt oder gebohrt werden. Arbeiten Sie durchgehend nass und mit Absaugung. In Deutschland ist die Verwendung von Asbest seit 1993 verboten, EU-weit seit 2005; für den Umgang mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen gilt die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 517.

Alle Themen im Überblick

Kurz gefasst

Serpentin ist ein preiswertes, gut zu bearbeitendes Material, dessen Reiz in der Farbe und in der Schnitzbarkeit liegt, nicht in Seltenheit. Kaufen Sie ihn als das, was er ist, und lassen Sie sich nicht über Handelsnamen mit dem Wort Jade in eine höhere Preisklasse locken. Für Anhänger, Broschen, Perlenketten und Schnitzarbeiten empfehlen wir dichten Bowenit, der mit Härte 5 bis 6 deutlich alltagstauglicher ist als gewöhnlicher Serpentin. Prüfen Sie die Dichte, fragen Sie nach Färbung und Harzimprägnierung und schleifen Sie grundsätzlich nass.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Serpentin stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Serpentin dasselbe wie Serpentinit?
Nein. Serpentin bezeichnet die Mineralgruppe aus Antigorit, Lizardit und Chrysotil. Serpentinit ist das Gestein, das überwiegend aus diesen Mineralen besteht. Im Handel werden beide Begriffe oft vermischt; als Schmuck- und Skulpturmaterial verarbeiten Sie in aller Regel Serpentinit.
Ist Serpentinschmuck gesundheitlich bedenklich?
Nein. Nur Chrysotil bildet asbestiforme Fasern, und im polierten Stein sind diese fest gebunden. Ein Risiko besteht ausschließlich beim Einatmen von Staub. Deshalb dürfen Serpentin und Serpentinit niemals trocken geschliffen, gesägt oder gebohrt werden.
Warum heißt Serpentin so?
Der Name kommt vom lateinischen serpentinus, schlangenartig. Er verweist auf die grüne Farbe und auf die netz- und maschenartige Zeichnung vieler Serpentinite, die an eine Schlangenhaut erinnert. Genau diese Maschenstruktur ist auch ein gutes Unterscheidungsmerkmal gegenüber Nephrit.
Was kostet Serpentin?
Sehr wenig. Cabochons werden nach Handelsangaben mit etwa 0,20 bis 2,74 US-Dollar pro Karat gehandelt, Perlen mit 0,07 bis 0,26 US-Dollar pro Karat und Rohmaterial mit 0,41 bis 0,89 US-Dollar pro Karat. Wert entsteht bei Serpentin über die handwerkliche Arbeit, nicht über das Material.