Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Skolezit Lexikon · Übersicht

Skolezit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Skolezit

Skolezit ist ein Zeolith aus den Basaltmandeln des indischen Deccan-Trapps: farblose bis weiße Nadelbüschel mit einer Härte von 5 bis 5,5. Sein Name stammt von einem Experiment — unter der Lötrohrflamme krümmt sich die Nadel wie ein Wurm, weil das Kristallwasser entweicht. Genau das macht ihn leicht bestimmbar und jede Hitze im Werkstattalltag zum Tabu.

Skolezit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate und Germanate; Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem Wasser, Zeolithgruppe, Natrolith-Untergruppe (Faserzeolithe, Strukturtyp NAT)
Chemische FormelCa[Al2Si3O10] · 3 H2O
Kristallsystemmonoklin, Raumgruppe Cc (Nr. 9); durch Zwillingsbildung häufig pseudotetragonal bis pseudorhombisch wirkend
Mohs-Härte5 bis 5,5
Dichte2,2 bis 2,3 g/cm³ (Literaturspanne insgesamt 2,16 bis 2,40)
Brechungsindexnα 1,507–1,513; nβ 1,516–1,520; nγ 1,517–1,521 (gemmologische Tabellen: 1,507–1,523)
Doppelbrechungetwa 0,007; optisch zweiachsig negativ, 2V 36 bis 56 Grad, kein Pleochroismus
GlanzGlasglanz auf unverletzten Flächen, Seidenglanz bei feinnadeligen Aggregaten
Spaltbarkeitvollkommen in zwei Richtungen nach {110}, parallel zur Kristalllänge
Bruchuneben bis muschelig, spröde
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend
Farbenfarblos und weiß; als Varianten rosa, lachsfarben, rot, grün, gelb, violett — durch Beimengungen. Strichfarbe weiß
Wichtigste FundorteNasik und Pune (Maharashtra, Deccan-Trapp, Indien); Kolar (Indien); Teigarhorn am Berufjörður (Island); Färöer (v. a. Bohrung Lopra-1/1A); Santa Catarina (Brasilien); Isle of Skye (Schottland); Riverside County, Kalifornien (USA); Graubünden (Schweiz); Kärnten (Österreich)
Behandlungenkeine üblichen Behandlungen bekannt; Händler geben für facettierte Ware regelmäßig „keine Behandlung“ an. Jede Wärmebehandlung würde das zeolithische Wasser austreiben und den Stein zerstören
Erstbeschreibung1813 durch Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs; als Typlokalität wird üblicherweise das Gebiet um den Berufjörður in Ostisland genannt, die Zuordnung gilt jedoch als nicht verbürgt — andere Quellen nennen den Kaiserstuhl in Baden-Württemberg

Der Wurm in der Flamme: ein Name als Gebrauchsanweisung

Den Namen erhielt das Mineral 1813 von Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs. Sie griffen zum griechischen skolex, dem Wurm, weil sich eine Skolezitnadel vor dem Lötrohr aufbläht und dabei wurmartig krümmt. Das ist keine Anekdote, sondern Kristallchemie: Skolezit ist ein Zeolith und trägt drei Moleküle Wasser je Formeleinheit in den Kanälen seines Gerüsts. Erhitzen Sie das Material, entweicht dieses zeolithische Wasser, die Nadel verzieht sich, und die polierte Fläche ist dahin. Für Sie als Käufer oder Goldschmied steht damit schon im Namen, was der Stein nicht verträgt. Die klassische Lötrohrprobe bleibt ein eindeutiger Bestimmungstest — aber sie zerstört das Prüfstück und hat an einem geschliffenen Cabochon nichts zu suchen. Jede Arbeitsanweisung zu Skolezit läuft deshalb auf denselben Satz hinaus: kalt arbeiten, kalt reinigen, kalt fassen. Wer diesen einen Zusammenhang verstanden hat, versteht den ganzen Stein.

Chemie, Gitter und die Kennwerte, auf die es ankommt

Skolezit trägt die Formel Ca[Al2Si3O10] · 3 H2O und gehört damit zu den Gerüstsilikaten mit zeolithischem Wasser, innerhalb der Zeolithgruppe zur Natrolith-Untergruppe, den Faserzeolithen. Er kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc, wirkt durch Zwillingsbildung nach {100} aber häufig pseudotetragonal bis pseudorhombisch — ein Grund, warum die Bestimmung am Habitus allein unsicher bleibt. Die Mohshärte liegt bei 5 bis 5,5, die Dichte nach Literaturangaben zwischen 2,16 und 2,40, bei Handelsmaterial meist bei 2,2 bis 2,3. Die Brechungsindizes liegen eng beieinander: nα 1,507 bis 1,513, nβ 1,516 bis 1,520, nγ 1,517 bis 1,521. Daraus folgt eine Doppelbrechung um 0,007. Skolezit ist optisch zweiachsig negativ mit einem 2V von 36 bis 56 Grad und zeigt keinen Pleochroismus. Die Spaltbarkeit ist in zwei Richtungen vollkommen, der Bruch uneben bis muschelig, das Material ausgesprochen spröde. Zusätzlich ist Skolezit pyroelektrisch und piezoelektrisch.

Nadelbüschel aus dem Deccan-Basalt

Skolezit ist ein Sekundärmineral. Er wächst in den Blasenhohlräumen und Klüften veränderter Basalte, wenn niedrig temperierte, wasserreiche Lösungen das bereits erstarrte Gestein durchsetzen — bei Temperaturen, die für Zeolithe in der Regel unter etwa 400 Grad Celsius bleiben. Die Kristalle erscheinen als lange, dünne, prismatische bis nadelige Individuen, gern in radialstrahligen Büscheln und faserigen Massen, oft mit schrägen Endflächen und V-förmigen Zwillingsspitzen. Begleitet wird er von Apophyllit, Stilbit, Heulandit, Mesolith, Prehnit, Calcit und Quarz. Die spektakulärsten Stufen liefern die Steinbrüche des Deccan-Trapps in Maharashtra, vor allem die Regionen Nasik und Pune, wo große, gut ausgebildete farblose Büschel auf grünem Apophyllit sitzen. Weitere Vorkommen liegen auf Island, den Färöern, in Brasilien, Schottland und Kalifornien, dazu alpine Klüfte in der Schweiz und in Österreich. Für den Markt heißt das jedoch: Sie kaufen Skolezit fast immer als indische Ware.

Zwei Märkte: billige Stufe, teurer Schliff

Skolezit ist ein Zwitter — mineralogisch häufig, gemmologisch eine Rarität. Als Stufe ist er preiswert und leicht zu bekommen: Eine 430 Gramm schwere indische Stufe mit radialstrahliger Struktur wird im deutschen Handel für rund 22 Euro angeboten, eine handgeschliffene Kugel von 54 Millimetern Durchmesser und 181 Gramm für etwa 47 Euro. Als facettierter Stein dagegen ist er außergewöhnlich selten. Der Handel ruft für facettierte Ware Größenordnungen um 200 US-Dollar je Karat auf, und ein britischer Spezialhändler verlangt für einen farblosen Smaragdschliff von 0,31 Karat aus Maharashtra 50 Pfund — gut 160 Pfund je Karat. Der Grund liegt nicht am Rohmaterial, sondern an Sprödigkeit und vollkommener Spaltbarkeit. Rechnen Sie also mit zwei getrennten Märkten: dem Stufenmarkt mit Mengenware und dem Sammlermarkt für geschliffene Einzelstücke, auf dem Skolezit ein ausgesprochener Liebhaberstein bleibt.

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Kurz gefasst

Skolezit ist der Stein für Käufer, die etwas Ungewöhnliches suchen und bereit sind, dafür Rücksicht zu nehmen. Als indische Sammlerstufe ab etwa 22 Euro ist er eines der preiswertesten Zeolithvergnügen überhaupt und in dieser Form uneingeschränkt zu empfehlen. Als Schmuckstein raten wir zum weißen Cabochon in geschlossener Zargenfassung für Anhänger oder Ohrschmuck — nicht zum Ring. Facettierte Skolezite sind Sammlerware; wer einen kauft, zahlt für die Seltenheit, nicht für die Brillanz. In jedem Fall gilt: kalt arbeiten, kalt reinigen, von Säuren fernhalten.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Skolezit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Warum trägt Skolezit den Namen „Wurmstein“?
Der Name stammt vom griechischen skolex, dem Wurm, und wurde 1813 von Gehlen und Fuchs vergeben. Erhitzen Sie eine Skolezitnadel vor dem Lötrohr, bläht sie sich auf und krümmt sich wurmartig, weil das zeolithische Kristallwasser entweicht. Der Name beschreibt also ein Experiment, nicht das Aussehen des Minerals.
Kann ich Skolezit als Ringstein tragen?
Besser nicht. Mit einer Härte von 5 bis 5,5, vollkommener Spaltbarkeit in zwei Richtungen und sprödem Bruch ist Skolezit für die Beanspruchung an der Hand zu empfindlich. Anhänger, Broschen und Ohrschmuck in geschlossener Zargenfassung sind die sinnvollen Anwendungen. Ein Ring bliebe ein Schaustück für seltene Anlässe.
Wie unterscheide ich Skolezit von Natrolith und Mesolith?
Am Aussehen kaum, an der Optik zuverlässig. Skolezit ist zweiachsig negativ mit Brechungsindizes um 1,507 bis 1,523 und einer Doppelbrechung von 0,007. Natrolith ist zweiachsig positiv bei 1,473 bis 1,495 mit 0,012, Mesolith zweiachsig positiv bei 1,504 bis 1,508 mit nur 0,001. Die Dichten überlappen und helfen nicht weiter.
Was kostet Skolezit?
Das hängt vollständig von der Form ab. Eine indische Sammlerstufe von 430 Gramm kostet im deutschen Handel rund 22 Euro, eine polierte Kugel von 54 Millimetern etwa 47 Euro. Cabochons liegen im Großhandel bei 0,15 bis 4 US-Dollar je Karat. Facettierte Steine dagegen erreichen Größenordnungen um 200 US-Dollar je Karat.