Sphalerit, im deutschen Bergbau seit Jahrhunderten Zinkblende genannt, besitzt mit 0,156 die höchste Dispersion aller gängigen Schleifsteine, mehr als das Dreifache von Diamant. Mit Mohs 3,5 bis 4 und vollkommener Spaltbarkeit nach dem Rhombendodekaeder bleibt er jedoch ein reiner Sammlerschliffstein, den man nicht am Finger trägt.
Sphalerit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Sulfide, Zinksulfid (Sphalerit-Gruppe) |
| Chemische Formel | (Zn,Fe)S, reiner Endgliedwert ZnS, Eisengehalt bis etwa 25 Gewichtsprozent |
| Kristallsystem | kubisch, hexakistetraedrisch, Raumgruppe F-43m |
| Mohs-Härte | 3,5 bis 4 |
| Dichte | 3,90 bis 4,10 g/cm³, eisenreiche Varianten bis 4,2 |
| Brechungsindex | 2,37 bei reinem ZnS bis 2,50 bei hohem Eisengehalt, spanisches Material um 2,40; liegt über dem Messbereich üblicher Refraktometer |
| Doppelbrechung | keine, optisch isotrop; Dispersion 0,156 |
| Glanz | Diamantglanz bis Harz- und Fettglanz, bei eisenreichem Material halbmetallisch |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhombendodekaeder {011}, in sechs Richtungen |
| Bruch | muschelig bis uneben, sehr spröde |
| Transparenz | durchsichtig bei eisenarmem Material bis undurchsichtig bei eisenreichem |
| Farben | farblos, hellgrün, gelb, honiggelb, orange, rotorange, rotbraun, grün, braun, schwarz |
| Wichtigste Fundorte | Áliva-Mine (Las Manforas) in Camaleño, Picos de Europa, Kantabrien (Spanien); Elmwood-Mine bei Carthage, Smith County, Tennessee (USA); Madan und Rhodopen (Bulgarien); Huanggang, Innere Mongolei (China); Balmat, New York (USA); Cananea, Sonora (Mexiko); Kipushi (DR Kongo); Franklin, New Jersey (USA) |
| Behandlungen | keine bekannten Behandlungen; Sphalerit wird weder erhitzt noch bestrahlt noch gefärbt |
| Erstbeschreibung | Name 1847 durch Ernst Friedrich Glocker, von griechisch sphaleros für trügerisch; als Blende und Zinkblende bereits seit dem mittelalterlichen Bergbau bekannt |
Die höchste Dispersion unter den Schleifsteinen
Sphalerit zerlegt weißes Licht stärker in Spektralfarben als jeder andere gängige Edelstein. Seine Dispersion beträgt 0,156, während Diamant bei 0,044 liegt; das ist mehr als das Dreifache. In der Praxis bedeutet das ein Farbenspiel, das bei einem gut geschliffenen Stein regelrecht überzeichnet wirkt: Rote, grüne und blaue Blitze springen bei jeder Bewegung über die Facetten. Unterstützt wird der Effekt von einem sehr hohen Brechungsindex zwischen 2,37 und 2,50, der nahe an den Wert von Diamant heranreicht und über dem Messbereich üblicher gemmologischer Refraktometer liegt. Der Stein ist optisch isotrop, zeigt also keine Doppelbrechung und keinen Pleochroismus. Was auf dem Papier nach einem idealen Schmuckstein klingt, scheitert an zwei Eigenschaften: Mit Mohs 3,5 bis 4 ist Sphalerit weicher als Fluorit-nahe Ware und lässt sich schon mit einer Kupfermünze ritzen, und er spaltet vollkommen in sechs Richtungen.
Warum die Spaltbarkeit alles entscheidet
Sphalerit kristallisiert kubisch und besitzt eine vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhombendodekaeder {011}. Das sind sechs gleichwertige Spaltrichtungen, die den ganzen Kristall durchziehen. Kein anderer gängiger Schleifstein hat eine derart ungünstige Kombination: Wo Topas mit einer einzigen Spaltebene auskommt und ein erfahrener Schleifer sie umgehen kann, gibt es beim Sphalerit keine Orientierung, die spaltungsfrei wäre. Jeder Schlag, jeder Druck beim Fassen und jede unachtsame Bewegung an der Poliermaschine kann eine Spaltfläche auslösen, die den Stein in zwei Teile zerlegt. Hinzu kommt die geringe Härte von 3,5 bis 4. Quarzstaub liegt bei Mohs 7 und mattiert die Oberfläche eines Sphalerits innerhalb weniger Wochen des täglichen Tragens. Aus beidem folgt eine klare Empfehlung: Sphalerit gehört in die Sammelschatulle, in einen Anhänger für besondere Anlässe oder in eine Vitrine, nicht in einen Ring für den Alltag.
Spanien liefert die besten Steine, und das seit 1989 nicht mehr
Die beste facettierbare Ware kam aus der Áliva-Mine, auch Las Manforas genannt, in Camaleño in den Picos de Europa in der spanischen Region Kantabrien. Das dortige Material war transparent, von honig- bis karamellbrauner bis rotoranger Farbe und in Größen verfügbar, die anderswo nicht vorkommen. Der Abbau wurde 1989 eingestellt, das Gebiet gehört heute zu einem Nationalpark, und neues Material ist nicht zu erwarten. Alles, was Ihnen heute an spanischem Sphalerit angeboten wird, stammt aus Lagerbeständen, die vor Jahrzehnten gehoben wurden. Trotz Vorkommen in vielen Ländern gilt das spanische Material qualitativ weiterhin als unerreicht. Ergänzt wird das Angebot durch grüne und braune Steine aus den bulgarischen Rhodopen, gelbe Ware aus der Inneren Mongolei in China sowie aus Balmat im Bundesstaat New York. Die Elmwood-Mine in Tennessee ist vor allem für prachtvolle Stufen bekannt, weniger für Schleifware.
Was Sphalerit kostet
Sphalerit ist erstaunlich erschwinglich, gemessen an seiner optischen Wirkung. Der Fachhandel in Deutschland bietet facettierte spanische Steine aus den Picos de Europa recht gleichmäßig bei etwa 25 Euro je Karat an: 1,77 Karat für 45 Euro, 2,18 Karat für 54,50 Euro, 5,53 Karat für 138 Euro und 8,81 Karat für 220 Euro sind dokumentierte Angebote. Der internationale Großhandel bewertet nach Farbe und Herkunft. Eine Marktübersicht aus dem Jahr 2024 nennt für augenreine Fünfkaräter in Spitzenfarbe folgende Werte: spanisches Rotorange 60 US-Dollar je Karat, bulgarisches Braun 30 US-Dollar, gelbe Ware aus China 100 US-Dollar, gelbe Steine aus New York 175 US-Dollar und bulgarisches Grün 200 US-Dollar je Karat. Grün ist damit die teuerste Farbe, nicht das bekanntere Rotorange. Museumssteine wie der 163,4-karätige Stern von Asturien in Lausanne stehen außerhalb jeder Preisliste.
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Kurz gefasst
Sphalerit ist ein Stein für Sammler und für Käufer, die ein optisches Extrem besitzen wollen. Sein Feuer übertrifft jeden anderen Schleifstein, doch Mohs 3,5 bis 4 und die vollkommene Spaltbarkeit in sechs Richtungen schließen Ringe und Armbänder aus. Kaufen Sie bevorzugt spanisches Material aus den Picos de Europa in Größen ab drei Karat und in einem Schliff mit vielen kleinen Facetten, der das Feuer ausspielt. Bei etwa 25 Euro je Karat im deutschen Handel ist das ein überschaubarer Einsatz für einen außergewöhnlichen Stein.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Sphalerit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
