Der Turmalin hat eine der buntesten Geschichten der Edelsteinwelt – buchstäblich. Jahrhundertelang wurden seine verschiedenen Farben als völlig unterschiedliche Edelsteine gehandelt. Erst die moderne Gemmologie erkannte: Es ist immer derselbe Stein.
Turmalin Geschichte: Der Name – ein Missverständnis wird Legende
Der Name Turmalin kommt vom singhalesischen turamali oder thoramalli – eine Bezeichnung für gemischte Edelsteine auf Ceylon (Sri Lanka), die die niederländische Ostindien-Kompanie im frühen 18. Jahrhundert nach Europa brachte. Die ceylonischen Händler nannten sie „Regenbogensteine" oder „Asche-Anziehende" – letzteres wegen der pyroelektrischen Eigenschaft: Erhitzter Turmalin zieht Asche und kleine Partikel an, als wäre er geladen.
Turmalin Geschichte: Jahrhunderte der Verwechslungen
Lange bevor Turmalin als eigenständige Mineralgruppe erkannt wurde, wurden seine Varietäten als andere Edelsteine gehandelt:
- Rubelit galt als Rubin – bis ins 19. Jahrhundert
- Indigolit wurde als Saphir verkauft
- Chromturmalin wurde für Smaragd gehalten
- Ein berühmter „Rubin" in der russischen Zarenkrone – der Cäsar-Rubin – ist nach heutiger gemmologischer Analyse ein Rubelit
Erst 1703 erkannte der niederländische Naturwissenschaftler der Begriff Turmalin für eine eigenständige Mineralgruppe eingeführt. Die vollständige gemmologische Charakterisierung erfolgte im 19. Jahrhundert.
Turmalin im Zarenschmuck
Turmaline, insbesondere Rubellite, waren im russischen Hof des 18. und 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Katharina die Große besaß bedeutende Turmalin-Stücke; die russischen Uralvorkommen lieferten rote und rosa Turmaline in Mengen. Der Turmalin wurde zum inoffiziellen Lieblingstein des russischen Adels.
Die Entdeckung des Paraiba – 1987
Die bedeutendste Turmalin-Entdeckung der Geschichte: Im Jahr 1987 fand der brasilianische Bergmann Heitor Dimas Barbosa nach jahrelanger Suche in einem Hügel im Bundesstaat Paraíba eine neue Art von Turmalin – leuchtend neonblau, von einer Intensität, die zuvor kein Edelstein gezeigt hatte. Der Grund: Kupfer als Farbgeber, ein Element, das in keinem anderen Turmalin in dieser Konzentration vorkommt. Der Paraiba Turmalin war geboren – und wurde innerhalb weniger Jahre zum teuersten Turmalin, der teils mehr kostet als Rubin oder Saphir.
Turmalin Bedeutung und Symbolik
- Schutz und Erdung: Schörl gilt in vielen Kulturen als der stärkste Schutzstein
- Kreativität und Inspiration: Mehrfarbige Turmaline gelten als Steine der Kreativität und Vielfalt
- Liebe und Mitgefühl: Rubelit und Pink-Turmalin dem Herzchakra zugeordnet
- Kommunikation: Blauer Indigolit dem Halschakra zugeordnet – Stein der Ausdruckskraft
- Geburtsstein Oktober: Mit Opal der traditionelle Oktoberstein
Fazit: Turmalin Geschichte – Regenbogen, Rubine und Revolution
Vom ceylonischen Regenbogenstein über Zarenkronen und verwechselte Rubine bis zur Paraiba-Revolution von 1987: Turmalin hat die Edelsteinwelt immer wieder überrascht. Und wird es weiter tun – denn neue Fundorte und neue Varietäten werden noch entdeckt werden.