25 Edelsteine, deren Geschichte überliefert ist — Kronjuwelen, Museumsstücke und Rekordsteine. Wo die Legende von der Quellenlage abweicht, steht es dabei.
Cullinan
Der größte je gefundene Rohdiamant
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 3.106 Karat roh |
| Heute | London, Tower und Royal Collection |
Am 26. Januar 1905 stieß ein Aufseher der Premier-Mine bei Pretoria auf einen Kristall, den er zunächst für ein Stück Glas hielt. Mit 3.106 Karat war er mehr als dreimal so schwer wie alles zuvor Gefundene. Die Regierung des Transvaal schenkte ihn 1907 König Eduard VII. Der Amsterdamer Schleifer Joseph Asscher spaltete ihn 1908; die Zerlegung ergab 105 Steine. Der größte, Cullinan I oder „Great Star of Africa", wiegt 530,2 Karat und sitzt im Zepter des britischen Souveräns, Cullinan II mit 317,4 Karat in der Imperial State Crown.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Koh-i-Noor
Berg des Lichts
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 105,6 Karat |
| Heute | London, Krone der Königinmutter |
Kein Stein hat mehr Besitzer gewechselt, und keiner ist politisch umstrittener. Aus den Kollur-Minen im heutigen Andhra Pradesh gelangte er über die Moguln zu Nader Schah, weiter nach Afghanistan und in den Punjab, bis ihn die Ostindien-Kompanie 1849 nach der Annexion an Königin Victoria übergab. Auf Betreiben von Prinz Albert wurde er 1852 in London neu geschliffen — das Gewicht sank von 186 alten Karat auf 105,6 moderne. Indien, Pakistan, Iran und Afghanistan haben Rückgabeforderungen gestellt. Bei der Krönung Charles’ III. 2023 wurde der Stein nicht gezeigt.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Orlow
Halbes Hühnerei im Zepter
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 189,62 Karat |
| Heute | Moskau, Diamantenfonds des Kreml |
Ein indischer Rosenschliff von der Form eines halbierten Hühnereis, mit schwachem blaugrünlichem Stich. Graf Grigori Orlow erwarb ihn 1774 und schenkte ihn Katharina der Großen, die ihn in das Zepter der Zaren setzen ließ. Viele Gemmologen halten ihn für den verschollenen Großmoguldiamanten. Die Kreml-Angabe von 189,62 Karat stammt aus einer Vermessung, nicht aus einer Neuwägung — seit dem Einsetzen wurde er nicht mehr aus der Fassung genommen.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Regent
Der reinste der historischen Diamanten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 140,64 Karat |
| Heute | Paris, Louvre |
1698 in Indien gefunden, 1717 vom Regenten Philipp von Orléans für die französische Krone erworben. Der Kissenschliff gilt bis heute als einer der technisch besten des 18. Jahrhunderts. Napoleon ließ ihn in den Knauf seines Krönungsschwerts setzen. Nach dem Raub der Kronjuwelen 1792 tauchte er wieder auf — versteckt in einem Dachbalken.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Sancy
Der Stein mit zwei Spitzen
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 55,23 Karat |
| Heute | Paris, Louvre |
Ein blassgelber Tropfen, beidseitig facettiert und ohne Rondiste — eine Schliffform, die es so kein zweites Mal gibt. Er gehörte Karl dem Kühnen, den Königen von Frankreich und England, wurde zur Kriegsfinanzierung verpfändet und mehrfach gestohlen. 1906 kaufte ihn William Waldorf Astor als Hochzeitsgeschenk, 1978 erwarb ihn der französische Staat.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Black Prince’s Ruby
Kein Rubin, sondern ein Spinell
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | rund 170 Karat |
| Heute | London, Imperial State Crown |
Der große rote Stein über dem Cullinan II in der britischen Staatskrone ist kein Rubin. Er ist ein roter Spinell, unregelmäßig geformt, kaum geschliffen und mit einer alten Durchbohrung, die heute von einem kleinen Rubin verschlossen wird. Pedro der Grausame von Kastilien gab ihn 1367 an Edward, den Schwarzen Prinzen. Erst als sich in den 1780er Jahren Verfahren zur Unterscheidung entwickelten, ließ sich der Irrtum klären. Bis dahin galt jeder große rote Stein als Rubin.
Im LexikonSpinell im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Timur-Rubin
Der zweite große Spinell der Krone
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 352,5 Karat (Angaben schwanken bis 361) |
| Heute | London, Royal Collection |
Ein polierter, ungeschliffener roter Spinell, in den die Namen von fünf Vorbesitzern eingraviert sind — darunter die Mogulkaiser Jahangir und Shah Jahan sowie Nader Schah. Die Zuschreibung an Timur ist historisch nicht belegt und stammt vermutlich erst aus dem 19. Jahrhundert. 1851 wurde der Stein auf der Weltausstellung in London untersucht und als Spinell erkannt; 1853 fasste ihn Garrard für Königin Victoria in eine Kette. Getragen wurde sie nie. Die Gewichtsangaben der Quellen gehen auseinander.
Im LexikonSpinell im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Spinell in der Zarenkrone
398,72 Karat über Katharinas Haupt
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 398,72 Karat |
| Heute | Moskau, Diamantenfonds |
Die Große Kaiserkrone von 1762 trägt an ihrer Spitze einen roten Spinell, der als zweitgrößter bekannter seiner Art gilt. Auch er wurde jahrhundertelang für einen Rubin gehalten. Die Krone selbst zählt fast fünftausend Diamanten. Dass die drei bedeutendsten Herrschaftszeichen Europas — die britische Staatskrone, die britische Halskette und die russische Kaiserkrone — ihre roten Hauptsteine sämtlich der Spinellfamilie verdanken, ist einer der schönsten Irrtümer der Edelsteingeschichte.
Im LexikonSpinell im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Hope-Diamant
Tiefblau, mit rotem Nachleuchten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 45,52 Karat |
| Heute | Washington, Smithsonian Institution |
Der bekannteste blaue Diamant der Welt stammt aus dem indischen Golconda-Gebiet und war ursprünglich Teil des größeren „French Blue" Ludwigs XIV., der 1792 gestohlen wurde. Seine Farbe verdankt er Bor im Kristallgitter. Nach Bestrahlung mit ultraviolettem Licht leuchtet er mehrere Sekunden lang rot nach — eine Phosphoreszenz, die als Erkennungsmerkmal dient. Harry Winston schenkte ihn 1958 dem Smithsonian und schickte ihn per Einschreiben mit der Post.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Dresden Green
Der größte natürliche grüne Diamant
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 41 Karat |
| Heute | Dresden, Grünes Gewölbe |
Seine Farbe entstand durch natürliche Strahlung im Erdinneren — und zwar, anders als bei fast allen grünen Diamanten, nicht nur an der Oberfläche, sondern durchgehend. Friedrich August II. erwarb ihn 1741 auf der Leipziger Messe. Seit 1768 sitzt er in einer Hutagraffe. Beim Einbruch ins Grüne Gewölbe im November 2019 war er nicht im Haus: Er war zu dieser Zeit an das Metropolitan Museum in New York ausgeliehen.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Daria-i-Noor
Meer des Lichts
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | rund 182 Karat |
| Heute | Teheran, iranische Kronjuwelen |
Der größte bekannte rosafarbene Diamant, tafelig geschliffen und mit einer Inschrift versehen. Er stammt wie der Koh-i-Noor aus den Kollur-Minen und gelangte mit Nader Schahs Beutezug von 1739 nach Persien. Untersuchungen der 1960er Jahre legen nahe, dass er und der Nur-ul-Ain aus demselben, größeren Kristall stammen.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Stern von Indien
Der größte bekannte Sternsaphir
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 563,35 Karat |
| Heute | New York, American Museum of Natural History |
Ein milchig blauer Cabochon aus Sri Lanka, der auf beiden Seiten einen sechsstrahligen Stern zeigt — beidseitiger Asterismus ist außergewöhnlich selten. Er entsteht durch Rutilnadeln, die in drei Richtungen parallel zur Kristallachse liegen; dieselben Einschlüsse nehmen dem Stein die Transparenz. 1964 wurde er zusammen mit dem DeLong-Sternrubin gestohlen und kurz darauf aus einem Schließfach in Miami zurückgeholt.
Im LexikonSaphir im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Logan-Saphir
Der größte gefasste blaue Saphir
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 422,99 Karat |
| Heute | Washington, Smithsonian Institution |
Ein kissenförmig geschliffener Saphir aus Sri Lanka, gefasst als Brosche mit zwanzig Brillanten. Er ist so groß wie ein Hühnerei und dennoch transparent — bei dieser Größenordnung die eigentliche Seltenheit. Rebecca Guggenheim Logan schenkte ihn 1960 dem Museum.
Im LexikonSaphir im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Rockefeller-Smaragd
Der Maßstab für kolumbianisches Grün
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 18,04 Karat |
| Heute | Privatbesitz |
John D. Rockefeller junior ließ ihn 1930 aus einer indischen Brosche lösen und für seine Frau zu einer Brosche neu fassen; später wurde daraus ein Ring. Kolumbianischer Ursprung, für einen Smaragd außergewöhnlich rein und ohne die sonst übliche starke Ölung. Er gilt als Referenzstein, an dem sich die Farbbewertung anderer Smaragde orientiert.
Im LexikonSmaragd im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
DeLong-Sternrubin
Gestohlen und freigekauft
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 100,32 Karat |
| Heute | New York, American Museum of Natural History |
Ein burmesischer Sternrubin von ungewöhnlich gleichmäßigem Stern. 1964 verschwand er beim selben Einbruch wie der Stern von Indien. Anders als dieser tauchte er erst nach einer Lösegeldzahlung wieder auf — übergeben in einer Telefonzelle in Florida.
Im LexikonRubin im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Bismarck-Saphir
Ceylon-Blau aus einer Hochzeitsreise
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 98,6 Karat |
| Heute | Washington, Smithsonian Institution |
Mona von Bismarck erwarb den Stein auf Sri Lanka und ließ ihn von Cartier in eine Halskette fassen. Die Farbe entspricht dem, was der Handel als Ceylon-Blau bezeichnet: ein helleres, lebhaftes Blau, das im Kunstlicht nicht abstumpft.
Im LexikonSaphir im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Großer Mogul
Der Maßstab, den niemand mehr gesehen hat
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | ehemals rund 280 Karat |
| Heute | verschollen seit 1747 |
Der französische Juwelier Jean-Baptiste Tavernier sah ihn 1665 am Hof Aurangzebs und beschrieb ihn als rosenförmig geschliffen. Nach der Ermordung Nader Schahs 1747 verliert sich die Spur. Ob der Orlow derselbe Stein ist, ist seit über zweihundert Jahren ungeklärt — die überlieferten Maße passen, die Beschreibung des Schliffs nur teilweise.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Bahia-Smaragd
Eine Tonne Streit
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | rund 180.000 Karat |
| Heute | Los Angeles, behördliche Verwahrung |
Ein Block aus Schiefer mit eingewachsenen Smaragdkristallen, 2001 in Bahia gefunden und rund 380 Kilogramm schwer. Er überstand einen Hurrikan in einem New Orleanser Tresor, wurde gestohlen, wieder aufgefunden und ist seit Jahren Gegenstand konkurrierender Eigentumsklagen. Gemmologisch ist er weniger bedeutend als medial — die Kristallqualität ist überwiegend gering.
Im LexikonSmaragd im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Florentiner
Gelb, neunfach facettiert, spurlos
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | ehemals 137,27 Karat |
| Heute | verschollen seit 1918 |
Ein blassgelber Diamant im seltenen neunstrahligen Doppelrosenschliff, jahrhundertelang im Besitz der Habsburger. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 ging die Familie ins Exil, und der Stein verschwand. Ob er neu geschliffen und unerkannt weiterverkauft wurde, ist bis heute offen.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Hope-Perle
Die größte bekannte Naturperle
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | rund 450 Karat |
| Heute | London, Natural History Museum |
Eine barocke Blasenperle von tropfenähnlicher Form, an einem Ende weiß, am anderen bronzegrün. Sie gehörte demselben Henry Philip Hope, nach dem der Hope-Diamant benannt ist. Naturperlen dieser Größe entstehen ohne menschliches Zutun und sind seit der Verbreitung der Zuchtperle praktisch nicht mehr zu finden.
Im LexikonPerle im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Nur-ul-Ain
Licht des Auges
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | rund 60 Karat |
| Heute | Teheran, iranische Kronjuwelen |
Ein rosafarbener Diamant im Zentrum eines Diadems, das 1958 für die Hochzeit von Farah Diba gefertigt wurde. Er stammt vermutlich aus demselben Kristall wie der Daria-i-Noor. Seit der Revolution von 1979 sind die iranischen Kronjuwelen im Tresor der Zentralbank in Teheran und nur eingeschränkt zugänglich.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Golden Jubilee
Der größte facettierte Diamant der Welt
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 545,67 Karat |
| Heute | Bangkok, thailändische Kronjuwelen |
1985 in derselben Premier-Mine gefunden wie der Cullinan, roh 755,5 Karat und von bräunlich-gelber Farbe. Gabi Tolkowsky schliff ihn — zunächst als Testobjekt für die Werkzeuge, die später beim Centenary zum Einsatz kamen. 1997 wurde er dem König von Thailand zum fünfzigsten Thronjubiläum überreicht. Er übertrifft den Cullinan I um gut fünfzehn Karat.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Centenary
Lupenrein in jeder Hinsicht
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 273,85 Karat |
| Heute | Privatbesitz |
1986 gefunden, roh 599 Karat. Gabi Tolkowsky arbeitete drei Jahre daran, zunächst ausschließlich von Hand, in einem eigens gebauten erschütterungsfreien Raum. Das Ergebnis ist innen wie außen lupenrein und trägt 247 Facetten. Vorgestellt wurde er 1988 zum hundertjährigen Bestehen von De Beers.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Pink Star
Der größte lupenreine Vivid-Pink
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | 59,60 Karat |
| Heute | Privatbesitz |
1999 in Afrika gefunden, roh 132,5 Karat, und über zwei Jahre geschliffen. Das GIA stufte ihn als Fancy Vivid Pink mit lupenreiner Reinheit ein — in dieser Kombination und Größe bislang einmalig. Rosa Diamanten verdanken ihre Farbe nicht einem Fremdelement, sondern einer Verformung des Kristallgitters.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Argyle-Diamanten
Eine Quelle, die versiegt ist
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Gewicht | meist unter 1 Karat |
| Heute | Australien, Mine seit 2020 geschlossen |
Die Argyle-Mine in Westaustralien lieferte über neunzig Prozent der weltweiten rosa Diamanten, dazu Champagner- und Cognacfarben in großen Mengen. Die rosa Steine waren fast immer klein; über ein Karat blieb die Ausnahme. Im November 2020 wurde die Mine nach fast vierzig Jahren geschlossen. Seither stammt alles, was gehandelt wird, aus Beständen.
Im LexikonDiamant im Lexikon — Eigenschaften, Herkunft und Wert
Warum so viele Geschichten nicht stimmen
Der „Fluch des Hope" wurde 1909 von einem Pariser Journalisten erfunden, der Timur-Rubin ist ein Spinell, und die meisten „Smaragde" antiker Herrscher waren Peridot von der Zabargad-Insel. Edelsteingeschichten sind Handelsgeschichten: Sie wurden erzählt, um zu verkaufen. Was nachprüfbar ist, steht in den Tabellen oben — alles andere ist Kolportage.