Perlen Lexikon

Perlenqualität – Lüster, Oberfläche und Perlmuttdicke

Bei Perlen gibt es kein weltweit verbindliches Gradingsystem wie bei Diamanten. Es gibt jedoch sechs Kriterien, über die sich die Branche einig ist – und eines davon zählt mehr als alle anderen.

Lüster ist das wichtigste Kriterium

Lüster bezeichnet die Art, wie eine Perle Licht zurückwirft. Bei hohem Lüster spiegelt die Oberfläche fast wie ein Metall: Man erkennt Konturen der Umgebung, die Lichtquelle zeichnet sich scharf begrenzt ab. Bei schwachem Lüster wirkt die Perle kreidig oder milchig, die Reflexion ist diffus.

Der Lüster entsteht durch die Ordnung der Aragonitplättchen. Sind sie regelmäßig und dünn geschichtet, interferiert das Licht sauber. Ein guter Lüster ist deshalb ein Hinweis auf ordentliches Wachstum – und er lässt sich nicht nachträglich herstellen. Eine Perle mit schwachem Lüster wird durch nichts besser.

Die sechs Bewertungskriterien:
  • Lüster: Schärfe und Tiefe der Reflexion – das wichtigste Kriterium
  • Perlmuttdicke: entscheidet über Haltbarkeit; im Bohrloch abschätzbar
  • Oberfläche: Anzahl und Sichtbarkeit von Wachstumsmerkmalen
  • Form: rund, nahezu rund, oval, tropfen, barock
  • Farbe: Grundfarbe und Überton, Frage der Vorliebe und Passung
  • Größe: in Millimetern, wirkt stark auf den Preis

Perlmuttdicke – der unterschätzte Punkt

Bei Kernperlen ist die Perlmuttschicht das eigentliche Material der Perle; darunter sitzt ein Stück Muschelschale. Ist die Schicht zu dünn, blättert sie mit den Jahren ab und der Nukleus wird sichtbar. Bei Akoyaperlen gelten etwa 0,4 Millimeter als solide, deutlich darunter wird es kritisch. Südseeperlen erreichen oft 2 Millimeter und mehr.

Abschätzen lässt sich die Dicke im Bohrloch: Bei genügend Licht und einer Lupe erkennt man die Grenzlinie zwischen Perlmutt und Kern. Ein weiterer Hinweis ist Blitzen oder Streifigkeit an der Oberfläche – zeigt sich der Kern durch, ist die Schicht zu dünn. Kernlose Süßwasserperlen haben dieses Problem nicht.

Oberfläche und Form

Perlen wachsen organisch, kleine Unregelmäßigkeiten sind normal und kein Mangel. Bewertet wird, wie auffällig sie sind: Feine Punkte in einer Vertiefung fallen kaum auf, eine tiefe Kerbe auf der Schauseite dagegen sehr. Bei der Form gilt rund als anspruchsvollste Kategorie und ist entsprechend teurer. Barocke und tropfenförmige Perlen sind nicht schlechter, sondern anders – und werden gestalterisch oft bewusst gewählt.

Warum es kein einheitliches Gradingsystem gibt

Buchstabensysteme wie AAA, AA+ oder A sind im Perlenhandel verbreitet, aber nicht standardisiert: Was ein Anbieter AAA nennt, entspricht bei einem anderen AA. Diese Skalen sind hausintern und zwischen Händlern nicht vergleichbar. Aussagekräftiger sind konkrete Angaben: Lüsterbeschreibung, Perlmuttdicke in Millimetern, Behandlungsstatus und Größe. Danach sollte man fragen, wenn ein Buchstabe angegeben ist.

Häufige Fragen

Was ist das wichtigste Qualitätsmerkmal bei Perlen?
Der Lüster, also die Schärfe und Tiefe der Reflexion. Er entsteht durch die regelmäßige Schichtung der Aragonitplättchen und lässt sich nachträglich nicht verbessern.
Warum ist die Perlmuttdicke wichtig?
Bei Kernperlen sitzt unter der Perlmuttschicht ein Stück Muschelschale. Ist die Schicht zu dünn, blättert sie mit den Jahren ab und der Kern wird sichtbar. Bei Akoyaperlen gelten etwa 0,4 Millimeter als solide.
Was bedeuten die Bezeichnungen AAA oder AA bei Perlen?
Diese Buchstabenskalen sind nicht standardisiert und zwischen Händlern nicht vergleichbar. Aussagekräftiger sind konkrete Angaben zu Lüster, Perlmuttdicke, Behandlung und Größe.
Sind Oberflächenmerkmale bei Perlen ein Mangel?
Kleine Unregelmäßigkeiten sind bei organisch gewachsenen Perlen normal. Bewertet wird, wie auffällig sie an der Schauseite sind, nicht ob sie vorhanden sind.
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Fazit

Lüster zuerst, dann Perlmuttdicke – diese beiden entscheiden über Aussehen und Haltbarkeit. Buchstabengrade sagen ohne konkrete Angaben wenig aus.