Der wandernde Lichtstreifen des Tigerauges ist reine Geologie: Er entsteht aus einer faserigen Verwandlung, die auch Falkenauge und Pietersit hervorbringt.
Wie die Chatoyance entsteht
Der Katzenaugeneffekt (Chatoyance, von franz. chat = Katze) beruht auf feinen, parallel ausgerichteten Fasern. Fällt Licht auf den polierten Stein, wird es an diesen Fasern reflektiert und zu einem schmalen, wandernden Lichtstreifen gebündelt – wie der Schlitz einer Katzenpupille.
- Effekt: wandernder Lichtstreifen (am besten im Cabochon)
- Ursache: parallele Fasern aus der Pseudomorphose
- Falkenauge: blaugrau, Eisen unoxidiert
- Tigerauge: goldbraun, Eisen oxidiert (Fe³⁺)
- Pietersit: Brekzie aus Tiger- und Falkenauge
Die Pseudomorphose
Tigerauge entsteht durch Pseudomorphose: Der ursprünglich blaugraue, faserige Krokydolith (ein Asbestmineral) wird über geologische Zeiträume durch Quarz ersetzt. Dabei bleibt die Faserstruktur erhalten – die Grundlage der Chatoyance. Der fertige, dichte Stein ist dabei ungefährlich, da die Fasern fest in Quarz gebunden sind.
Falkenauge und Tigerauge
Bleibt das Eisen im Krokydolith unoxidiert, entsteht das blaugraue Falkenauge (Hawk's Eye) – kühler und geheimnisvoller. Oxidiert das Eisen zu Fe³⁺, wird daraus das goldbraune Tigerauge. Beide entstehen unter ähnlichen Bedingungen und finden sich oft nebeneinander.
Rotes Tigerauge und Pietersit
Rotes Tigerauge („Ochsenauge“) ist meist kein Naturprodukt, sondern gebranntes Tigerauge – durch Erhitzen rotbraun gefärbt. Pietersit ist eine wirbelig gemusterte Brekzie aus Tiger- und Falkenauge aus Namibia und China: Pietersit im Lexikon.
Häufige Fragen
Fazit
Der Katzenaugeneffekt des Tigerauges ist das Ergebnis einer faserigen Verwandlung. Aus demselben Prozess gehen Falkenauge und Pietersit hervor – eine ganze Familie schillernder Steine.