Von den vier C ist der Schliff das einzige, das der Mensch zu verantworten hat. Farbe, Reinheit und Gewicht bringt der Stein mit; wie viel davon sichtbar wird, entscheidet der Schleifer.
Was bewertet wird
Seit Januar 2006 vergibt GIA für den runden Brillanten eine eigene Schliffnote in fünf Stufen: Excellent, Very Good, Good, Fair, Poor. Die Note fasst drei Gruppen von Merkmalen zusammen.
| Gruppe | Merkmal | Was gemeint ist |
|---|---|---|
| Erscheinung von oben | Brillanz | Die Summe des weißen Lichts, das der Stein innen und außen zurückwirft. |
| Feuer | Die Zerlegung des Lichts in Spektralfarben. Sie hängt vor allem am Kronenwinkel. | |
| Szintillation | Das Muster aus hellen und dunklen Feldern und das Aufblitzen bei Bewegung. | |
| Konstruktion | Gewichtsverhältnis | Steht das Gewicht in einem vernünftigen Verhältnis zum Durchmesser, oder steckt es in einer dicken Rundiste und einem tiefen Pavillon? |
| Haltbarkeit | Sind Rundiste oder Spitze so dünn geschliffen, dass sie im Alltag gefährdet sind? | |
| Handwerk | Politur | Zustand der Facettenoberflächen: Schleifspuren, Brennflecken, Kratzer. |
| Symmetrie | Genauigkeit von Form und Lage der Facetten: treffen die Kanten zusammen, sitzt die Tafel mittig, ist die Rundiste gleichmäßig stark? |
Politur und Symmetrie werden zusätzlich als eigene Noten ausgewiesen. Ein Stein mit dreimal Excellent — Schliff, Politur, Symmetrie — wird im Handel als 3× Excellent oder Triple Ex angeboten.
Herz und Pfeil
Bei sehr genauer Symmetrie ordnen sich die Reflexe zu einem regelmäßigen Muster: acht Pfeile beim Blick von oben durch die Tafel, acht Herzen beim Blick von unten. Sichtbar wird es erst mit einem einfachen Betrachtungsrohr — dem Firescope, das Kazumi Okuda in den 1970er Jahren entwickelte. Der japanische Schleifer Takanori Tamura entdeckte den Effekt in den 1980er Jahren; den Namen Hearts and Arrows prägte Kinsaku Yamashita 1988.
Das Muster ist ein Symmetrienachweis, keine eigene Qualitätsstufe und keine geschützte Bezeichnung. Es setzt eine etwas kleinere Tafel voraus als der übliche Handelsschliff und kostet deutlich mehr Schleifzeit. Ein Stein mit Herz-und-Pfeil-Muster ist also sehr wahrscheinlich exakt geschliffen — aber ein Brillant ohne dieses Muster kann trotzdem Excellent sein.
Was eine gute Note wert ist
Der Unterschied zwischen Excellent und Good ist mit bloßem Auge sichtbar, der zwischen Excellent und Very Good häufig nicht. Wer an einer Stelle sparen will, spart hier weniger schmerzhaft als bei der Farbe: ein Stein mit Very Good und einer Farbstufe besser wirkt meist lebendiger als umgekehrt. Ganz nach unten sollte man nicht gehen — ein Schliff mit der Note Fair oder Poor lässt sich später nicht ausgleichen.
Fluoreszenz gehört nicht dazu
Viele Zertifikate führen unter den Schliffangaben auch die Fluoreszenz auf — das Leuchten des Steins unter langwelligem UV-Licht, meist blau. Sie ist weder Teil der Schliffbewertung noch ein Fehler. Bei stark getönten Steinen kann sie die Farbe sogar weißer erscheinen lassen; bei sehr farblosen Steinen der Stufen D bis F kann starke Fluoreszenz milchig wirken und drückt dann den Preis.
Worauf zu achten ist
Schliffnote nicht unter Very Good, Politur und Symmetrie ebenfalls nicht, und im Zweifel lieber eine Farbstufe tiefer als eine Schliffstufe. Der Schliff ist das einzige Kriterium, das man dem Stein ansieht, ohne ihn zu messen.
Quellen: GIA, The GIA Diamond Cut Grading System for Round Brilliant Cut Diamonds · GIA, 4Cs – Diamond Cut · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC · RENÉSIM Diamantenlexikon, Eintrag Hearts & Arrows