Ein Brillant ist kein eigener Stein, sondern ein Diamant in einer ganz bestimmten Schliffform: rund, mit mindestens 57 Facetten, in festgelegter Anordnung. Jeder Brillant ist ein Diamant — aber längst nicht jeder Diamant ist ein Brillant.
Die Bezeichnung ist geschützt, nicht beschreibend
Im Handel darf das Wort Brillant ohne jeden Zusatz nur für einen Diamanten im runden Vollschliff verwendet werden. Die Anforderung ist präzise gefasst: mindestens 32 Facetten und die Tafel im Oberteil, mindestens 24 Facetten und gegebenenfalls die Kalette im Unterteil, dazu eine kreisrunde Rundiste. Das ergibt die bekannten 57 Facetten, mit Kalette 58.
Aus dieser Regel folgen zwei Dinge, die im Verkaufsgespräch regelmäßig durcheinandergehen. Erstens: Ein Diamant in Tropfen-, Herz- oder Smaragdschliff ist kein Brillant, auch wenn er teuer ist. Zweitens: Ein Zirkonia oder Moissanit im gleichen runden Vollschliff ist ebenfalls kein Brillant, sondern ein „Zirkonia in Brillantschliff“ — so und nicht anders muss er ausgezeichnet werden. Zusätze wie „echter Brillant“ sind unzulässig, weil sie suggerieren, es gäbe auch unechte.
Warum ausgerechnet diese Form
Diamant hat mit 2,417 den höchsten Brechungsindex aller gebräuchlichen Edelsteine und damit einen sehr kleinen Grenzwinkel der Totalreflexion: 24,4°. Licht, das flacher als dieser Winkel auf eine Facette von innen trifft, wird vollständig zurückgeworfen und verlässt den Stein nicht. Der Brillantschliff ist der Versuch, möglichst viel einfallendes Licht genau zweimal so zu spiegeln, dass es durch die Krone zum Auge zurückkehrt — und auf dem Weg dorthin in seine Spektralfarben zerlegt wird.
Das ist keine Geschmacksfrage, sondern Geometrie. Wie eng das Fenster ist, in dem beide Totalreflexionen halten, zeigt die Seite zu den Proportionen und dem Lichtweg.
Der Zweig im Überblick
Die folgenden Seiten behandeln jeweils einen Aspekt vollständig. Wer den Stein selbst sucht — Entstehung, Fundorte, Handel, farbige Diamanten — findet ihn im Diamant-Lexikon.
Was ein Brillant nicht ist
- Kein eigener Edelstein. In keiner mineralogischen Systematik kommt ein „Brillant“ vor. Der Stein heißt Diamant, die Form heißt Brillantschliff.
- Keine Qualitätsangabe. Ein Brillant kann schlecht geschliffen, stark getönt und deutlich eingeschlossen sein. Die Bezeichnung sagt über die Güte nichts aus.
- Kein Nachweis natürlicher Entstehung. Auch ein im Labor gewachsener Diamant im runden Vollschliff ist ein Brillant. Er muss aber als synthetisch gekennzeichnet sein.
- Kein Synonym für „groß“. Die kleinsten Brillanten im Handel wiegen fünf Tausendstel Karat und messen 1,1 Millimeter.
In einem Satz
Brillant bezeichnet nicht den Stein, sondern seinen Schliff: einen Diamanten, rund, mit 57 oder 58 Facetten in festgelegter Anordnung — alles andere braucht einen Zusatz, der den Stein eindeutig benennt.
Quellen: Wikipedia, Artikel Brillant und Brilliant (gemstone cut) · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC · GIA, 4Cs – Diamond Cut