Ein Brillant lässt sich nicht am Preisschild beurteilen und im Schaufenster nur sehr begrenzt. Was man vor dem Kauf tatsächlich prüfen kann — und was nur ein Labor kann.
Das Zertifikat: was es sagt
Ein Diamantzertifikat oder Gradierungsbericht beschreibt einen losen Stein. Es nennt Maße, Gewicht, Farbe, Reinheit, Schliff-, Politur- und Symmetrienote, Fluoreszenz und in der Regel ein Diagramm mit der Lage der Einschlüsse. Viele Berichte tragen zusätzlich eine Nummer, die mit dem Laser in die Rundiste geschrieben ist und den Stein dem Papier zuordnet.
| Labor | Kurz | Einordnung |
|---|---|---|
| Gemological Institute of America | GIA | Setzt die Maßstäbe für Farbe, Reinheit und Schliff. Steine mit GIA-Bericht werden am höchsten gehandelt. |
| International Gemological Institute | IGI | Weit verbreitet, besonders bei Labordiamanten und bei gefasster Ware. |
| Hoge Raad voor Diamant | HRD | Antwerpener Labor, im europäischen Handel stark vertreten. |
| Deutsche Gemmologische Gesellschaft | DGemG / DSEF | Deutsches Labor in Idar-Oberstein, auch für farbige Edelsteine. |
Das Zertifikat: was es nicht sagt
- Keinen Wert. Ein Gradierungsbericht nennt Merkmale, keinen Preis. Eine Wertangabe steht nur in einem gesonderten Wertgutachten, etwa für die Versicherung.
- Keine Aussage über die Fassung. Bewertet wird der lose Stein. Bei gefasster Ware sind Farbe und Reinheit nur eingeschränkt bestimmbar, was im Bericht vermerkt sein muss.
- Keine Herkunft. Wo ein Diamant gefunden wurde, lässt sich am Stein nicht ablesen. Angaben dazu beruhen auf Lieferketten-Dokumenten, nicht auf Gemmologie.
- Nichts über spätere Schäden. Ein Bericht beschreibt den Zustand am Prüftag. Ein abgestoßener Rundistenrand macht ihn hinfällig.
Was man selbst prüfen kann
Ohne Geräte bleibt wenig, aber nicht nichts. Die folgenden Prüfungen setzen einen losen oder offen gefassten Stein und eine zehnfache Lupe voraus.
- Durchsicht. Den Stein mit der Tafel nach unten auf eine bedruckte Seite legen. Bei einem gut geschliffenen Brillanten ist keine Schrift erkennbar. Ist sie lesbar, ist der Pavillon zu flach oder der Stein kein Diamant.
- Rundistenrand. Unter der Lupe zeigt ein gebruteter Diamant einen matten, körnigen Rand; viele Imitationen haben dort eine glänzende, glatte Fläche. Kleine Absplitterungen sind häufig und mindern den Wert.
- Facettenkanten. Bei zehnfacher Vergrößerung müssen die Kanten scharf zusammenlaufen. Abgerundete Kanten sprechen für einen weicheren Stein, etwa Zirkonia.
- Doppelbrechung. Blickt man schräg durch die Tafel auf die gegenüberliegenden Facettenkanten, erscheinen sie bei Moissanit doppelt, bei Diamant einfach. Das ist die verlässlichste Unterscheidung von Hand.
- Laserinschrift. Die Nummer auf der Rundiste unter der Lupe suchen und mit dem Bericht vergleichen. Viele Labore führen zudem eine Online-Abfrage.
Nicht taugliche Prüfungen: Der Atemtest — angehauchter Diamant beschlägt angeblich nicht — funktioniert bei Moissanit ebenso wenig und bei einem kalten Zirkonia ebenso gut. Der Ritztest beschädigt den Schmuck, ohne etwas zu beweisen. Und ein handelsüblicher Wärmeleitprüfer unterscheidet Diamant zwar von Zirkonia, nicht aber von Moissanit; dafür braucht es ein Gerät, das zusätzlich die elektrische Leitfähigkeit misst.
Natürlich oder im Labor gewachsen
Diese Frage ist von Hand nicht zu beantworten. Labordiamanten haben dieselbe Zusammensetzung, dieselbe Härte und denselben Brechungsindex. Der Nachweis gelingt über Wachstumsmerkmale, Spurenelemente und das Verhalten unter kurzwelligem UV-Licht — also im Labor. Seriöse Anbieter kennzeichnen synthetische Ware, und die Berichte tragen einen deutlichen Vermerk. Einzelheiten stehen unter synthetische Diamanten, die Abgrenzung zu Imitationen unter Diamant-Echtheit.
Beim Kauf
- Lose vergleichen, dann fassen lassen. Nur am losen Stein sind Farbe und Reinheit sicher beurteilbar.
- Bericht und Stein zusammen prüfen. Maße und Gewicht auf dem Papier mit dem Stein abgleichen; die Maße sind bis auf hundertstel Millimeter angegeben.
- Auf den Karatpreis umrechnen. Erst der Preis je Karat macht Angebote vergleichbar. Die Rechnung steht unter Preisbildung.
- Rückgaberecht klären. Beim Kauf vor Ort besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht; im Fernabsatz schon.
- Zweitmeinung einholen. Bei größeren Beträgen lohnt die Prüfung durch einen unabhängigen Gutachter, der am Verkauf nicht beteiligt ist.
Nach dem Kauf
Diamant ist mit Mohshärte 10 der härteste bekannte natürliche Stoff, aber nicht unzerbrechlich: Er hat eine vollkommene Spaltbarkeit nach dem Oktaeder. Ein harter Schlag auf die Rundiste kann eine Spalte auslösen. Zum Reinigen genügen warmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel und eine weiche Bürste; Ultraschall ist bei Steinen mit großen Einschlüssen oder feinen Rissen nicht ratsam. Allgemeines zur Pflege steht im Ratgeber.
Die kurze Fassung
Ohne Bericht eines anerkannten Labors ist ein Brillant nicht vergleichbar, und ohne Blick durch die Lupe ist auch ein Bericht nur Papier. Beides zusammen genügt für fast jede Kaufentscheidung.
Quellen: GIA, 4Cs – Diamond Cut · GIA, The GIA Diamond Cut Grading System for Round Brilliant Cut Diamonds · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC