Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Vergleich

Bergkristall oder Zirkonia

Zwei farblose Steine, die beide gern als Diamantersatz auftreten — der eine ein Naturprodukt ohne jede Brillanz-Ambition, der andere ein Laborkristall, der dem Diamanten optisch näher kommt als jeder Naturstein.

Die Kennzahlen im direkten Vergleich

BergkristallZirkonia
Herkunftnatürlichsynthetisch, seit 1976 industriell
MineralfamilieQuarz (SiO₂)Zirkoniumdioxid (ZrO₂)
Mohs-Härte78–8,5
Brechungsindex1,544–1,5532,150–2,180
Dispersion (Feuer)0,0130,058–0,066
Dichte2,65 g/cm³5,60–6,00 g/cm³
Wärmeleitunggeringsehr gering
Preisspanne0,50–15 €/ct0,20–3 €/ct

Fett gesetzt ist jeweils der Wert, der im Vergleich den praktischen Vorteil bringt — je nach Anwendung kann die Bewertung anders ausfallen.

Warum Bergkristall kein Diamantersatz ist

Mit einem Brechungsindex von 1,55 und einer Dispersion von 0,013 hat Bergkristall schlicht zu wenig optische Substanz. Ein brillantierter Bergkristall wirkt glasig und flach — er kann Licht nicht in dem Mass zurückwerfen, das ein Brillantschliff voraussetzt. Historische „Rheinkiesel" und Bergkristall-Imitationen wirkten nur deshalb überzeugend, weil im Kerzenlicht wenig zu sehen war.

Warum Zirkonia funktioniert

Kubisches Zirkoniumdioxid hat mit 2,15 bis 2,18 einen Brechungsindex knapp unter dem des Diamanten (2,417) und mit 0,058 bis 0,066 sogar mehr Dispersion. Im Brillantschliff liefert es mehr Farbfeuer als der Diamant selbst — und genau daran erkennt der geübte Blick es: die Regenbogenblitze sind zu bunt, zu ausgeprägt, zu gleichmässig verteilt.

Die drei sicheren Tests

Erstens das Gewicht: Zirkonia ist mit 5,7 g/cm³ mehr als doppelt so schwer wie Bergkristall und rund 60 Prozent schwerer als Diamant gleicher Größe. Zweitens die Kanten: Zirkonia ist weicher als Diamant, an getragenen Steinen runden die Facettenkanten sichtbar ab. Drittens der Wärmeleitungstester, der Diamant sofort von beiden trennt — gegen Moissanit hilft er allerdings nicht.

Wofür jeder taugt

Bergkristall ist Sammler- und Objektmaterial: Kugeln, Obelisken, große Freiformen, Skulpturen. Als Schmuckstein spielt er nur in großen, dekorativen Schliffen eine Rolle. Zirkonia ist Modeschmuckmaterial: preiswert, in jeder Farbe erhältlich, optisch beeindruckend — mit dem einen Nachteil, dass die Politur nach einigen Jahren täglichen Tragens sichtbar nachlässt.

Das Fazit

Wenn es um Diamantoptik geht, ist Zirkonia dem Bergkristall in jeder optischen Kennzahl überlegen. Bergkristall spielt seine Stärken woanders aus: als großer, natürlicher, klarer Kristall, der nicht vorgibt, etwas anderes zu sein.

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Häufige Fragen

Ist Zirkonia dasselbe wie Zirkon?
Nein, und die Namensähnlichkeit ist die häufigste Verwechslung im Handel. Zirkon ist ein natürliches Mineral (Zirkoniumsilikat) mit hoher Doppelbrechung; Zirkonia ist ein synthetisches Oxid ohne natürliches Vorbild.
Wie lange sieht Zirkonia gut aus?
Bei täglichem Tragen im Ring etwa zwei bis fünf Jahre, dann sind die Facettenkanten sichtbar abgerundet und die Politur matt. In Ohrschmuck und Anhängern hält er praktisch unbegrenzt.
Gibt es natürlichen Bergkristall mit Brillanz wie Diamant?
Nein. Der Brechungsindex ist eine Materialkonstante und lässt sich durch keinen Schliff verändern. Auch der beste Brillantschliff kann aus Quarz keinen Diamanten machen.