Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Vergleich

Granat oder Rubin

Die älteste Verwechslung des Edelsteinhandels. Jahrhundertelang wurde jeder rote Stein als Rubin bezeichnet — und der größte Teil davon war Granat oder Spinell.

Die Kennzahlen im direkten Vergleich

GranatRubin
MineralfamilieGranat (Pyrop, Almandin, Spessartin)Korund (Al₂O₃)
Mohs-Härte6,5–7,59
Kristallsystemkubischtrigonal
Doppelbrechungkeine (isotrop)0,008 (doppelbrechend)
Brechungsindex1,714–1,8881,762–1,778
Dichte3,50–4,30 g/cm³3,97–4,05 g/cm³
Fluoreszenz unter UVkeinekräftig rot
Preisspanne10–300 €/ct500–50.000+ €/ct

Fett gesetzt ist jeweils der Wert, der im Vergleich den praktischen Vorteil bringt — je nach Anwendung kann die Bewertung anders ausfallen.

Das sicherste Unterscheidungsmerkmal

Granat ist kubisch und damit einfachbrechend, Rubin ist trigonal und doppelbrechend. Im Polariskop bleibt Granat in jeder Stellung gleich dunkel oder gleich hell, Rubin wechselt viermal pro Umdrehung. Dasselbe zeigt sich im Dichroskop: Rubin spaltet die Farbe in ein purpurrotes und ein orangerotes Bild, Granat zeigt nur einen Ton. Beide Prüfungen sind zerstörungsfrei und dauern Sekunden.

Der UV-Test

Rubin fluoresziert unter langwelligem UV kräftig rot — die Chromfluoreszenz ist der Grund, warum burmesische Rubine von innen zu glühen scheinen. Granat zeigt keine Fluoreszenz; das Eisen in Almandin und Pyrop löscht sie vollständig aus. Eine einfache UV-Lampe trennt die beiden also bereits zuverlässig.

Die Farbe selbst

Rubin zeigt ein reines bis leicht purpurstichiges Rot. Granat neigt zu Braun- oder Orangeanteilen: Almandin geht ins Bräunlichrote, Pyrop ins Bläulichrote, Rhodolith als Mischkristall liefert ein himbeerfarbenes Rot, das dem Rubin am nächsten kommt. Wer beide nebeneinander sieht, erkennt den Unterschied sofort — einzeln betrachtet fällt er kaum auf.

Was Granat wirklich kann

Granat wird als billiger Rubinersatz unterschätzt. Die Familie umfasst mit Tsavorit und Demantoid zwei der teuersten grünen Edelsteine überhaupt, Spessartin liefert das kräftigste Orange im Handel, und Demantoid übertrifft mit einer Dispersion von 0,057 sogar den Diamanten. Granat ist keine Rubin-Alternative, sondern eine eigene, sehr breite Mineralfamilie.

Das Fazit

Wer Rot sucht und ein realistisches Budget hat, kauft Granat und bekommt einen ehrlichen, fast immer unbehandelten Stein. Rubin ist eine andere Preisklasse und verlangt ab vierstelligen Beträgen einen Laborbericht — zur Behandlung und, bei burmesischer Ware, zur Herkunft.

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Häufige Fragen

Ist der Black Prince’s Ruby ein Rubin?
Nein, er ist ein roter Spinell von etwa 170 Karat und sitzt in der britischen Reichskrone. Dasselbe gilt für den Timur-Rubin. Bis ins 18. Jahrhundert unterschied man Rubin, Spinell und Granat nicht — der Sammelbegriff lautete Karfunkel.
Wird Granat behandelt?
Praktisch nie. Granat ist einer der wenigen Edelsteine, bei denen Erhitzen, Bestrahlen oder Füllen keinen Vorteil bringt. Das macht ihn für Käufer, denen Naturbelassenheit wichtig ist, besonders interessant.
Welcher Granat kommt einem Rubin am nächsten?
Rhodolith, ein Mischkristall aus Pyrop und Almandin, mit einem klaren himbeer- bis purpurroten Ton ohne Braunstich. Er stammt vor allem aus Tansania, Mosambik und Sri Lanka.