Rot ist die teuerste Edelsteinfarbe und zugleich eine der seltensten. 51 der 174 Steine im Lexikon kommen in Rottönen vor — fast alle verdanken sie zwei Elementen: Chrom oder Eisen.
Die zwölf wichtigsten roten Edelsteine












Kennzahlen im Vergleich
| Stein | Mohs | Mineralfamilie | Farbursache | Preislage |
|---|---|---|---|---|
| Rubin | 9 | Korund | Chrom im Korund | Spitzenklasse |
| Bixbit | 7,5–8 is | Beryll | Mangan im Beryll | Spitzenklasse, Sammlerware |
| Spinell | 8 | Oxid | Chrom | gehoben |
| Turmalin | 7–7,5 | Elbaít-Turmalin | Mangan (Rubellit) | gehoben |
| Opal | 5,5–6,5 | Hydratisiertes SiO | Eisenoxid (Feueropal) | mittel bis gehoben |
| Granat | 6,5–7,5 | Silikat | Eisen oder Chrom | günstig bis mittel |
| Zirkon | 7,5 | Zirkoniumsilikat | Spurenelemente, Gitterschäden | mittel |
| Edelkoralle | 3–4 | Organisch | Carotinoide (organisch) | mittel bis gehoben |
| Rhodochrosit | 3,5–4 | Carbonat | Mangan (eigenfarbig) | günstig bis mittel |
| Rhodonit | 5,5–6,5 | Inosilikat | Mangan | günstig |
| Karneol | 6,5–7 | Chalcedon | Eisenoxid, oft gebrannt | günstig |
| Jaspis | 6,5–7 | Chalcedon | Eisenoxide | günstig |
Woher die Farbe kommt
Rot kommt in Edelsteinen fast ausschließlich von drei Stoffen — und der Unterschied zwischen ihnen ist mit einfachen Mitteln sichtbar.
- Chrom ergibt das reine, leicht bläuliche Rot von Rubin und rotem Spinell. Chrom hat eine Eigenheit, die kein anderes Farbelement teilt: Es strahlt aufgenommenes Licht als rotes Licht wieder ab. Deshalb leuchten chromgefärbte Steine im Sonnen- und im UV-Licht regelrecht auf. Ein Rubin aus Myanmar mit wenig Eisen tut das besonders deutlich; Eisen dämpft diesen Effekt.
- Mangan ergibt das wärmere, leicht pinkstichige Rot von Rubellit, Bixbit, Rhodochrosit und Rhodonit. Manganrot wirkt weicher und zeigt keine Fluoreszenz.
- Eisenoxid ergibt die gedeckten Braunrot- und Ziegeltöne von Karneol, Jaspis und Feueropal. Hier färbt nicht ein Ion im Gitter, sondern feinverteiltes Pigment in der Grundmasse — deshalb sind diese Steine undurchsichtig oder nur durchscheinend.
Eine vierte Gruppe fällt ganz heraus: Bei der Edelkoralle stammt das Rot von organischen Farbstoffen im Kalkskelett eines Tieres. Mineralogisch ist sie kein Edelstein, im Handel zählt sie seit der Antike dazu.
Die Grenze zwischen Rot und Rosa ist dabei keine chemische, sondern eine der Sättigung. Derselbe Stein heißt bei kräftiger Farbe Rubin und bei blasser rosa Saphir — und wo genau die Grenze liegt, ist zwischen den Handelsplätzen bis heute nicht einheitlich geregelt.
Weitere Steine in dieser Farbe
Diese 10 Steine kommen ebenfalls in roten Tönen vor, ohne dass die Farbe für sie kennzeichnend wäre.
Seltenheiten für Sammler
Im Schmuckhandel praktisch nicht anzutreffen, im Lexikon aber vollständig behandelt:
Worauf beim Kauf zu achten ist
- Beim Rubin die Behandlung klären. Brennen ist Handelsstandard. Glasgefüllte Rubine sind etwas anderes: Dort wird bleihaltiges Glas in Risse eingebracht, was den Stein optisch aufwertet, ihn aber empfindlich gegen Säuren und Hitze macht. Der Preisunterschied ist enorm und muss im Beleg stehen.
- Spinell als ehrliche Alternative. Roter Spinell wird in aller Regel nicht behandelt, ist fast so hart wie Rubin und kostet einen Bruchteil.
- Granat nicht unterschätzen. Rhodolith und Pyrop liefern für wenig Geld ein sauberes Rot ohne jede Behandlung — bei Mohs 7 bis 7,5 auch alltagstauglich.
- Bei Koralle auf Herkunft und Färbung achten. Blasse Ware wird seit Jahrzehnten nachgefärbt. Dazu kommen Artenschutzfragen beim grenzüberschreitenden Handel.
Kurz gefasst
51 der 174 Steine im Lexikon kommen in dieser Farbe vor. Die zwölf oben genannten decken ab, was im Handel tatsächlich angeboten wird — alles Weitere ist Sammlergebiet.
Quellen: eigene Clusterseiten des Lexikons mit den dort belegten Kennzahlen · GIA, Gem Encyclopedia · mindat.org und Mineralienatlas