Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Farben

Weiße und farblose Edelsteine im Überblick

Farblose Steine haben kein Farbelement — und genau deshalb entscheidet bei ihnen allein der Schliff darüber, wie viel Licht zurückkommt. 84 der 174 Steine im Lexikon kommen farblos oder weiß vor.

Die zwölf wichtigsten weißen und farblosen Edelsteine

Diamant
DiamantMohs 10Der Maßstab: Brechungsindex 2,417, Mohs 10. Über 98 Prozent aller Naturdiamanten tragen etwas Stickstoff und sind deshalb nicht völlig farblos.
Bergkristall
BergkristallMohs 7,0Reiner Quarz ohne jedes Farbelement. Günstig, hart genug für den Alltag und in jeder Größe verfügbar.
Zirkonia
ZirkoniaMohs 8–8,5Kubisches Zirkonoxid, vollständig synthetisch. Brechungsindex nahe dem Diamanten, aber deutlich weicher und schwerer.
Moissanit
MoissanitMohs 9,25Siliciumcarbid, fast immer synthetisch. Höhere Dispersion als Diamant und doppelbrechend — daran erkennt man ihn.
Saphir
SaphirMohs 9Farbloser Korund ohne Spurenelemente. Mit Mohs 9 der haltbarste Diamantersatz aus der Natur.
Topas
TopasMohs 8Farbloser Topas ist der Ausgangsstoff für fast alle blauen Topase im Handel — vor der Bestrahlung.
Perle
PerleMohs 2,5–4Organisch: Perlmutt in Schichten um einen Kern. Die Farbe reicht von Weiß über Creme bis Silber.
Mondstein
MondsteinMohs 6–6,5Farblos mit blauem Schimmer. Die Adulareszenz entsteht nicht durch Farbstoff, sondern an feinsten Lamellen im Feldspat.
Opal
OpalMohs 5,5–6,5Weißopal: Farbspiel auf hellem Grund. Die Farben kommen aus der Beugung an regelmäßig gepackten Kieselgelkugeln.
Howlith
HowlithMohs 3,5Kreideweiß mit grauen Adern. Wird häufig blau gefärbt und als Türkis angeboten — die bekannteste Imitation im Handel.
Magnesit
MagnesitMohs 3,5–4,5Weiß bis grauweiß, oft geadert. Wie Howlith ein beliebter Träger für Färbungen.
Danburit
DanburitMohs 7–7,5Farblos und sehr klar, mit guter Lichtdurchlässigkeit. Unter Sammlern geschätzt, im Schmuck selten.
Farbtöne der zwölf KernsteineZwölf Farbfelder nebeneinander, je eines für Diamant, Bergkristall, Zirkonia, Moissanit, Saphir, Topas, Perle, Mondstein, Opal, Howlith, Magnesit, Danburit, darunter Name und Mohshärte.DiamantMohs 10BergkristallMohs 7,0ZirkoniaMohs 8–8,5MoissanitMohs 9,25SaphirMohs 9TopasMohs 8PerleMohs 2,5–4MondsteinMohs 6–6,5OpalMohs 5,5–6,5HowlithMohs 3,5MagnesitMohs 3,5–4,5DanburitMohs 7–7,5
Die Spannweite innerhalb einer Farbe. Jedes Feld steht für den typischen Ton eines der zwölf Steine. Die Farbwerte sind die des Lexikons und ersetzen keinen Vergleich am Stein.

Kennzahlen im Vergleich

SteinMohsMineralfamilieFarbursachePreislage
Diamant10Kohlenstoff2,417 · Mohs 10Spitzenklasse
Saphir9Aluminiumoxid1,76–1,77 · Mohs 9mittel bis gehoben
Perle2,5–4Organischorganisch · Mohs 2,5–4,5günstig bis Spitzenklasse
Opal5,5–6,5Hydratisiertes SiO1,37–1,52 · Mohs 5–6mittel bis gehoben
Moissanit9,25Siliziumkarbid2,65–2,69 · Mohs 9,25günstig bis mittel
Topas8Fluosilikat1,61–1,64 · Mohs 8günstig
Danburit7–7,5Borosilikat1,63–1,64 · Mohs 7–7,5günstig
Mondstein6–6,5Feldspat1,52–1,53 · Mohs 6–6,5günstig
Bergkristall7,0Quarz1,54–1,55 · Mohs 7günstig
Zirkonia8–8,5Zirkoniumdioxid (synthetisch)2,15–2,18 · Mohs 8–8,5günstig
Magnesit3,5–4,5Carbonat1,51–1,70 · Mohs 3,5–4,5günstig
Howlith3,5Borat1,58–1,59 · Mohs 3,5günstig

Woher die Farbe kommt

Farblos heißt: Im Kristallgitter sitzt kein Element, das sichtbares Licht schluckt. Was den Stein dann noch unterscheidet, sind drei optische Größen — und die entscheiden alles.

Eine eigene Gruppe bilden die Steine, deren Weiß gar keine Farbe ist, sondern Struktur: Beim Mondstein entsteht der blauweiße Schimmer an feinsten Lamellen, beim Opal das Farbspiel an regelmäßig gepackten Kieselgelkugeln, bei der Perle der Glanz an den Schichten des Perlmutts.

Ausführlich zum Vergleich der Diamantersatzsteine: Diamant oder Moissanit und Bergkristall oder Zirkonia.

Weitere Steine in dieser Farbe

Diese 13 Steine kommen ebenfalls in weißen und farblosen Tönen vor, ohne dass die Farbe für sie kennzeichnend wäre.

Seltenheiten für Sammler

Im Schmuckhandel praktisch nicht anzutreffen, im Lexikon aber vollständig behandelt:

Worauf beim Kauf zu achten ist

Kurz gefasst

84 der 174 Steine im Lexikon kommen in dieser Farbe vor. Die zwölf oben genannten decken ab, was im Handel tatsächlich angeboten wird — alles Weitere ist Sammlergebiet.

Quellen: eigene Clusterseiten des Lexikons mit den dort belegten Kennzahlen · GIA, Gem Encyclopedia · mindat.org und Mineralienatlas

Häufige Fragen

Welcher farblose Edelstein kommt dem Diamanten am nächsten?
Optisch der Moissanit, der sogar mehr Feuer zeigt, sich aber durch seine Doppelbrechung verrät. Beim Härteverhalten kommt der farblose Saphir mit Mohs 9 am nächsten.
Ist Zirkonia dasselbe wie Zirkon?
Nein. Zirkonia ist kubisches Zirkonoxid, vollständig im Labor hergestellt. Zirkon ist ein natürliches Mineral, ein Zirkonsilikat. Die Namen ähneln sich, die Steine haben nichts miteinander zu tun.
Warum funkelt Bergkristall weniger als Diamant?
Wegen des niedrigeren Brechungsindex. Bei 1,54 liegt der Grenzwinkel der Totalreflexion bei rund 40 Grad statt bei 24,4 — ein erheblicher Teil des Lichts tritt unten aus, statt zurückzukehren.
Ist weißer Howlith gefärbter Türkis?
Umgekehrt: Howlith ist ein eigener weißer Stein, der sehr häufig blau gefärbt und dann als Türkis angeboten wird. Das ist die bekannteste Imitation im Handel.