Farblose Steine haben kein Farbelement — und genau deshalb entscheidet bei ihnen allein der Schliff darüber, wie viel Licht zurückkommt. 84 der 174 Steine im Lexikon kommen farblos oder weiß vor.
Die zwölf wichtigsten weißen und farblosen Edelsteine












Kennzahlen im Vergleich
| Stein | Mohs | Mineralfamilie | Farbursache | Preislage |
|---|---|---|---|---|
| Diamant | 10 | Kohlenstoff | 2,417 · Mohs 10 | Spitzenklasse |
| Saphir | 9 | Aluminiumoxid | 1,76–1,77 · Mohs 9 | mittel bis gehoben |
| Perle | 2,5–4 | Organisch | organisch · Mohs 2,5–4,5 | günstig bis Spitzenklasse |
| Opal | 5,5–6,5 | Hydratisiertes SiO | 1,37–1,52 · Mohs 5–6 | mittel bis gehoben |
| Moissanit | 9,25 | Siliziumkarbid | 2,65–2,69 · Mohs 9,25 | günstig bis mittel |
| Topas | 8 | Fluosilikat | 1,61–1,64 · Mohs 8 | günstig |
| Danburit | 7–7,5 | Borosilikat | 1,63–1,64 · Mohs 7–7,5 | günstig |
| Mondstein | 6–6,5 | Feldspat | 1,52–1,53 · Mohs 6–6,5 | günstig |
| Bergkristall | 7,0 | Quarz | 1,54–1,55 · Mohs 7 | günstig |
| Zirkonia | 8–8,5 | Zirkoniumdioxid (synthetisch) | 2,15–2,18 · Mohs 8–8,5 | günstig |
| Magnesit | 3,5–4,5 | Carbonat | 1,51–1,70 · Mohs 3,5–4,5 | günstig |
| Howlith | 3,5 | Borat | 1,58–1,59 · Mohs 3,5 | günstig |
Woher die Farbe kommt
Farblos heißt: Im Kristallgitter sitzt kein Element, das sichtbares Licht schluckt. Was den Stein dann noch unterscheidet, sind drei optische Größen — und die entscheiden alles.
- Der Brechungsindex bestimmt, wie stark das Licht beim Eintritt abgelenkt wird und ab welchem Winkel es im Stein bleibt. Diamant liegt bei 2,417 und hat damit einen Grenzwinkel von nur 24,4 Grad — fast alles Licht kehrt zurück. Bergkristall liegt bei 1,54, der Grenzwinkel bei rund 40 Grad: ein erheblicher Teil des Lichts verlässt den Stein nach unten. Deshalb wirkt ein Bergkristall im gleichen Schliff zurückhaltender als ein Diamant.
- Die Dispersion bestimmt, wie stark das weiße Licht in Spektralfarben zerlegt wird — das Feuer. Diamant liegt bei 0,044, Zirkonia bei 0,060, Moissanit bei 0,104. Dass ein Moissanit „zu bunt" blitzt, ist kein Zufall, sondern Physik.
- Die Doppelbrechung trennt am sichersten. Diamant und Zirkonia sind einfachbrechend, Moissanit und Zirkon doppelbrechend: Blickt man schräg durch die Tafel, erscheinen die gegenüberliegenden Facettenkanten doppelt.
Eine eigene Gruppe bilden die Steine, deren Weiß gar keine Farbe ist, sondern Struktur: Beim Mondstein entsteht der blauweiße Schimmer an feinsten Lamellen, beim Opal das Farbspiel an regelmäßig gepackten Kieselgelkugeln, bei der Perle der Glanz an den Schichten des Perlmutts.
Ausführlich zum Vergleich der Diamantersatzsteine: Diamant oder Moissanit und Bergkristall oder Zirkonia.
Weitere Steine in dieser Farbe
Diese 13 Steine kommen ebenfalls in weißen und farblosen Tönen vor, ohne dass die Farbe für sie kennzeichnend wäre.
Seltenheiten für Sammler
Im Schmuckhandel praktisch nicht anzutreffen, im Lexikon aber vollständig behandelt:
Worauf beim Kauf zu achten ist
- Beim Diamanten zählt der Schliff vor der Farbe. Wie stark ein farbloser Stein wirkt, entscheidet die Proportion — nachzulesen unter Proportionen und Lichtweg.
- Zirkonia nicht mit Zirkon verwechseln. Zirkonia ist ein synthetisches Oxid ohne natürliches Vorbild, Zirkon ein natürliches Mineral. Die Namensähnlichkeit ist eine der häufigsten Verwechslungen im Handel.
- Moissanit erkennen. Die Doppelbrechung ist das sichere Merkmal; ein einfacher Wärmeleitprüfer unterscheidet ihn nicht vom Diamanten.
- Weiße Steine mit geringer Härte schützen. Howlith (3,5), Magnesit (3,5–4,5) und Perle (2,5–4,5) vertragen weder Reibung noch Säure. Perlen gehören nach dem Tragen abgewischt und nie in den Ultraschall.
Kurz gefasst
84 der 174 Steine im Lexikon kommen in dieser Farbe vor. Die zwölf oben genannten decken ab, was im Handel tatsächlich angeboten wird — alles Weitere ist Sammlergebiet.
Quellen: eigene Clusterseiten des Lexikons mit den dort belegten Kennzahlen · GIA, Gem Encyclopedia · mindat.org und Mineralienatlas